Review: LOOK AWAY (2018)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 6.5

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Darsteller: India Eisley, Mira Sorvino, Jason Isaacs, Harrison Gilbertson, Penelope Mitchell
Regie: Assaf Bernstein
Drehbuch: Assaf Bernstein
Länge: 100 min
Land:
Genre: , , ,
Veröffentlichung: 22. Februar 2019 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Splendid
FSK: ab 16

 

Spiegel sind in Horrorfilmen immer wieder gerne eingesetzte Werkzeuge.
In CANDYMAN’S FLUCH oder der BLOODY MARY – Legende, muss man vor dem Spiegel die Namen der herbeigerufenen Schreckgestalten aufsagen. In DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT wollte der Leibhaftige durch einen Spiegel in unsere Welt kommen und die Spiegelschränkchen – Jumpscares sind ohnehin Dauerbrenner in etlichen Werken.
Auch in LOOK AWAY spielt ein Spiegel, genauer gesagt, ein Spiegelbild eine bösartige Rolle.

Story:
Maria hat es nicht leicht. In der Schule wird sie gemobbt und ihre Eltern interessieren sich nicht für ihre Probleme. Zudem ist sie in den Freund ihrer besten und einzigen Freundin verliebt.
Vielleicht ist es für eine junge Person, die mit niemandem wirklich reden kann, normal Selbstgespräche zu führen, doch Maria entdeckt, dass ihr Spiegelbild ein erstaunliches Eigenleben hat und natürlich alles über sie weiß…

Nicht nur die Spiegelthematik wirkt bekannt, man hat an vielen Stellen in LOOK AWAY das Gefühl den Film zu kennen. Das gilt natürlich gerade für andere übernatürliche Streifen, die Schulmobbing aufgreifen, also etwa CARRIE oder SO FINSTER DIE NACHT, aber auch ein Film wie ANOTHER ME drängt sich als Vergleich auf.
Den Innovationspreis 2019 wird LOOK AWAY daher nicht gewinnen und er hat auch noch einige andere Probleme, aber bringt auch Stärken mit.

Neben einer insgesamt soliden schauspielerischen Leistung – allen voran India Eisley als doppelte Hauptfigur, fängt Assaf Bernstein (Buch und Regie) nicht nur ästhetische Bilder ein, sondern kreiert auch eine dunkle, frostige Stimmung, die die Verlorenheit der Protagonistin (ähem) widerspiegelt.
Draußen ist tiefster Winter (wir sprechen über einen kanadischen Film), Marias Elternhaus sieht teuer, aber auch steril aus und ihr Vater, ein Schönheitschirurg, ist nicht am Seelenleben seiner Tochter interessiert, sondern will Probleme schon mal mit einer OP lösen.

Man kann darüber streiten, ob das zu dick aufgetragen ist, so wie Maria das Eigenleben ihres Abbilds genau dann das erste Mal wahrnimmt, als sie vor einem Spiegel masturbiert (wodurch die Liebe mit sich mehr ist als eine Floskel) und sich dieses Spiegelbild als Airam vorstellt. Der Namensursprung ist nicht schwer zu erraten.
Trotzdem schafft es LOOK AWAY den Spagat zwischen Pseudo-Intellekt und tatsächlich kluger Herangehensweise, lässt sich aber in seiner Erzählweise allzu lässig dahintreiben, nur um dann doch viele Versatzstücke eines relativ normalen Rache-Slashers zu zeigen.
An anderen Stellen weißt das Drehbuch einige Lücken auf. Maria (hübsch, reiche Eltern) ist nicht eben das typische Mobbingopfer und warum es ein besonders übellauniger Mitschüler gerade auf sie abgesehen hat, bleibt fraglich.
Andererseits bewahrt sich das Werk auch hier noch Eigenheiten und (Spoiler) lässt bis zuletzt unklar, ob sich Maria ihr freches, hartes, gewalttätiges und geiles Ich nur einbildet oder wirklich eine Macht hinterm Spiegel kratzt.
Es wird auch deutlich, dass der Film trotz einiger Morde nicht darauf aus ist, den coolsten Kill zu zeigen, sondern es um die Geschichte geht.
Dieser Eindruck bewahrheitet sich mit einem Ende, das sicher nicht jedem zusagt, aber diese Linie fortsetzt und zu einem Film passt, den man für die gleichen Bestandteile wahlweise loben oder kritisieren kann.

 

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