Review: SLENDER MAN (2018)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 3.0

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1.6/10 (5)

Darsteller: Joey King, Julia Goldani Telles, Jaz Sinclair, Annalise Basso, Kevin Chapman
Regie: Sylvain White
Drehbuch: David Birke
Länge: 89 min
Land:
Genre: ,
Veröffentlichung: 27. Dezember 2018 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Sony
FSK: ab 16

Wenn du einen Film über den SLENDER MAN drehst, eine der wenigen Horrorfiguren des 21. Jahrhunderts, die mit Hilfe des Internets entstanden und zu Ruhm gelangten, musst du nur eines tun: es nicht vollkommen versauen.

Wenn du als Verantwortlicher ein halbwegs schaubares Ergebnis ablieferst, werden die Menschen die Türen zu den Kinosälen eintreten und du kannst den Rest deines Lebens damit verbringen, Sequels zu drehen und Geld zu zählen.
Im Falle von SLENDER MAN traten vermutlich tatsächlich Menschen Kinotüren ein, allerdings vor allem aus Wut oder um aus dem Saal zu fliehen, denn das war nichts.

Story:
Als sich vier Freundinnen eines Abends treffen und ihnen der Mix aus Wodka und Internetpornos nicht mehr interessant genug ist, beschwören sie in Partylaune den Slender Man. Standesgemäß geschieht dies online.
Kurze Zeit später werden die vier von Alpträumen geplagt und eine von ihnen verschwindet.
Aber das ist erst der Anfang des Schreckens, der nun folgen soll.

Sei vorsichtig was du dir wünschst, soll wohl die dünne Message des Films sein, denn bevor sie Slender Man herbeirufen, sprechen sie noch davon, wie gerne sie verschwinden möchten. Gemeint ist damit aber natürlich was anderes.
Natürlich untersuchen die verbleibenden Freundinnen die Ereignisse weiter und erfahren, dass der Slender Man in den Wäldern zu finden ist, wo sie mit einem Gegenritual starten.

Über den Slender Man muss man wissen, dass er einige seiner Opfer heimsucht, manche treibt er in den Wahnsinn und andere holt er sich.
Das klingt abwechslungsreich, der Begriff unfokussiert trifft es aber besser und sieht in der Praxis so aus, dass der Slender Man tun und lassen kann, was er will und der Film nicht mal seine eigenen Regeln befolgt.

Und dieser Eindruck setzt sich über das gesamte Werk fort. Man muss schon die Interviews im  Bonus-Material der DVD sehen, um die dort beschriebenen Charaktereigenschaften oder die tiefe Freundschaft zwischen den vier Mädchen auch im fertigen Film wiederzufinden.
So finden sich hier und da aus dem Zusammenhang gerissene Anspielungen auf Subplots, wie z.B. als die drei im Wald etwas opfern sollen, das ihnen wichtig ist und eine gefragt wird, warum sie nicht ihre Medaillen und Auszeichnungen opfert. Nun, wir wissen nichts über Medaillen oder den offenbar unterschwelligen Konflikt, der hier angerissen wird…und der nirgendwo hin führt.

Konsequenterweise kann sich SLENDER MAN nicht darauf einigen aus welcher Sicht er die Geschichte vortragen will und scheut sich eine Hauptfigur zu benennen.
Dass von den vier jungen Damen, ausgerechnet Annalise Basso aus dem Rennen nimmt, die in OCULUS, OUIJA 2 oder CAPTAIN FANTASTIC echtes Talent bewies, ist ein weiterer Fehler, auch wenn mit Jaz Sinclair (SABRINA) und Joey King (WISH UPON) noch zwei weitere Nachwuchs-Scream-Queens mitspielen.

Aber vermutlich hätte kein Schauspieler der Welt gegen die Mängel im Drehbuch und die wirklich erschreckend schwachen Computereffekte anspielen können, die vor allem in der zweiten Filmhälfte auftreten.
Dabei ist es nicht so, dass SLENDER MAN nicht gruslige Augenblicke hätte, hier und da schimmern THE RING – Anleihen durch, aber auf Dauer reicht es dann eben nicht ein paar verstörende Bilder, mit nebligen Wäldern und einigen Jumpscares zu paaren.
Am traurigsten ist aber, dass der, um den es eigentlich geht und der dem Film den Titel leiht, zwar schon früher öfters in Clips, Bilder oder Audioaufnahmen höchst unheimlich in Szene gesetzt wurde, hier aber erstaunlich weit im Hintergrund bleibt.

Autor David Birke schrieb zuletzt die Bücher zu dem annehmbaren ELLE und dem starken 13 SINS, daher verwundert dieser Ausrutscher. Eine bekanntere Größe ist da schon Regisseur Sylvain White, dem wir ICH WERDE IMMER WISSEN, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST zu „verdanken“ haben.

Der Fairness wegen sei gesagt, dass der Film seine Kosten locker wieder einspielte, daher gibt es offenbar ein (junges, naives, unerfahrenes) Publikum.
Aber trotz  sattem Budget, einer kultigen und doch modernen Gestalt und einem großen Studio im Rücken, enttäuscht SLENDER MAN.

 

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