Review: PULS (2016)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 6.5

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5.6/10 (32)

Darsteller: John Cusack, Samuel L. Jackson, Isabelle Fuhrman
Regie: Tod Williams
Drehbuch: Stephen King, Adam Alleca
Land:
Genre: ,

Stephen Kings Roman PULS ist älter als das iPhone und trotzdem scheint es so, als hätte der Horror-Großmeister schon damals gewusst, was die vielen Apps mit uns anstellen werden.
Auch wenn der Begriff „Smombie“ also später geprägt wurde, Handys gab natürlich schon als King seinen Roman verfasste und die sind auch im gleichnamigen Film die Übeltäter.

Story:
Weil sein Handyakku leer ist, hängt Clay (John Cusack) gerade am Münzfernsprecher am Flughafen, als um ihn herum die Katastrophe ausbricht. Jeder der das Handy am Ohr hat, rastet total aus und tötet die normal gebliebenen in seinem Umfeld.
Clay entkommt der blutigen Szenerie und trifft auf U-Bahn-Fahrer Tom (Samuel L. Jackson).
Gemeinsam machen sie sich auf eine gefährliche Reise, um in dem Chaos Clays Sohn zu finden.

Das Wichtige zuerst. PULS wurde in den USA mit negativer Kritik überschüttet und rangiert auch in der International Movie Database bei einer durchschnittlichen User-Wertung von 4.3 von 10. Vor allem die Schwarmintelligenz von IMDb ist in der Regel ein aussagekräftiges Instrument, dem ich hiermit aber ausnahmsweise widerspreche.

Nein, PULS, der Film, ist nicht so gut wie PULS, das Buch, aber das gilt für die meisten Verfilmungen.
Nein, weder Cusack (IDENTITÄT), noch Jackson (PULP FICTION), nicht einmal Isabell Fuhrmann (ORPHAN), die eine kleinere Rolle hat, liefern hier den Höhepunkt ihrer Karriere, schaffen es aber auch nicht richtig schlecht zu spielen.
Nein, das sind keine normalen Zombies.

Aber gerade der letzte Punkt macht den Reiz der Geschichte aus. Sicher darf man PULS getrost im Zombie-Genre platzieren, aber die sogenannten „Phoner“ sind nicht tot und behalten die Fähigkeit simple Werkzeuge zu nutzen, zudem bedienen auch sie sich einer Schwarmintelligenz, wie man das auch aus dem WORLD WAR Z –Film kannte.
Weitere Besonderheit: die Phoner entwickeln sich. Sind sie anfangs nur auf Vernichtung aus, versuchen sie später ihresgleichen anzuwerben und spätestens das Finale hat mit 0815-Zombiehorror gar nichts mehr am Hut.
Horror bietet PULS aber genügend, man muss sich nur darauf einstellen, dass sich die Art des Horrors wandelt.

Stephen King war hier auch am Drehbuch beteiligt, was Fluch und Segen zugleich ist. Einerseits wird eine dunkle, melancholische Atmosphäre erzeugt, die Leser auch vom Roman kennen, andererseits ist es schwierig die teils komplex-schrägen Gedankengänge in einen normalen Film zu quetschen.

Was uns King mit PULS grundsätzlich sagen will, ist hingegen relativ deutlich. So wie seine sozialkritischen Botschaften zum Thema Atomkraft (TOMMYKNOCKERS) und Klimaerwärmung (UNDER THE DOME) recht dick aufgetragen waren, ist das auch hier zum Thema Verdummung durch soziale Vernetzung der Fall und trotzdem hebt sich die Geschichte angenehm vom üblichen Genre-Stoff ab.
Es sei an dieser Stelle dahingestellt, ob ausgerechnet in einem Film, der modernen Entwicklungen kritisch gegenübersteht, eine Reihe von CGI-Effekten untergebracht werden müssen.

Für wen ist der Film also geeignet?
Für Freunde des Zombiefilms, die aber mal was anderes sehen wollen.
Für Menschen, die das Buch entweder nicht kennen oder nicht auf eine 1:1 Umsetzung beharren.
Für alle, die Cusacks/Jacksons/Kings Zusammenarbeit in ZIMMER 1408 mochten.
Für diejenigen, die ein paar Logiklöcher oder schwammige Effekte verkraften.
Für solche, die bei Filmen mit Message nicht gleich Reißaus nehmen.

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