Review: KIDNAPPED (2010)

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8.5/10 (8)

Darsteller: Fernando Cayo, Manuela Vellés, Ana Wagener
Regie: Miguel Ángel Vivas
Drehbuch: Javier García, Miguel Ángel Vivas
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Dass sich Spanien immer wieder als Lieferant überdurchschnittlicher Horrorfilme auszeichnet, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben, im Falle von KIDNAPPED drängt sich zudem aber noch der Vergleich mit dem amerikanischen MOTHER’S DAY auf.

Eine gewisse Verwandtschaft lässt sich nämlich nicht verleugnen. In beiden Filmen wird eine Familie von brutalen Verbrechern in ihrem neuen Zuhause festgehalten, die eines ihrer Opfer dazu bringen Geld vom Bankautomaten abzuheben. Hier wie da läuft nicht alles nach Plan der Eindringlinge, beide Filme werden von Härte dominiert.

In KIDNAPPED ist es ein Ehepaar und seine Teenagertochter, die gerade erst ihr neues Domizil beziehen, als sich schon am ersten Abend drei maskierte Männer Zugang verschaffen. Einer von ihnen fährt mit Vater Jaime zur Bank, während die anderen mit den beiden Frauen zurückbleiben.

Mehr lässt sich zur Story nicht sagen; uns erwarten uns keine cleveren Twists, keine gesponnenen Überraschungen, dafür 90 realistisch harte Minuten.
Das liegt auch an der Kameraarbeit, die immer nah am Geschehen ist und mit wenigen Schnitten auskommt. Teilweise wird mit Splitscreen gearbeitet und sogar zum Ende hin gönnt sich Regisseur Miguel Vivas den Luxus zwei packende Schlüsselszenen parallel zu zeigen.

Ansonsten ist KIDNAPPED noch minimalistischer als MOTHER’S DAY es war. Der Personenkreis ist kleiner, es wurden keine zwischenmenschlichen Konflikte der Opfer eingebaut, nicht einmal für die brutalen Szenen ließ man besondere Kreativität walten, aber gerade deswegen erhält man den Eindruck, dass es sich genau so zutragen könnte.

Neuartig ist weder MOTHER’S DAY noch KIDNAPPED. Selbstverständlich gibt es Flucht- und Widerstandsversuche, natürlich ist einer der Verbrecher besonders brutal und ein anderer dafür zurückhaltender und es bleibt auch nicht aus, dass irgendwann ein Unbeteiligter an der Tür klingelt.
ABER: Während der neue MOTHER’S DAY den Titel eines Originals übernimmt, mit dem er kaum etwas zu tun hat, die Bösewichte unter lächerlichen Umständen (Tornado, Verwechslung) in das Haus der Opfer kommen, die Gewalt- und Folter-Szenen aufgesetzt wirken und alles mit Mühe auf das Publikum zurechtgeschnitten wurde, das Regisseur Bousman schon mit SAW II-IV begeisterte, ist KIDNAPPED einfach ein Tritt in die Eier… nicht mehr, nicht weniger.
Ob man das mag oder doch lieber die (vielleicht bewussten) Übertreibungen des US-Films vorzieht, eben weil man sich bei einem Film nicht mit Realitätsnähe auseinandersetzen will, ist sicher Geschmackssache.

Fazit: KIDNAPPED ist schnörkelloses Terror-Kino, das man dem Stil nach eher Frankreich als Spanien zuordnen würde, aber in jedem Fall durchgestylten US-Produkten zeigt wie 2011 Horror auszusehen hat.

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