Review: SPUK IN HILL HOUSE (2018)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 9.0

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8.7/10 (3)

Darsteller: Michiel Huisman, Timothy Hutton, Elizabeth Reaser, Oliver Jackson-Cohen, Kate Siegel, Victoria Pedretti, Carla Gugino
Regie: Mike Flanagan
Länge: 10 Folgen, je ca. 60 min
Freigabe: 16
Land:
Genre: ,
Veröffentlichung: 12. Oktober 2018
Verleih/ Vertrieb: Netflix
FSK: ab 16

Nachdem Regisseur Mike Flanagan bereits mit Filmen wie OCULUS und DAS SPIEL im Horrorbereich tätig war, erschien nun die Serie SPUK IN HILL HOUSE, als Netflix-Produktion. Den meisten Kennern des Horrorgenres dürfte der Name auch schon davor bekannt gewesen sein, basiert die Serie doch auf einem gleichnamigen Klassiker der Horrorliteratur, von Shirley Jackson. Ebenso basiert einer der Klassiker des Horrorfilm Genres auf diesem Buch, unter dem deutschen Titel BIS DAS BLUT GEFRIERT (1963).
Nun sind bekanntlich Remakes derzeit in Mode, genauso wie deren Ausweitung auf ganze Serien, was wir wohl dem Zeitalter von Netflix und Co. zu verdanken haben. Leider gelingt dies häufig nicht besonders gut und man bleibt oft genug mit dem Eindruck zurück, dass vieles produziert wird, um aus einer alten Idee noch einmal schnell Geld zu machen.
Doch wie verhält es sich nun mit dieser Serie, von der die Kritiker bereits überzeugt sind und namhafte Zeitungen (u.a. die Welt) davon berichten, zahlreiche Zuschauer würden in dessen Folge über andauernde Angstzustände klagen?

Zum Inhalt
Die Geschichte ist relativ schnell zusammengefasst und orientiert sich nur lose an der Romanvorlage. Die kinderreiche Familie Crain zieht in das Hill House, um es über den Sommer zu renovieren und anschließend zu verkaufen. Recht schnell fangen zunächst die jüngsten Kinder, das Zwillingspaar Luke und Nell, an, Unnatürliches zu erleben. Vor allem Nell wird von der alptraumhaften Figur der Frau mit dem verbogenen Hals geplagt. Im Laufe der Handlung zeigt sich aber, dass am anfälligsten für den Spuk die Ehefrau Olivia ist, welche zunehmend die Kontrolle über ihr Wahrnehmung verliert und zu einer Gefahr für ihre Kinder wird. Steven Crain rettet irgendwann seine Kinder aus dem Haus, wobei es ihm nicht gelingt, seine Frau ebenfalls zu retten. Dies ist die eine Ebene der Geschichte. Die andere Ebene spielt viele Jahre später und zeigt das Leben der mittlerweile erwachsenen Crain Kinder. Schnell merkt man, dass alle von ihnen auf die eine oder andere Weise von den Erlebnissen im Hill House geprägt wurden und mit verschiedenen privaten Problemen zu kämpfen haben. Durch Nells Selbstmord, die nach einer weiteren Erscheinung der Frau mit dem verborgenen Hals, ins Hill House zurückkehrt, findet die Familie wieder zusammen und die finale Auseinandersetzung mit dem Haus bahnt sich an.

Das Gute
Gleich vorweg: einer der großen Pluspunkte der Serie liegt nicht im Bereich des Horrors, sondern der des Dramas. Mit der episodenhaften Erzählweise, in Rückblicken, sowohl auf die Kindheit in Hill House, wie auch die Jahre danach, setzt sich nicht nur ein Puzzle zusammen, welches die Ereignisse in dem Haus erklärt. Sondern es entsteht langsam das Bild einer Familie, die im Laufe der Jahre auseinander gedriftet ist und jeder mit seinen eigenen Problemen und inneren Dämonen zu kämpfen hat. Vom drogensüchtigen Luke, über die geistig labile und suizidale Nell, bis zu Steven, der den psychischen Verfall seiner Mutter als eine geistige Krankheit betrachtet und sich einer Vasektomie hat unterziehen lassen, um diesen „genetischen Fluch“ nicht weiter zu verbreiten.
Interessant dabei ist, dass die unheimlichen Erlebnisse in Hill House die fünf Geschwister auf ganz unterschiedliche Weise geprägt haben und es teilweise auch nicht eindeutig ist, ob sie die Probleme in ihrem Leben nicht vielleicht auch gehabt hätten, wären sie nicht in das Haus gezogen. So ist es nicht erkennbar, ob Hill House der direkte Auslöser für Lukes Drogenproblem ist. Ebenso hatte es auch positive Auswirkungen, wie bei Steven, dessen Karriere als Schriftsteller erst dann erfolgreich wurde, als er über seine Erfahrungen in dem Haus schrieb.

Der Horror des Hauses ist dabei vielschichtig, obwohl er letzten Endes „nur“ von Geistererscheinungen ausgeht und somit nicht gerade auf originelle Weise das Horrorgenre bereichert. Jedoch ist die Wirkung dieser Geister auf verschiedene Weise erkennbar und dadurch entsprechend wirkungsvoll. So erstrecken sie sich von klassischen Schockmomenten à la Geist blickt auf erwachende Person herab, über den Horror, wenn man seiner eigenen Wahrnehmung nicht mehr trauen kann (was Graham bereits in OCULUS gekonnt inszeniert hat), bis zu einem existenzialistischen Horror, wie im Falle Nells (was aus Spoiler-Gründen hier nicht genauer ausgeführt wird). Manche der Schockeffekte sind, genauso wie das immer wieder erwachende Gefühl nackter Panik, von erschreckender Intensität, was die oben erwähnten Reaktionen des etwas zarter besaiteten Publikums wohl erklärt.

Ebenso gekonnt ist die durchweg bedrückende Stimmung, sei es im Geisterhaus oder außerhalb. Es dominieren dunkle, triste Farben, welche das Innenleben der Darsteller widerspiegeln, untermalt mit einem meist zurückhaltenden Soundtrack, der sich angenehm in die Gesamtatmosphäre gliedert. Immer wieder vermag auch eine überzeugende Kameraführung, sowohl Schockmomente, als auch psychologisch dramatische Momente zu intensivieren.

Das Schlechte
Kritik lässt sich wiederum daran üben, dass gerade der Fokus auf die privaten Leben und Entwicklungen der Charaktere häufig den Horror in den Hintergrund treten lassen. So kommt es durchaus vor, dass manche Folgen über weite Teile hinweg genauso gut in einem (wenn auch hochwertigen) Drama vorkommen könnten. Wer Horroreffekte im Akkord sucht, kann dabei schnell enttäuscht werden.
Ebenfalls scheint es manchmal, dass die Serie bereits zu Beginn einen solchen unheimlichen Höhepunkt erreicht – man denke vor allem an das Ende der ersten Folge – dass diesem über weite Teile hinweg, wenn überhaupt noch, nichts mehr gleichkommt. Natürlich ist das der Funktion als Teaser geschuldet, was definitiv funktioniert. Dennoch erwischt man sich regelmäßig dabei, dass man sich nach mehr solcher Angst einflößender Momente sehnt.
Hinzu kommt, dass gegen Ende der Serie gewisse Abnutzungseffekte eintreten. Wenn oft genug ein Geist erschienen ist, lässt das Schrecken darüber bald nach und genau so geschieht es im Laufe der Serie, was sich besonders im Finale niederschlägt.

Und ein Fazit
SPUK IN HILL HOUSE gelingt es auf überzeugende Weise einen bereits oft bearbeiteten Stoff neu aufzuziehen und durch die Mischung von Elementen des Dramas, den verschiedenen Zeitebenen und sehr gelungenen Horroreffekten eine kluge und originelle Kombination aus diesen Elementen zu schaffen. Jedoch könnte es Fans des Horrorfilms teilweise zu wenig Horror und zu viel der anderen Elemente sein.

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