Review: OCULUS (2013)

Oculus horrorfilme
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Redaktion: 8.5

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6.7/10 (120)

Darsteller: Karen Gillan, Brenton Thwaites, Katee Sackhoff
Regie: Mike Flanagan
Drehbuch: Mike Flanagan, Jeff Howard
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„Spieglein, Spieglein…“ Wir kennen sie alle, die Spiegel aus dem Märchen der Brüder Grimm, den Büchern um ALICE IM WUNDERLAND, das fehlende Spiegelbild des Grafen Dracula und natürlich die vielen Spiegelschränkchen, die Horrorfilme zu unzähligen Schocks verhelfen.
In OCULUS ist der Spiegel nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern Hauptdarsteller mit teuflischer Präsenz.

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Eigentlich waren die Russells eine normale Familie, doch die Kindheit des 10-jährigen Tim endet damit, dass er in Notwehr seinen eigenen Vater erschießt, nachdem der die Mutter ermordete.
Mehr als ein Jahrzehnt später wird Tim aus der psychiatrischen Klinik entlassen, in der er lange Zeit untergebracht war. Während er bereit ist, die Vergangenheit ruhen zu lassen, hat seine ältere Schwester Kaylie andere Pläne. Sie hat den antiken Spiegel, den sie für die Ereignisse von damals verantwortlich macht, gekauft und will ihn im alten Haus ihrer Eltern ein für alle Mal vernichten…und Tim soll ihr helfen.

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„Von den Produzenten von INSIDIOUS und PARANORMAL ACTIVITY“ lässt uns schon der Trailer zu OCULUS wissen und damit erahnen, dass wir es mit Mainstream-Horror für die jüngere Generation zu tun bekommen. Tatsächlich wirkt der erste Akt des Films durchgestyled wie eine Boyband. Wir erleben hübsche junge Menschen in teuren Klamotten und schönen Häusern und wenn der Film riechen könnte, würde er wohl das Aroma eines Markenparfüms tragen.
Zugegeben, ich rechnete nach 20 Minuten mit vielen platten Schocks und wenig Substanz und lag damit falsch, denn zu dem angenehmen Blumenduft, mischt sich Stück für Stück der Gestank von Fäulnis und Irrsinn.

Das liegt vor allem an dem hohen psychologischen Anteil des Films, denn während die Idee eines diabolischen Gegenstandes sicher nicht neu ist, ist OCULUS immer dann im stärksten, wenn er uns im Unklaren lässt, ob denn wirklich der Spiegel an allem Schuld ist, stattdessen König Zufall regiert oder gar Kaylie an falschen Erinnerungen und psychischen Problemen leidet.

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Außerdem schafft es Regisseur Mike Flanagan laaangsam die Schrauben anzuziehen und dennoch den Erzählfluß am Leben zu halten.
Dazu nutzt er die Erinnerung an das was Tim und Kaylie als Kinder erlebten, zeigt, was ihre Eltern in den Wahnsinn trieb und bedient sich damit einer ähnlichen Erzählweise wie Stephen Kings ES, wo die Erlebnisse der Protagonisten als Kinder eng mit den inzwischen Erwachsenen verwoben sind und letztlich zueinander führen. Schauplatz ist in beiden Zeitabschnitten fast immer nur das Elternhaus, wobei im Hier und Jetzt eine einzige Nacht, in der Vergangenheit einige Wochen zur Verfügung stehen.

Während die schauspielerische Leistung insgesamt als unauffällig zu bezeichnen ist, baut man im Laufe der Geschichte doch eine feste Bindung zu den Figuren auf, was vor allem an den Leiden der beiden Kinder liegt, die ihrer Situation nahezu hilflos ausgeliefert sind. Angefangen von der Beobachtung einer fremden Frau bei ihrem Vater, den Streitigkeiten der Eltern, bis hin zu absolut grausigen Dingen, die sich die beiden antun.

Die Sorgen der erwachsenen Kaylie und Tim sehen anders aus. Zwar hat Kaylie scheinbar an alles gedacht, Vorkehrungen getroffen, Kontrollanrufe ihres Verlobten ebenso eingeplant wie regelmäßige Alarme und ein Mechanismus, der den Spiegel zerstören soll, wenn der Timer nicht regelmäßig zurückgesetzt wird, doch die Mächte die auf sie einwirken sind enorm und schnell verwischen die Grenzen zwischen erzwungener Einbildung und Realität.

Für uns Zuschauer gilt das natürlich ebenso. Gegenwart, Vergangenheit, Fantasie oder nicht, immer schneller wechseln die Zustände, greifen clever ineinander (in einer Szene gehen zwei Personen auf verschiedenen Zeiten sogar aneinander vorbei) und haben damit auch den Vorteil, dass der Beobachter gar nicht mehr die Chance hat, auf logische Abläufe zu achten, sondern sich dem Rausch aus Spannung, Schrecken, Wahnsinn und Gewalt hingibt.

Sicher, dadurch entsteht auch eine gewisse Austauschbarkeit mancher Szenen untereinander und nach mancher Erklärung kann man sowieso lange suchen, aber was OCULUS macht, macht er sehr effektiv.
Obwohl OCULUS das Zeug hat ein breites Publikum anzusprechen, ist dem Film anzumerken, dass die Materie für den Regisseur keine reine Auftragsarbeit, sondern Herzensangelegenheit ist. Flanigan, von dem u.a. ABSENTIA stammt, schuf schon 2006 einen Kurzfilm namens OCULUS CHAPTER 3 – THE MAN WITH THE PLAN, den ihr euch ganz unten in voller Länge ansehen könnt und der als Vorbild für den Spielfilm diente.

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