Review: PLAYGROUND (2016)

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Redaktion: 6.0

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7.5/10 (2)

Darsteller: Michalina Swistun, Nicolas Przygoda, Przemyslaw Balinski
Regie: Bartosz M. Kowalski
Drehbuch: Bartosz M. Kowalski, Stanislaw Warwas
Länge: 79 Minuten
Land:
Genre: , ,
Veröffentlichung: 18.11.2016 (Polen), 4.12.2018 (Deutschland)
Verleih/ Vertrieb: KinoKontrovers
FSK: ab 16

Bevor wir euch in hoffentlich entspannte und friedliche Weihnachten entlassen, gibt es ein letztes Review. PLAYGROUND ist ein polnischer Film aus dem Jahr 2016, der diesen Dezember auch in Deutschland auf DVD und BluRay erschienen ist. Der Film lief auf den Fantasy Filmfest Nights 2018 und soll einer der Filme sein, die das Publikum an seine Grenzen bringt. Vorab: es geht um Gewalt, die von sehr jungen Menschen ausgeht und sich auch gegen sehr junge Menschen richtet.

Inhalt von PLAYGROUND

Der letzte Schultag vor den Sommerferien, Gabrysia, Czarek und Szymek Bereiten sich auf verschiedene Arten darauf vor. Gabrysia plant Szymek zu gestehen, dass sie in ihn verliebt ist. Als sie sich mit ihm trifft eskaliert die Situation; Szymek und sein bester Freund Czarek fangen an das Mädchen zu ärgern, zu bedrängen und zu quälen. Nachdem diese Situation vorbei ist ziehen die beiden Jungen los, auf der Suche nach Spaß…

Resümee zu PLAYGROUND

PLAYGROUND nimmt sich sehr viel Zeit um die drei Protagonist*innen vorzustellen. Man bekommt jeweils von Gabrysia, Czarek und Szymek einen Einblick in ihren Alltag, der unterschiedlicher nicht sein könnte. Es dauert eine ganze Weile bis der Film seine Einführung hinter sich lässt und in die eigentliche Handlung einsteigt. Zum einen ist das gut, da man die drei Jugendlichen ausreichend kennenlernt, zum anderen entsteht so eine gewissen Länge in dem Film, die bei insgesamt nur 79 Minuten Laufzeit zu viel Zeit einnimmt.

Liest man sich die Beschreibung zu PLAYGROUND durch, entsteht schnell der Eindruck, dass der Film in einer ähnlichen Liga wie beispielsweise Eden Lake unterwegs ist. Auf der BluRay selbst steht beispielsweise, dass es sich um einen „Nachmittag der Gewalt“ handelt. Bei derartigen Angaben erwartet man einen Film, der von einem Blutbad zum anderen schwenkt. PLAYGROUND ist keinesfalls ein Film, der sehr viel Gewalt zeigt. Es gibt einige Momente, die sehr unangenehm anzuschauen sind und das Ende des Film ist durchaus brutal, einen „Nachmittag der Gewalt“ stellen sich viele Horrorfans aber mit großer Sicherheit ganz anders vor.

PLAYGROUND ist nicht unbedingt ein Horrorfilm, sondern eher eine Studie von Charakteren mit ein paar Horrorelementen. Die Art und Weise wie PLAYGROUND gefilmt ist, erinnert in weiten Teilen eher an eine Dokumentation, als an einen Spielfilm. Mit großer Ruhe wird das Leben der drei Jugendlichen eingefangen und dabei wird stets eine gewisse Distanz gehalten. Die Zuschauer*innen beobachten eher, als dass sie mit in das Geschehene einbezogen werden. Auf diese Weise fällt es schwer eine Beziehung zu den Protagonist*innen aufzubauen. Erst in der Szene in der Gabrysia von Czarek und Szymek gequält wird, beginnt man mit ihr zu fühlen, davor ist man mehr oder weniger unbeteiligte Zuschauerin.

Die Thematik von PLAYGROUND ist eine sehr unangenehme. Gewalt die von Kindern beziehungsweise Jugendlichen ausgeht ist oftmals schwerer zu ertragen, als wenn ein irrer Serienkiller durch den Bildschirm stapft und ein Blutbad veranstaltet. Auch wenn in PLAYGROUND die Gewalt nicht im Vordergrund steht, gibt es etwa drei Szenen, die schwer anzusehen sind. Das Problem ist, dass die Beweggründe nicht erklärt werden. Urplötzlich wird jemand geschlagen, es folgt jedoch keine Erklärung, weshalb das passiert. Genau das wird die Intention vom Regisseur gewesen sein, dass die Gewaltausbrüche unerklärt bleiben und so mehr oder weniger ein Bild von einer sehr unbeteiligten und trotzdem gewaltbereiten Generation zeigen.

Der Film von Regisseur Bartosz M. Kowalski ist sehr gut produziert. Der Film ist trotz der Thematik sehr ästhetisch gefilmt. Die Szenen sind allesamt stimmig. Die Leistung der jungen Schauspieler*innen ist sehr gut. Man nimmt allen ihren Rollen ab.

PLAYGROUND ist ein Film, der falsch beworben wird. Es gibt keine Gewaltorgie, die die Beschreibungen erwarten lassen. Vielmehr hält der Film einen Tag im Leben von drei Jugendlichen fest, der mehr oder weniger aus Langeweile in Gewalt endet. Da die beiden Jungen keinerlei Regung nach ihren Taten zeigen, scheint PLAYGROUND vor allem auch eine Kritik an einer angeblichen unbeteiligten Generation zu sein, die aus Langeweile zu Gewalt neigt. Als Horrorfilm ist PLAYGROUND nicht sehr überzeugend, als Film, der aus einer gewissen Distanz eine angeblich verrohte Generation zeigt, schon eher.

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