Review: NIGHT OF THE VIRGIN (2016)

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5.8/10 (5)

Darsteller: Javier Bódalo, Miriam Martín, Víctor Amilibia
Regie: Roberto San Sebastián
Drehbuch: Guillermo Guerrero
Land:
Genre: ,
FSK: ab 18

Wir geben es gerne zu: in den letzten Jahren wurde in Spanien so viel Qualitätskino erzeugt, dass wir hellhörig werden, sobald ein neuer Film von dort zu uns kommt.
NIGHT OF THE VIRGIN ist, wie man ahnen kann, ein weiterer spanischer Streifen und wir haben uns angesehen, ob er die hohen Qualitätsstandards halten kann.

Es ist die Silvesternacht und der 20jährige Nico will auf Teufel komm raus endlich seine Jungfräulichkeit verlieren. Doch damit sieht es schlecht aus, bis er die deutlich ältere Medea kennenlernt, die ihn zu sich nach Hause mitnimmt.
Doch die Nacht verläuft anders, als es sich der tollpatschige Jüngling ausgemalt hätte.

Zunächst gilt es bei NIGHT OF THE VIRGIN die Ruhe zu bewahren. Wer schnellen Horror sucht, wird hier nicht fündig und zunächst fragt man sich, warum der „ab 18“ freigegebene Film nicht „ab 12“ durchgewunken wurde. Nach einer Weile scheint eine „ab 16“ Freigabe plausibel und am Ende liegt der Verdacht nahe, dass der Film vor einigen Jahren wohl nur gekürzt zu haben gewesen wäre.

Die letzte halbe Stunde verspritzt jede Menge Körpersaft, zeigt eine ungewöhnliche Geburt und brachte dem Backcover ein Zitat von Eli Roth ein: „Dieser Film wagt weitaus mehr, als ich mir jemals zutrauen würde“. Das liegt zum einen an Roth‘ beschränktem Ideenreichtum, allerdings gibt sich NIGHT OF THE VIRGIN wirklich redlich Mühe kein Detail auszulassen.

Aber eins nach dem anderen: uns werden Nico und Medea ausführlich vorgestellt, während immer wieder kleinere skurrile Zwischenfälle eingeflochten sind. So melden sich etwa Nicos Kumpels mehrfach per Whatsapp, um den „Omaficker“ zu belächeln und Medea weist darauf hin, dass das Zertreten der Kakerlaken in ihrer Wohnung Unglück bringt.
Spätestens als Medeas Ex vor der Tür steht, wird aber deutlich, dass sich Nico was anderes unter dieser Nacht vorstellte.

NIGHT OF THE VIRGIN steht in der Tradition von Álex de la Iglesias Werken wie EL BAR, EL DIA DE LA BESTIA oder WITCHING & BITCHING, wo Humor und Horror sich umarmen, aber Roberto San Sebastián (Regie) und  Guillermo Guerrero  (Autor) mangelt es an Erfahrung und während die Geschichte vielversprechend beginnt und auch lange unberechenbar bleibt, fehlt es vor allem an einem:

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g

Ihr wusstet bereits in der dritten Zeile, dass das Wort Timing lautet? So geht es euch auch mit dem Film, der Szenen, in denen bereits alles gesagt ist, noch minutenlang dauern lässt. Das führt zwar zu einer stattlichen Laufzeit von knapp 2 Stunden. Wenn man bedenkt, dass ein Großteil der Handlung in einer Wohnung spielt und nur drei Figuren anwesend sind, wirkt das aber auch stattlich lange.

Hätte man 20, vielleicht sogar 30 Minuten weggelassen, würde NIGHT OF THE VIRGIN deutlich knackiger wirken, ohne dass dem Film was fehlen würde. Stattdessen quält er mit langen und dadurch langweiligen Szenen.

Dass in der Handlung eine ordentliche Menge Sex verbraten wurde, liegt nahe. Da wird nicht nur der ein oder andere Blick auf Geschlechtsteile geboten, es geht auch zur Sache, sowohl Solo als gemeinsam. Leider entsteht aber auch der Eindruck, dass der Film angestrengt mit vulgären Ausdrücken Punkten will. Ich habe so viel „Arschloch“ und „Hurensohn“ nicht mehr gehört, seit damals in der großen Pause.

Daher ist NIGHT OF THE VIRGIN eine durchwachsene Sache. Viele gute Ansätze, aber nicht so gut, wie vieles was in der jüngeren Vergangenheit aus Spanien kam.

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