Review: HORNS (2013)

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BEWERTUNGEN:
Redaktion: 8.5

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7.8/10 (82)

Darsteller: Daniel Radcliffe, Juno Temple, David Morse
Regie: Alexandre Aja
Drehbuch: Keith Bunin
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Schon seit HORNS angekündigt wurde, stand die Frage im Raum, wie Alexandra Aja einen ernstzunehmenden Horrorfilm drehen will, in dem der Hauptdarsteller lustige Hörner auf dem Kopf trägt. Die Antwort ist simpel: gar nicht und offensichtlich war das auch nie der Plan.

Story:
Ig Perrishs Freundin Merrin ist tot und er soll sie getötet haben. Er bleibt zwar noch auf freiem Fuß, doch die Ermittlungen laufen und die Bevölkerung der Kleinstadt, in der die beiden aufwuchsen hat ohnehin längst ihr Urteil gefällt.
Als Ig eines morgens in den Spiegel schaut, sieht er zwei kleine Hörner auf seiner Stirn, die rasch größer werden. Seltsamerweise scheinen sich die meisten Menschen nicht an dem Anblick zu stören, teilen aber plötzlich ihre intimsten Geheimnisse mit ihm und geben sich allen möglichen Versuchungen hin.
Diese neu errungenen Fähigkeiten helfen dem trauernden jungen Mann nach dem wahren Mörder seiner großen Liebe zu suchen.
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Ihr, die ihr HORNS seht, lasst jegliches Genredenken fahren, denn HORNS ist alles und nichts.
Zunächst einmal ist es Alexandre Ajas sanftmütigster Film. Auch wenn schon PIRANHAS Spaß für Platz ließ, geht HORNS noch einen ganzen Schritt weiter und bietet neben Humor auch Platz für Gefühle, nur um dann doch wieder eine kurze Splattereinlage zu bieten.
Auch Drama, Tragödie und Krimi sind enthalten und auch wenn hier und da die Übergänge etwas schroff erscheinen, funktioniert das doch erstaunlich gut.

Sucht man vergleichbare Filme, muss man sich strecken. In den Momenten wenn Ig seine neuen Fähigkeiten kennenlernt erinnert der Film an eine erwachsene Version von Jim Carrey – Filmen wie DER DUMMSCHWÄTZER und BRUCE ALLMÄCHTIG (ohne Grimassen). Die Komik reicht von Zotigem (zwei Polizisten, die plötzlich ihre „Sympathie“ füreinander entdecken) bis Subtilerem.
Insgesamt lässt sich auch eine Verwandtschaft zu GHOST ausmachen, der es ebenfalls verstand Spaß und Trauer unter einen Hut zu bringen.
Die bunte Mischung sorgt dafür, dass man sich als Zuschauer nie sicher sein kann was in 30 Sekunden passiert und da sich dieser Zustand über den gesamten Film erstreckt, muss man HORNS unbedingt als originell einstufen.
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Vielleicht liegt es daran, dass die Geschichte auf dem Buch von Joe Hill basiert, in jedem Fall kommt jeder Figur viel Aufmerksamkeit zu und es entstehen liebens- aber auch verabscheuungswürdige Charaktere, mit denen man als Betrachter mitfiebert.

Wenn sich Daniel Radcliffe eine Zigarette anzündet, sieht das an dem ehemaligen HARRY POTTER – Star (trotz seines Zwischenstopps in DIE FRAU IN SCHWARZ) noch immer seltsam aus, trotzdem liefert er hier eine makellose Leistung, die Vergangenes bald vergessen macht. Das gilt auch für andere jüngere Darsteller wie Juno Temple (KILLER JOE), die die tote Merrin mimt. Die steht dank zahlreicher Rückblicke übrigens immer noch im Fokus.
Andere Darsteller, wie den auf Nebenrollen spezialisierten David Morse (THE GREEN MILE), sind ohnehin über jeden Zweifel erhaben.

horns daniel raddcliffeUnd dann sind da noch die Hörner und damit einhergehend zahlreiche teuflische (und himmlische) Anspielungen. Spätestens wenn sich Schlangen in Igs Gesellschaft wohlfühlen und er mit einer Heugabel loszieht, ist das Bild des gefallenen Engels perfekt. Die Antwort auf die Frage, warum der junge Mann sich derart verändert, wird nicht auf dem Silbertablett serviert, lässt sich aber doch durch im Film gemachte Andeutungen erahnen.
Mehr als eine Ahnung gibt dann das effektgeladene Finale. Für meinen Geschmack etwas zu viel des Guten, aber das mag jeder für sich entscheiden.

Seit Ajas HIGH TENSION ist mehr als ein Jahrzehnt vergangen und wer will es dem Regisseur verübeln, dass er sich auch mal in anderen Bereichen austobt? Vor allem, wenn das Ergebnis so gelungen ist wie HORNS.

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