Review: OUR EVIL (2017)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 6.0

Please rate this

7.5/10 (2)

Darsteller: Fernando Cardoso, Ricardo Casella, Reinaldo Colmanetti
Regie: Samuel Galli
Drehbuch: Samuel Galli
Länge: 89 min
Land:
Genre: ,
Veröffentlichung: 16, November 2018 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Pierrot Le Fou
FSK: ab 18

Obwohl sich in unserem Review-Archiv über die letzten Jahre einiges angesammelt hat, findet sich dort derzeit nur ein brasilianischer Horrorfilm (MOTORRAD) wieder. Auch wenn das Land eher mit sonnigen Themen wie Strand, Fußball und Cocktails assoziiert wird, ist die Realität von viel Gewalt geprägt. Ein Ambiente, das vielleicht auch Samuel Galli inspiriert hat, dessen OUR EVIL mit einer harten Folterszene einsteigt, dann aber kuriose Pfade nimmt…

Story:
Arthur sucht im Darknet einen Auftragskiller. Dessen „Bewerbungsvideo“ zeigt ihn beim Skalpieren einer jungen Frau und es wird klar, dass der Mann seine Arbeit auch nach Feierabend liebt.
Die Aufgabe, die Arthur ihm stellt, ist dennoch ungewöhnlich, denn immerhin soll er seine Tochter von einem Dämon befreien.

Auch ohne die Geschichte komplett offenzulegen sieht man schon, dass OUR EVIL ein Crossover aus Darknet-Psychopathen-Werk, Auftragskiller-Film und Exorzismus-Streifen wird.
Gut, denn das gibt’s bisher nicht und frischer Wind kann dem Genre nur helfen, allerdings wurden manche Dinge aus gutem Grund bislang umschifft, weil sich eben doch nur eine gewisse Anzahl Subgenres in 90 min verheizen lassen.

In OUR EVIL passt das aber inhaltlich recht gut ineinander, die Probleme treten dafür im Timing und der Umsetzung auf. Hier muss man einfach festhalten, dass der Film ganz offensichtlich für mageres Geld produziert wurde und die Ausleuchtung an südamerikanische Telenovelas erinnert. Darüber hinaus stellt er Samuel Gallis Debütfilm dar und die Vierfachbelastung Produzent, Schnitt, Buch und Regie ist ihm anzumerken. Übrigens ist es nicht nur für Galli ein Anfang, auch zahlreiche seiner Schauspieler stehen (zumindest laut Imdb) zum ersten Mal vor der Kamera.

Wer ein handwerkliches Meisterwerk erhofft, wird es in OUR EVIL nicht finden, aber auch Fans der harten Gangart werden vermutlich nur bedingt glücklich. Zwar ist das Darknet-Video, das sich Arthur zu Beginn ansieht, aller Ehren wert, der Film ist aber keine durchgängige Schlachtplatte.
Auch wenn später noch einmal demonstriert wird, was für ein Widerling der Auftragskiller ist, der Film hat eben mehrere Genres zu bedienen und kümmert sich zunehmend auch um eine paranormale Seite. (SPOILER) Arthur kann tote Menschen sehen, was in ausgiebigen Rückblenden erzählt wird und für eine Weile verliert sich OUR EVIL in traumartigen Sequenzen.

Der ein oder andere wird die fehlende Technik, das langsame Tempo und die Sprunghaftigkeit des Films nicht gutheißen, sollte dabei aber nicht vergessen, dass hier immerhin eine Geschichte erzählt werden soll (die am Ende auch Sinn ergibt), diese mit künstlerischen Anleihen dargeboten wird, sodass bei aller Kritik eine Originalität bleibt.

Fazit:
Man sollte OUR EVIL als das sehen, was er ist: ein Low Budget – Debütfilm mit einigen Ecken und Kanten. Er hat aber nicht grundlos den Sprung von Brasilien bis nach Deutschland geschafft und wäre ein Kandidat für ein höherwertiges Remake.

 

Facebook Comments