Review: SCENIC ROUTE (2013)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 8.5

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7.8/10 (32)

Darsteller: Josh Duhamel, Dan Fogler, Miracle Laurie
Regie: Kevin Goetz, Michael Goetz
Drehbuch: Kyle Killen
Genre:
Land:
FSK:
Scenic Route

Wenn ihr euch den Trailer von SCENIC ROUTE angesehen habt, fragt ihr euch womöglich ob dies ein Horrorfilm, Thriller, Drama, Komödie oder Survival-Abenteuer ist. Die Antwort ist „Ja“, SCENIC ROUTE ist all das und funktioniert prächtig.

Die Freunde Mitchell und Carter sind in Carters altem Pickup in der Wüste unterwegs. Sie kennen sich ein Leben lang, doch viel zu sagen haben sie sich eigentlich nicht mehr. Um seinen biederen Kumpel Mitchell zu einem längeren Gespräch zu bewegen, täuscht Lebenskünstler Carter eine Autopanne vor. Doch dann springt der Wagen tatsächlich nicht mehr an und die beiden müssen immense Hitze, enorme Kälte und vor allem sich selbst überleben.

Scenic Route

Der öde Landstrich im Südwesten der USA ist immer wieder für einen Horrorfilm gut. Zuletzt war dort das SEED 2 – Kasperletheater unterwegs, doch SCENIC ROUTE schlägt in eine ganz andere Kerbe. Es gibt keinen unbekannten Schlächter, nur zwei Typen, die einst gemeinsame Ziele hatten und nun gänzlich unterschiedliche Leben führen. Der yuppiehafte Mitchell, der Zuhause keine Gitarre mehr spielen darf und Carter, der im Auto lebt, teilen eine Hassliebe, die im Laufe des Films völlig ausgekostet wird, körperlich und geistig.

Scenic Route

Die beiden streiten sich über ihre Einstellung zum Leben, teilen intime Geheimnisse, kämpfen miteinander ums Überleben und wollen einander umbringen. Das wirkt teilweise so (im besten Sinne) absurd, dass man sich an die Charaktere von HANGOVER erinnert fühlt. Wenn Mitchell durch sein mittlerweile abstoßendes Äußeres die Chance auf Rettung vertut, möchte man als Zuschauer laut lachen, befindet sich aber nur ein paar Schnitte vom nächsten hoffnungslosen und feindseligen Augenblick entfernt.

Ein großes Kompliment geht dabei an die beiden Schauspieler Josh Duhamel (TURISTAS) und Dan Fogler (HELLBENDERS), die alle Gemütslagen glaubhaft rüberbringen und trotz der Ups und Downs nachvollziehbare Charakter schaffen. Natürlich sind diese Buddy-Filme, in denen zwei unterschiedliche Typen gemeinsam auf Achse sind und die Welt des anderen kennenlernen, hinlänglich bekannt, werden hier aber mit einer gesunden Portion Gewalt und Überlebenskampf gemischt.

Scenic Route

Wer es richtig hart braucht, sollte die SCENIC ROUTE hingegen meiden, sinnfreies Gemetzel an Collegegirls gibt es hier nicht zu bestaunen.
Vielmehr ist der Film trotz der endlosen Wüste eine Art Kammerspiel, das von Wendungen und Entwicklungen lebt. Das beste Beispiel dafür ist vermutlich ACHTUNG SPOILER das Ende, das ein Happy End suggeriert, dieses aber letztlich doch wieder in Frage stellt.

Gedreht wurde übrigens im Death Valley, ein Ort der mit seiner kargen und tödlichen Schönheit viele im Film angesprochene Aspekte symbolisiert. Man mag das liegengebliebene Auto auch als Metapher auf die eingerostete Freundschaft der beiden Helden sehen, muss es aber nicht. SCENIC ROUTE bietet Analogien hat, aber er zwängt sie uns nicht auf.

Fazit: Ein richtig guter Film, der aber ein Mindestmaß von Über-den-Genre-Tellerrand-schauen erfordert.

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