Review: MUSE (2017)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7.0

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7/10 (1)

Darsteller: Elliot Cowan, Franka Potente, Ana Ularu
Regie: Jaume Balagueró
Drehbuch: José Carlos Somoza, Jaume Balagueró, Fernando Navarro
Länge: 107 min
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Veröffentlichung: 09. Oktober 2018 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: EuroVideo
FSK: ab 16

 

Wer beim Händler des Vertrauens steht und noch ein Argument sucht, warum man MUSE in den Einkaufskorb legen sollte: wie wäre es mit der Tatsache, dass Jaume Balagueró Regie führt?
Der ist trotz Kracher wie [REC] und SLEEP TIGHT noch immer nicht jedem ein Begriff, hat aber nie einen schwachen Film gedreht.
Mit MUSE verfilmt er einen Roman von José Carlos Somoza  und der ist -auch wenn er im Ausland gedreht wurde- ein typischer Spanier.

Story:
Als sich die Freundin von Samuel Solomon das Leben nimmt, bleibt der trauernde Englisch-Professor mit vielen Fragen zurück.
In dieser Zeit wird er von einem wiederkehrenden Alptraum heimgesucht, in dem eine junge Frau ermordet wird. Als die Medien darüber berichten, erkennt Solomon den Ort aus seinen Träumen wieder. Als er sich an den Tatort schleicht, begegnet er dort Rachel, einer weiteren Frau, die den gleichen Alptraum hatte….

Es würde zu weit führen, sämtliche folgende Entwicklungen zu beschreiben, denn dem Film ist der literarische Hintergrund anzumerken. Er baut einen Stapel Geheimnisse auf, entblättert sich Stück für Stück, fügt neue Rätsel hinzu und erschafft so eine komplexe, stimmige Geschichte.

Eine Eigenheit, die in spanischen Stoffen öfters vorkommt, ist das Verwischen zwischen weltlichen und übernatürlichen Erklärungen. THE BODY ließ uns lange raten und bekannte sich erst am Ende dazu was mit der Leiche geschah. Autorenkollege Carlos Ruiz Zafon kratzte in seinen Geschichten über den „Friedhof der vergessen Bücher“ auch immer wieder an den Übergängen. Auch MUSE stellt klar, dass man sich nicht zwingend festlegen muss.
Achtung SPOILER: obwohl schon der sich erfüllende Traum und einige andere Elemente eindeutig nicht von dieser Welt sind, bewahrt sich die Geschichte eine glaubwürdige Basis. Zum Beispiel durch die erdigen Einblicke in Rachels Leben, die von ihrem Zuhälter bedroht wird.
Spoilerende.

Spanien, Irland, Belgien und Frankreich waren an der Produktion beteiligt und die Besetzung ist ähnlich international.
Elliot Cowan (HOWL), der Solomon spielt, ist Engländer; Ana Ularu (INFERNO), in der Rolle der Rachel, Rumänin und dann sind da noch der Amerikaner Christopher Lloyd (ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT) und die Deutsche Franka Potente.
Franka Potente gehört zwar nicht (mehr) zu den Stars, die direkt Fans ins Kino ziehen, es fällt aber auf, dass man die deutsche Scream-Queen, die in den letzten Jahren in CONJURING 2 und AMERICAN HORROR STORY zu sehen war, nicht abschreiben sollte.

MUSE ist düster, mitunter brutal, traurig und auch professionell. Balagueró und seine Mannschaft geben sich auch hier keine Blöße, allerdings ist der Film kein Highlight seiner Karriere. Es mag der Komplexität der Vorlage geschuldet sein, dass manche Augenblicke zu kurz kommen, während beispielsweise Rachels private Probleme recht viel Zeit einnehmen.

Und trotzdem: wer europäisches, primär spanisches Kino mag und mit abgründigen Geschichten, die nicht eindeutig Horror, nicht eindeutig Drama, nicht eindeutig Thriller sind, etwas anfangen kann, sollte sich MUSE gönnen.

 

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