Review: SILENT HOUSE (2011)

Silent House horrorfilm
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 6

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7/10 (32)

Darsteller: Elizabeth Olsen, Adam Trese, Eric Sheffer Stevens
Regie: Chris Kentis, Laura Lau
Drehbuch: Laura Lau
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Als THE SILENT HOUSE (Originaltitel: LA CASA MUDA) vor ein paar Jahren erschien, erregte der Film einiges Aufsehen, weil er zum einen aus Uruguay stammt und damit per se zum Exoten wurde, zum anderen aber angeblich in einem einzigen Take und in Echtzeit aufgenommen wurde.
Inzwischen hat sich herausgestellt, dass das wohl nicht ganz der Wahrheit entsprach und es ein paar Schnitte gab, die Kameraführung machte ihn aber trotzdem zu etwas Besonderem.

Silent House remake

Das Potential sah man wohl auch für den amerikanischen Markt, weswegen kurzerhand ein Remake namens SILENT HOUSE angefertigt wurde, das schon 2011 -nur ein Jahr nach dem Original- auf dem Sundance Film Festival gezeigt wurde und nun auch endlich in Deutschland zu haben ist.
Grundsätzlich stellt sich bei diesen Neuverfilmungen, die nahezu direkt hinter dem Original entwickelt werden, die Frage, ob man den Film braucht. Den US-Amerikanern dürfte wohl vor allem die bekannte Untertitel-Problematik ein Dorn im Auge gewesen sein, hierzulande erschienen natürlich beide Filme synchronisiert, so dass alleine der Inhalt zählt.
Und der ist anders als beispielsweise bei WE ARE WHAT WE ARE sehr nahe am lateinamerikanischen Film.

Sarah räumt zusammen mit ihrem Vater und ihrem Onkel ein riesiges altes Haus aus, das der Familie gehört und demnächst verkauft werden soll. Die Fenster des abseits gelegenen Gebäudes sind vernagelt, die Flure verwinkelt, die Räume mit alten Möbeln vollgestellt. Strom gibt es nicht und Licht ist Mangelware, doch der Schrecken beginnt erst, als Sarah bemerkt, dass noch jemand in dem Haus ist. Als ihr Vater von der unbekannten Person angegriffen wird, versucht sie zu entkommen, doch das ist gar nicht so leicht.

Silent House horrorfilme

Wie im uruguayischen Film ist die junge Frau der uneingeschränkte Mittelpunkt des Geschehens. Obwohl die Kamera nicht im Found Footage / Point-of-view- Stil geführt wird, fühlt man sich oft daran erinnert, denn meist sind wir ganz nah an Sarah, schauen ihr im Moment der größten Angst ins Gesicht oder über die Schulter, wenn sie sich durch die dunklen Gänge tastet. Wenn sich die Kamera doch einmal von ihr entfernt, dann nur, um uns Zuschauern einige Informationen zu geben, die entweder die Spannung erhöhen oder wichtige Puzzleteile sind, um am Ende die komplette Story zusammensetzen zu können.

Die ist nämlich vertrackter als sie zunächst vermuten lässt und was wie ein eher simpel gestrickter Home Invasion – Thriller beginnt, entpuppt sich als abgründiger Psychotrip. Dank der amerikanischen Einbürgerung wurde mehr Wert auf psychologische Fakten gelegt und Hinweise auf (Achtung SPOILER) eine dissoziative Persönlichkeitsstörung finden sich schon früh in der Geschichte.
Gleichzeitig hat man aber auch den Eindruck, dass die Autorin / Co-Regisseurin Laura Lau unbedingt wollte, dass jeder versteht was dort geschieht und die ein oder andere Stelle, die im Original Interpretationsspielraum bot, narrensicher vorkaut.

Silent House horror

Aus spannungstechnischer Sicht, steht SILENT HOUSE aber auf soliden Füssen, was zum einen wiederum an der geschickten Kameraarbeit liegt, zum anderen an Hauptdarstellerin Elizabeth Olsen, die sich vom Ruf als Schwester der Olsen-Zwillinge längst emanzipiert hat und auch in anderen namhaften Produktionen wie RED LIGHTS oder zuletzt GODZILLA bestehen konnte.
Ihre Angst ist hier glaubwürdig gespielt.

Nein, im Grunde hätte es SILENT HOUSE nicht gebraucht, wer aber das Original noch nicht gesehen hat und Spannung/Schreckmomente zu schätzen weiß, ist hiermit fast genauso gut bedient.

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