Review: NOVEMBER (2017)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7.0

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7/10 (1)

Darsteller: Rea Lest, Jörgen Liik, Arvo Kukumägi; Dieter Laser
Regie: Rainer Sarnet
Drehbuch: Rainer Sarnet
Länge: 115 min
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Veröffentlichung: 29. November 2018 (Kino) / 22. Februar 2019 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Drop Out Cinema / Meteor
FSK: ab 16

Achtung, NOVEMBER ist nicht für jedermann!
Ehrlich gesagt ist der Film wohl für die wenigsten Menschen.
Wir reden hier über eine Literaturverfilmung (!) aus Estland (!!) in Schwarzweiß (!!!) mit Untertiteln (!!!!).
Ja, NOVEMBER hat Arthouse in großen Lettern auf der Stirn stehen und wenn euch das nicht abschreckt, tretet näher.

In einem kleinen Dorf in Estland ist im 19 Jahrhundert der Teufel los….und nicht nur der.
Das Tor zur Anderswelt steht hier weit offen. Die Bewohner erwecken mit Hilfe dunkler Mächte Gegenstände zum Leben, die sie für sich arbeiten lassen. Sie laden die Geister der Verstorbenen ein, Werwölfe streifen durch die Wälder und ein Liebeszauber soll Dorfbewohnerin Liina ihrem Angebeteten Hans näher bringen. Doch der setzt seinerseits Magie ein, um die Zuneigung einer deutschen Aristokratin zu gewinnen.
Tragik ist dabei vorprogrammiert.

NOVEMBER beginnt mit einer Szene, in der ein eigenartiges, dreiarmiges Wesen mit Tierschädel (von den Bewohnern Kratt genannt) eine Kuh aus einem Stall entführt und ist symptomatisch für alles Folgende. Diese Szene ist übernatürlich, skurril und (obwohl man sich das Gezerre an der Kuh, die sichtlich keinen Spaß hat, hätte sparen können) auch humorvoll.
Später erleben wir, wie Riesenhühner eine Sauna betreten. So absurd das alles klingen mag, ist NOVEMBER aber doch kein alberner Streifen.

Fast jede Aufnahme könnte man sich als Kunst an die Wand hängen und während es dauert, bis ein Zugang in diese seltsame Welt entsteht, ist die tadellose Kameraarbeit zumindest ein Türöffner.
Sie kühlt die herbstlichen/winterlichen Landschaften noch weiter ab, hebt die herbe Optik der Menschen weiter hervor und lässt hier und da Erinnerungen an die Stummfilmzeit entstehen.

Zufall oder nicht, die Aufnahmen erinnern auch an die osteuropäischen Märchenfilme wie DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL, was aber wiederum zu den Inhalten passt, die selten als harter Horror zu bezeichnen sind, aber natürlich von einer rationalen Welt weit entfernt sind.

Wie eingangs erwähnt ist NOVEMBER alles andere als leichte Kost, es ist ein Kritikerfilm, ein Festivalfilm (wo er diverse Preise abstaubte), ein Film der Geduld benötigt.
Wer sich über einen Auftritt von Dieter Laser freut, sollte wissen, dass NOVEMBER wenig mit THE HUMAN CENTIPEDE gemein hat, Lasers Rolle klein ist und er vom Endprodukt gerüchteweise gar nicht angetan ist.
Die restlichen Darsteller dürften dieseits der estländischen Grenze die wenigsten kennen und doch, obwohl zahlreiche Laiendarsteller eingesetzt wurden, leidet das Ergebnis nicht. Auch die Tatsache, dass der Roman DER SCHEUNENVOGT, auf dem der Film beruht, hierzulande lediglich Geheimtipp ist… in der Heimat war er Bestseller.

Das Werk galt lange als unverfilmbar und man kann erahnen wieso.
Wer sich aber durch die sperrige (und manchmal auch unsinnig erscheinende) Oberfläche kämpft, wird nicht nur die Bildgewalt, sondern auch eine Geschichte entdecken, in der Menschen aus den richtigen Motiven zu falschen Mitteln greifen.

Fazit: Wer Filme wie THE WITCH zu mainstreamig, BEGOTTEN zu durchschaubar und MANDY zu normal findet, sollte NOVEMBER antesten.

 

 

 

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