Review: HORSEHEAD (2014)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 6.5

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6.7/10 (28)

Darsteller: Lilly-Fleur Pointeaux, Catriona MacColl, Murray Head
Regie: Romain Basset
Drehbuch: Romain Basset, Karim Chériguène
Land:
Genre: , ,

Mit HORSEHEAD meldet sich Frankreich endlich zurück auf der Horrorbühne und liefert das, was man vor einigen Jahren vermutlich eher erwartet hätte als MARTYRS und HIGH TENSION: einen typisch europäischen Film mit künstlerischem Anspruch.

Inhalt:
Jessica studiert die Psychophysiologie von Träumen und das aus gutem Grund. Seit ihrer Kindheit wird die junge Frau von Alpträumen heimgesucht. Als sie zum Tode ihrer Großmutter in ihr Elternhaus zurückkehrt verschlimmert sich das Problem weiter und die Beziehung zu ihrer Mutter ist angespannt, doch als Jessica an Grippe erkrankt und ihr zusätzlich eine Flasche Äther in die Hand fällt, nutzt sie die Gelegenheit um Familiengeheimnisse aufzuarbeiten.

nachtmahr

Füsslis Gemälde

horsehead  film

Horsehead

Wer Johann Heinrich Füsslis Gemälde „Nachtmahr“ kennt, hat in etwa eine Idee, was ihn mit HORSEHEAD erwartet. Auf dem Bild ist nicht nur der titelgebende Pferdekopf als Symbol zu sehen, sondern auch Tücher, samtene Vorhänge und eine Frau in wallenden Gewändern.
Eine gewisse Liebe zu Schischi sollte man also mitbringen und wenn ein Wolf vor waberndem Nebel erscheint, ist auch das Wort „Kitsch“ nicht weit.

Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn teilweise liefert der Film wirklich schöne Bilder und bedient sich dabei einer Sprache, die an Hélène Cattet und Bruno Forzani (AMER, DER TOD WEINT ROTE TRÄNEN) erinnert.
Lippen in Nahaufnahme, sinnliche Erotik, aber auch ästhetische Gewalt. Dabei ist HORSEHEAD weniger wirr als etwa DER TOD WEINT ROTE TRÄNEN, scheut sich aber auch nicht davor, Sequenzen einzustreuen, die auf den ersten Blick nichts mit der Handlung zu tun haben.

Stilistisch aber auch inhaltlich hat HORSEHEAD eine gewisse Nähe zu LAST WILL AND TESTAMENT OF ROSALIND LEIGH, aber auch Stephen King Geschichten neueren Datums, in denen Traum- und Parallelwelten aufgesucht werden. Eine Verwandschaft zu den NIGHTMARE ON ELM STREET-Filmen ist hingegen kaum vorhanden. Zwar darf sich gegruselt werden und es findet sich sogar eine Badewannenszene, wie im ersten „Freddy“-Streifen, die Ähnlichkeit wirkt aber keineswegs erzwungen oder abgekupfert.

Horsehead 2

HORSEHEAD versucht vielmehr Kunst zu sein, was je nach Sichtweise gelingt oder nicht. Der Film versteht sich nicht von selbst, ist für Extreme-Arthouse-Fans aber womöglich doch zu nachvollziehbar.
Eine alptraumhafte Stimmung wie beispielsweise David Lynchs MULHOLLAND DRIVE entsteht selten und es ist wohl leeren Geldbeuteln geschuldet, dass eine unnötig wacklige Kamera und schwache Beleuchtung weiter an der Atmosphäre rütteln.

Fazit: Interessanter Film…und „Interessant“ kann bekanntermaßen alles bedeuten.

 

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