Review: IN 3 TAGEN BIST DU TOT (2006)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7.5

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6.5/10 (24)

Darsteller: Sabrina Reiter, Julia Rosa Stöckl, Michael Steinocher
Regie: Andreas Prochaska
Drehbuch: Andreas Prochaska, Thomas Baum
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Zuletzt sorgte Andreas Prochaska mit dem großartigen DAS FINSTERE TAL für Aufsehen, war der österreichische Rache-Western doch sogar in der Oscar-Vorauswahl und staubte reihenweise andere Auszeichnungen ab. Dass es soweit kam, war aber wie kaum anders zu erwarten weniger Zufall als Weiterentwicklung. Deswegen macht es Sinn über IN 3 TAGEN BIST DU TOT zu sprechen, dem Film, der bei Horrorfans schon länger hoch im Kurs steht.

3 Tagen Bist Du Tot Sabrina Reiter

Die Schule ist fast geschaft, die Matura-Prüfungen so gut wie durch. Nina und ihre Freunde freuen sich auf einen unbeschwerten Sommer. Dass sie alle eine unheimliche SMS mit dem Inhalt „In 3 Tagen bist du tot“ erhalten, wird daher als schlechter Scherz abgetan. Doch dann beginnt tatsächlich das Sterben unter den Teenagern.

IN 3 TAGEN BIST DU TOT stammt ebenso wie der norwegische COLD PREY und der selbstironische THE RISE OF LESLIE VERNON von 2006. An den meisten Menschen ging diese Mini-Welle hochwertiger Slasher aber wohl erstmal vorbei.
Da Slasher natürlich nach gewissen Regeln arbeiten, ist klar, dass der Raum für Innovationen begrenzt ist, Platz für eine gute Inszenierung ist aber allemal.

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Wo sich andere Filmemacher den Kopf darüber zerbrechen, wie sie möglichst amerikanisch wirken können und meist nicht weiter kommen als die Figuren Jack und Lucy zu nennen, tut Prochaska das Gegenteil: der Film spielt in Österreich, genauer gesagt in einer völlig normal wirkenden Kleinstadt am See, die Figuren sprechen sogar mit Akzent, haben natürlich auch deutsche/österreichische Namen und wirken schon dadurch authentisch.
Natürlich braucht es weitere Faktoren, aber hier kommt wohl die Eigenschaft guter Regisseure zum Tragen, das Wesentliche aus den teilweise sehr unerfahrenen Akteuren rauskitzeln zu können.

Die Hauptfiguren sind keine perfekten Menschen, sie sind eben Teenager, die sich auch mal daneben benehmen, aber ihre Charakterisierung beschränkt sich nicht auf eine Gruppierung von Schlampe, Idiot und Final Girl bei denen man sich fragt, warum sie überhaupt Zeit miteinander verbringen. Man nimmt ihnen ab, dass sie befreundet sind und -was wichtiger ist- leidet mit ihnen.

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Da wir gerade über Leid sprechen, die Kills sind nicht schrecklich originell, aber auch ein schnödes Ertrinken kann unschön sein, wenn man das Überleben der Figur wünscht.
Auch die Aufklärung zur Identität des Mörders bietet nichts grundsätzlich neues, erwähnt sei aber, dass das Drehbuch nicht nur zum Wer, sondern auch zum Warum ein paar falsche Fährten auslegt.

IN 3 TAGEN BIST DU TOT, ist nicht perfekt, hat aber die richtigen Ansätze, die sich eben auch in DAS FINSTERE TAL wiederfinden: statt größenwahnsinnig nach Hollywood zu schielen, bleibt man in der Heimat, bleibt glaubhaft, baut nachvollziehbare Charaktere ein, hält mit der Kamera nicht blind drauf, sondern fängt ein paar schöne Bilder ein und würzt mit einem stimmigen Soundtrack.

 

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