Review: MINDHUNTER (Serie) (2017)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 8.5

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8.8/10 (16)

Darsteller: Jonathan Groff, Holt McCallany, Anna Torv
Regie: David Fincher und andere
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Es gibt heutzutage nur wenige Filmemacher, denen man vertrauen kann, David Fincher zählt dazu. Aber Fincher ist nicht nur ein guter Regisseur, er hat mit SIEBEN und ZODIAC auch einiges zum Thema Serienmörder beigetragen, wobei sich letzterer nah an den realen Ereignissen orientierte.
Die Serie MINDHUNTER beschäftigt sich mit der Arbeit der ersten Profiler, ist von Fincher (sowie Charlize Theron (MONSTER)) produziert und in vier der 10 Folgen führte der Chef selbst Regie.

Holden Ford und Bill Tench sind zwei FBI-Agenten, die sich auf Verhandlungen mit Geiselnehmern verstehen. Alleine das macht sie zu einer Zeit, in der man Verbrecher lieber mit einem gezielten Schuss als Eloquenz ausschaltet zu Außenseitern im Polizeidienst. Dass sie aber selbst verurteilte Verbrecher besuchen und interviewen wollen, stößt bei Vorgesetzten und anderen Dienststellen zunächst auf Widerstand. Erst Stück für Stück verschaffen sich die beiden Anerkennung und prägen ganz nebenbei die Definition des heute bekannten Begriffs „Serienmörder“.

Natürlich geht es in MINDHUNTER um mehr als ein paar Begrifflichkeiten, allerdings ist die Serie kein spannungsgeladener Thriller. Opfer und Taten werden nur selten gezeigt und rasante Verfolgungsjagden gibt es hier nicht.
Stattdessen ist Kernstück der Handlung die Entwicklung des Profilings beim FBI und wir sehen den ungleichen Ford und Bench über die Schulter, wie sie (anfangs unbeholfen, dann immer professioneller) Mörder wie Ed Kemper, der unter anderem Sex mit seiner zuvor ermordeten Mutter hatte, befragen, wie sie im Keller des FBI-Gebäudes ihre eigene Abteilung etablieren müssen, wie sie gegen konventionelle Ansichten ankämpfen und was ihre Arbeit aus ihrem Privatleben macht.
Hier und da greifen die beiden und ihr kleines Team aber auch aktiv in die Ermittlungsarbeit ein.

Ed Kemper gibt es wirklich, die Herren Ford und Trench nicht. Deren Figuren beruhen aber auf den echten Profilern John E. Douglas und Robert Ressler, deren autobiographischen Bücher JÄGER IN DER FINSTERNIS und andere (Douglas) und ICH JAGTE HANNIBAL LECTER (Ressler) auch ins Deutsche übersetzt wurden.

Wer sich also für True Crime – Geschichten begeistert, aber sich nicht zu den Hohlbirnen zählt, die sich Mörder-Autogramme übers Bett hängen, wird mit MINDHUNTERS eine schlüssige Geschichte über Pionierarbeit erleben. Zwar sind die interviewten Straftäter weniger wortgewandt als es Hannibal Lecter in DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER war, verblüffen aber trotzdem durch ihre verstörenden Aussagen oder ihr auf den ersten Blick sympathisches Verhalten und wie zu hören ist, wurden manche der realen Gespräche 1:1 in der Serie wiedergegeben.

Man mag darüber streiten, ob es die Ausflüge ins Privatleben der beiden Polizisten gebraucht hätte, sollte aber einerseits verstehen, dass man eine derartige Tätigkeit wohl kaum ausführen kann, ohne dass sie unfreiwillig auch Auswirkungen auf das Leben abseits des Jobs hat. Zum anderen wird selbst in den Szenen in denen sich z.B. Holt mit seiner Freundin unterhält, erstaunlich viel Psychologie verwandt.

Etwas Kritik gibt es dennoch, denn in den letzten Folgen schleicht sich der Verdacht ein, dass man – wie leider in vielen Serien – auf Zeit spielt und sich Elemente wiederholen.
Nichtsdestotrotz: ein real anmutender Einblick in die frühe Profiler-Arbeit. Staffel 2 darf kommen.

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