Review: OUIJA – URSPRUNG DES BÖSEN (2016)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 8.0

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8/10 (33)

Darsteller: Elizabeth Reaser, Lulu Wilson, Annalise Basso
Regie: Mike Flanagan
Drehbuch: Mike Flanagan, Jeff Howard
Land: ,
Genre:

 

95% aller Fortsetzungen kann man in die Tonne treten. Meist wird nur die alte Story noch mal aufgewärmt, weil Produzenten nicht den Arsch in der Hose haben was Neues zu wagen und man lieber unter bekanntem (sprich: werbeträchtigem) Namen ein billiges, l(i)ebloses Sequel produziert, das diejenigen begeistert, die sowieso nicht mehr merken ob da Meryl Streep oder die Fleischfachverkäuferin von nebenan die Hauptrolle spielt.
Aber es gibt Ausnahmen und OUIJA – URSPRUNG DES BÖSEN zählt dazu.

Die Story beginnt in den 60er-Jahren, wo Alice Zander als Hellseherin/Wahrsagerin/Medium arbeitet und von ihren jungen Töchtern Lina und Doris unterstützt wird. Allerdings verfügt keine von ihnen über paranormale Fähigkeiten, stattdessen versuchen die drei –mehr schlecht als recht – mit ein paar Tricks der Kundschaft das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Erst als Alice ein Ouija-Brett anschafft, gelingt es Doris tatsächlich Kontakt zum verstorbenen Vater aufzunehmen, doch damit löst sie etwas aus, was man besser hätte ruhen lassen.

Zugegeben, besonders mutig oder neu ist der Film nicht, aber er atmet und ist kein herzloses Retortenprodukt.
Technisch gesehen reden wir hierbei aber auch nicht von einem Sequel, sondern dem Prequel zu OUIJA, jenem belanglosen Streifen der zwar das Original darstellt, aber auch alle oben erwähnten unangenehmen Eigenschaften vereint.

Regisseur Mike Flanagan bewies bereits mit OCULUS, dass man auch Mainstream-Horror clever inszenieren kann und anders als in OUIJA, wo Erwachsene unerklärlicherweise fast komplett ausgeschlossen waren, erleben wir hier eine ungewöhnliche, aber trotzdem nachvollziehbare Familie, in die sich gaaanz langsam der Schrecken schleicht.

Natürlich führt das zu gewissen Schockmomenten, aber hier findet sich keine Katze, die sinnloserweise mit 130 Dezibel aus dem Wandschrank geschossen kommt. Mehr noch, Flanagan ist Profi, er weiß um die Konventionen des Genres und zum Beispiel legt in einer Szene Teenagerin Lina folgenden Satz in den Mund „Nicht zusammen zu bleiben klingt nach der dümmsten Idee auf der Welt“.
Natürlich ist das eine bewusste Anspielung auf die hirnlosen Bratzen, die in unzähligen Filmen einen Grund suchen, um  sich in Gefahrensituationen zu trennen.

OUIJA – URSPRUNG DES BÖSEN baut noch weitere Details ein, die man leicht übersehen kann, ohne dass es den Genuss stört, die aber denjenigen, die genauer hinsehen ein Lächeln ins Gesicht zaubert.
Ob es bestimmte Kameraeinstellungen sind, die zur damaligen Zeit passen oder die Brandlöcher rechts oben, die seinerzeit das Ende einer Filmrolle ankündigten.

Zu entdecken gibt es aber auch eine ganze Reihe filmischer Referenzen, denn wie gesagt, komplett neu ist das Gezeigte nicht. Immer wieder drängen sich kurze Vergleiche auf, was von modernen Filmen wie POSSESSSION (2012) bis zu Klassikern wie DAS OMEN und DER EXORZIST reicht. Diese Anleihen sind aber kurz gehalten und es wäre ohnehin vermessen eine Neuerfindung des Rades zu erwarten.

OUIJA – URSPRUNG DES BÖSEN schafft es einen vernünftigen Anschluss zu OUIJA herzustellen (was nicht allzu schwer ist) und wer weiß, dass die von Lin Shaye gespielte Lina dort in einer psychiatrischen Klinik untergebracht ist, weiß auch, dass die junge Lina wie sie hier dargestellt wird, einiges mitmachen muss.
Übrigens: Lina-Darstellerin Annalise Basso spielt auch schon in Flanagans OCULUS die jüngere Version der Hauptfigur.
Besonders creepy ist aber Linas jüngere Schwester, die uns als sympathische Grundschülerin vorgestellt wird….und am Ende gar nicht mehr so sympathisch wirkt.

Fazit: Obwohl die Popcorn-Götter Michael Bay und Jason Blum an der Entstehung beteiligt waren, obwohl hier an eine bestehende Story angeknüpft wurde, obwohl das Geister-/Besessenheit-Genre in den letzten Jahren fleißig beackert wurde, ist OUIJA – URSPRUNG DES BÖSEN doch gelungen!

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