Review: SHREW’S NEST (2015)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 8.5

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9.3/10 (80)

Darsteller: Macarena Gómez, Nadia de Santiago, Hugo Silva, Luis Tosar
Regie: Juanfer Andrés, Esteban Roel
Drehbuch: Juanfer Andrés, Sofía Cuenca
Land:
Genre: ,

Ich kann es ja selbst nicht mehr hören. Immer wieder die gleichen Lobgesänge auf das spanische Kino. Aber was sollen wir denn machen? Wer gut erzählte Geschichten in ansprechender Umsetzung will, kommt an den Iberern einfach nicht vorbei.
Sieht man einmal von einigen wenigen Ausnahmen ab, waren die spanischen Filme der letzten Jahre über dem Durchschnitt und oft richtig gut …und SHREW’S NEST reiht sich mühelos ein.shrew's nest montse

Inhalt:
Montse leidet an Agoraphobie. Ihr Apartment hat sie seit Ewigkeiten nicht verlassen. Ihre Kundschaft besucht die Schneiderin zuhause und ansonsten ist ihre deutlich jüngere Schwester, die bei ihr lebt, der einzige Kontakt zur Außenwelt. Doch die ist inzwischen 18 und übt sich in Selbständigkeit, was Montse gar nicht passt.
Als eines Tages der gutaussehende Nachbar Carlos die Treppe herabstürzt, lässt ihn Montse trotz anfänglicher Zweifel in die Wohnung und beschließt ihn gesundzupflegen. Doch damit beginnt eine Spirale der Gewalt.

Der Film startet wie ein Drama, wandelt sich nahtlos zum Thriller und mutiert schließlich zum puren Horror.
Eine gewisse Ähnlichkeit zu MISERY ist hier gegeben. Auch in SHREW’S NEST ist ein Mann mit gebrochenem Bein im wahrsten Sinne des Wortes ans Bett einer fremden Frau gefesselt. Damit begibt sich der Spanier auf dünnes Eis, denn an MISERY gibt es wenig auszusetzen, aber während der vor allem aus der Sicht des verunglückten Paul Sheldon erzählt wurde, ist SHREW’S NEST vielseitiger, zeigt verschiedene Perspektiven und ein anderes Männerbild.shrew's nest musaranas

Die sind nämlich zumindest physisch recht machtlos. Carlos kann sein Bett nur kriechend verlassen und ist auf die Hilfe von Frauen angewiesen und der einzig andere Mann, der häufiger auftritt ist Montses toter Vater, der gewissermaßen nur als Geist/Vision zu sehen ist und Montse hin und wieder seine Meinung sagt. Hier ist dann aber doch ein Einfluss spürbar und auch der gutaussehende Carlos hat eine Wirkung auf die beiden Frauen.

Daraus entstehen Spannungen und Koalitionen, denn sowohl er, als auch Montse und ihre Schwester haben unterschiedliche Interessen, sind aber auch auf verschiedene Weise von den jeweils anderen abhängig.
Hauptfigur ist aber Montse, die nicht nur gegen ihr einsames Leben und ihre Krankheit ankämpft, nicht nur ein zwiespältiges und teils gewalttätiges Verhältnis zu ihrer Schwester hat, sich nicht nur zu Carlos hingezogen fühlt, sondern auch mit den Schatten der Vergangenheit kämpft, was der Handlung noch eine weitere Ebene hinzufügt.
Auch Montses Platzangst kommt eine eigenwillige Bedeutung zu: Figuren mit dieser Krankheit gab es bereits häufiger im Genrefilm, z.B. COPYKILL und CITADEL, aber für gewöhnlich sind sie Opfer, keine Täter. In diesem Film ist es umgekehrt.shrew's nest hugo silva

Während die Geschichte, die bis auf wenige Ausnahmen in einem Apartment spielt und das Haus nie verlässt, grundsätzlich in jeder Epoche angesiedelt sein könnte, spielt sie in den 1950er Jahren. Das ist nur ein Detail, aber ein stimmiges.

Wenn man spanischen Filmen etwas vorwerfen will, dann vielleicht, dass man öfters auf bekannte Gesichter stößt. Das ist aber jammern auf allerhöchstem Niveau, wenn es Mimen sind, die man aus SLEEP TIGHT (Luis Tosar), WITCHING & BITCHING (Macarena Gómez) und THE BODY (Hugo Silva) kennt. Das Schauspiel ist jedenfalls nahezu tadellos, lediglich Montse-Darstellerin Macarena Gómez erscheint stellenweise übertrieben nervös.

Drauf gepfiffen, die meisten Filme haben größere Sorgen und SHREW’S NEST ist bereits ein Highlight des noch jungen Jahres.

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