Review: REVENGE (2017)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7.0

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7.4/10 (5)

Darsteller: Matilda Anna Ingrid Lutz, Kevin Janssens, Vincent Colombe
Regie: Coralie Fargeat
Drehbuch: Coralie Fargeat
Länge: 108 min
Land:
Genre: ,
Veröffentlichung: 23. August 2018 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Koch Media
FSK: ab 18

Man muss kein Genie sein, um zu erraten, worum es in REVENGE geht. Um Revenge.
Auch um etwas Rape, aber vor allem um Rache.
Obwohl es in diesem Genre eigentlich kaum noch was neues zu erzählen gibt, gibt es immer wieder sehenswerte Vertreter, die das Thema variieren. Aber auch die besseren Filme tun sich oft mit realistischem Verhalten der Figuren schwer.
Wir haben nachgeschaut, ob das bei REVENGE anders ist.

Jen ist jung und sieht gut aus. Sie hat Pläne und will nach L.A., aber erst mal verschlägt es sie mit ihrem Geliebten, dem verheirateten Richard, in eine schicke Villa in der Wüste. Als unerwartet zwei Freunde Richards vor der Tür stehen, haben die vier anfangs einen feuchtfröhlichen Abend, aber am nächsten Tag nähert sich einer der Freunde Jen an und die Lage eskaliert.

REVENGE ist ein französischer Film (gedreht in Marokko) und den Franzosen eilt nun mal ein gewisser Ruf voraus. Seine Herkunft belegt der Streifen aber nicht nur durch Close Ups von hässlichen Verletzungen, sondern auch solchen Details, wie dass Jens Lover ungezwungen seinen Penis in die Kamera halten darf.
Auch Jen wird anfangs ausgiebig beleuchtet und die Kamera fängt immer wieder ihren knapp bekleideten Hintern ein.
Trotzdem ist der Film weniger sexuell als man denken könnte und die unvermeidliche Vergewaltigung findet hinter verschlossener Tür statt.

Interessant ist, dass Jen als die Sorte Frau dargestellt wird, über die Schmierlappen gerne sagen, dass sie durch ihre knappe Kleidung eine Vergewaltigung provoziert hätten. Sie wirkt etwas naiv, will in der großen Stadt Karriere machen, tanzt sexy, hat eine Affäre mit einem wohlhabenden, verheirateten Mann und ist sich ihres Aussehens bewusst.
Dass das keine Einladung ist, zeigt sich aber ab einem gewissen Punkt, an dem sich die schwer verletzte Frau ins Leben zurückkämpft und mit den Männern abrechnet.

Dieser Rachevorgang ist weit weniger überlegt, als z.B. in I SPIT ON YOUR GRAVE, wo die geschundene Jennifer Hill jeden ihrer Schritte minutiös plante und durchführte, ohne selbst noch einmal in Bedrängnis zu geraten.
Jen ist hingegen von einem Baum aufgespießt und halbnackt in einem unwirtlichen Wüstenstreifen unterwegs.

Das wirkt einerseits realistischer, wie der Film mit schweren Verletzungen umgeht, ist aber bemerkenswert. Hier lernen wir nämlich, dass der menschliche Körper, über viel, viel Blut verfügt und auch noch funktioniert, wenn ein paar Gallonen auslaufen.
Faustgroße, von hinten bis vorne durchgängige Wunden in der Magengegend, können durch eine erhitzte Bierdose verschlossen werden. Das so akkurat, dass das Opfer am Tag darauf zwar die komplette Aufschrift der Dose als „Tattoo“ auf der Haut trägt (nicht mal in Spiegelschrift), aber die eigentliche Wunde komplett und narbenfrei verschlossen ist und keine weiteren Beschwerden verursacht. Angeblich gibt es erste Anfragen von Krankenhäusern.

So fun-splattrig das klingt, der Film macht nicht den Eindruck, als wäre Humor beabsichtigt, aber genau dort liegt das Problem. REVENGE lässt trotz klarer Story eine klare Linie vermissen. Er bemüht sich eingangs um eine charakterliche Einführung, gibt diese aber auf. Er müht sich um realistische Züge, wirft diese aber über Bord. Er gibt sich ernst, zeigt aber Humor. Er zeigt viel nackte Haut, scheut sich aber vor der Vergewaltigungsszene.
Grund könnte die Unerfahrenheit von Autorin und Regisseurin Coralie Fargeat sein, die nur zwei Kurzfilme und eine Serienepisode vorweisen kann und mit ihrem ersten „eigenen“ Spielfilm überfordert wirkt.

Das ändert aber nichts daran, dass REVENGE eine stylishe Angelegenheit wurde, die in einer sterilen Villa mit hübschen Menschen beginnt und dann immer schmutziger wird. Brutal ist die Sache auch und die FSK18-Einstufung ist voll verdient.  Die diesbezüglichen Effekte sind (trotz der überzogenen Blutmengen) stark.
Untermalt wird das Massaker durch einen Synthie-Score, der anfangs nicht recht in die Wüstenszenerie passen will, aber doch gut funktioniert.

Fazit: Unterm Strich ist REVENGE ein weiterer Rape & Revenge – Film, der vieles richtig macht, aber auch so einiges falsch.

 

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