Review: MANDY (2018)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 8.5

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8/10 (1)

Darsteller: Nicolas Cage, Andrea Riseborough, Linus Roache
Regie: Panos Cosmatos
Drehbuch: Panos Cosmatos, Aaron Stewart-Ahn
Länge: 121 min
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Veröffentlichung: 1. November 2018 (Limitierter Kino-Start), 22. November 2018 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Drop Out Cinema / Koch Media
FSK: ab 18

 

Heilige Scheiße, was war das?
Zitiert uns gerne, wenn ihr selbst MANDY gesehen habt und egal ob ihr den Film liebt oder hasst (beides sind hervorragende Optionen), vermutlich werdet ihr euch ähnlich ausdrücken.
Denn das was Nicolas Cage, der die letzten Jahre wirklich nicht immer auf der Höhe war, bzw. Regisseur Panos Cosmatos‘ kompletter Film abliefert, ist wirklich nicht von dieser Welt.

Dabei sollte man sich nicht von der einfachen Story täuschen lassen, denn die schreit zunächst nach einer durchschnittlichen Rachegeschichte. Durchschnittlich geht es in MANDY aber so gar nicht zu.
Mandy ist hier auch die Titelfigur und sie lebt mit Holzfäller Red in den Wäldern ein recht einfaches, aber zufriedenes Leben, zumindest solange bis sie ins Visier von Sektenführer Jeremiah gerät, der mit Hilfe herbeigerufener „Kräfte“ das Paar überfällt, Mandy unter Drogen setzt und Schlimmeres folgen lässt.

Klar, Red will Rache, aber schon bis es zu diesem Vorfall kommt, stellt MANDY klar, dass er mehr sein möchte.
Wir sehen Red und Mandy in langen schnittlosen Sequenzen über ihre Lieblingsplaneten sprechen oder intime Geheimnisse austauschen und stellen rasch fest, dass dies kein Film ist, der auf Teufel komm raus dem üblichen Teenie-Publikum gefallen soll, sondern vielleicht sogar eher anecken möchte.

Der Film zeigt nicht nur gewöhnliche Menschen, die in keine zweite Runde eines Schönheitswettbewerbs einziehen würden, er baut Nähe zu ihnen auf.
Er deutet aber vieles nur an und lässt uns den Rest in einem Fiebertraum aus Esoterik (Anfang), Drogen (Mitte) und Gewalt (Ende) selbst entdecken.

In jedem Fall hat MANDY eine ausführliche Analyse verdient. So weit wollen und können wir an dieser Stelle nicht gehen, aber zumindest verraten, dass einige Elemente eingesetzt werden, die man im Auge behalten sollte.
Das beginnt bei den Überleitungen der verschiedenen Kapitel, die mal wie der Titel eines Buchcovers, mal wie das Logo einer Metal-Band gestaltet sind oder aber gleich als Cartoon vorgetragen werden.
Dabei ist es aber vor allem der Kontrast der Szenen, die mindestens verwirren. Als Beispiel sei nur ein Werbespot eines käsekotzenden (!) Goblins (!!) genannt, der nach einer hart zu ertragenden Szene scheinbar nebenbei gezeigt wird, bevor eine weitere absurde Szene folgt in der Nicolas Cage in Unterhose in einem furchtbar gefliesten Bad eine Flasche Wodka trinkt.

Dass die Wahl des Hauptdarstellers auf Cage fällt, ist sicher kein Zufall. Der Mann hat mal einen Oscar gewonnen, glänzte aber seitdem vor allem durch albernes Overacting. Letzteres machte ihn sicher bezahlbar, in Sachen Schauspiel ist diesmal aber sowohl der gute als der miese Cage gefragt und er liefert in beiden Versionen.
Er passt in diese groteske Welt als sensibler Freund genauso wie als martialischer Racheengel, der eine silberne Axt schmiedet, um mit seinen Feinden abzurechnen.

Obwohl der Film mit Ausnahme eines Songs der Prog-Rock-Band King Crimson (dessen Text man ebenfalls beachten sollte) auf Synthesizerklänge setzt, bedient sich MANDY einer ausgesprochenen Heavy Metal – Optik.
Neben der angesprochenen Axt, die wie ein Relikt eines Manowar-Videos ausschaut, dem ebenfalls erwähnten Schriftzug, der nach Death/Black Metal schreit oder einem Black Sabbath – Shirt, das Mandy trägt, sind da auch vier stachlige Motorradfahrer mit übermenschlicher Stärke, die wahlweise wie eine moderne Version der vier apokalyptischen Reiter daherkommen, an die Zenobiten aus HELLRAISER oder auch einfach nur an Slayers Kerry King erinnern.

Für wen diese Vergleiche böhmische Dörfer sind: kein Problem. Eine christliche Symbolik ist ebenfalls Bestandteil, wobei sich Jeremiah und seine Sekte hinter diesen Werten verstecken, aber mit dem Bösen selbst Geschäfte machen.
Wer sich mit Metaphern und Allegorien so gar nicht anfreunden kann, hat womöglich mehr Spaß an einem verflucht coolen Kettensägenfight, den man auch in Werken wie HOBO WITH A SHOTGUN hätte sehen können.

Aber Achtung, MANDY ist zwar hart, aber kein reiner Haudrauf-Film, sondern fordert seinen Zuschauer. Während der ersten Sichtung und insbesondere in einigen quälend langen Szenen fragte sich der Verfasser dieser Zeilen immer wieder, was da los ist und es dauerte einige Zeit, bis die Antwort stand.
Auch wenn MANDY schier sinnlose Elemente enthält, die im vermeintlichen Widerspruch zueinander stehen, ist das Ganze mehr als die Summe seiner Einzelteile.
Dies ist ein Mindfuck, ein Drogentrip, Trash par excellence, brutal, verstörend, klug und lustig….und eben auch stimmig.

 

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