Review: SUMMER OF 84 (2017)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 8.0

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9/10 (1)

Darsteller: Graham Verchere, Judah Lewis, Caleb Emery
Regie: François Simard, Anouk Whissell, Yoann-Karl Whissell
Drehbuch: Matt Leslie, Stephen J. Smith
Länge: 109 min
Land: ,
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Veröffentlichung: 26. Oktober 2018 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Pandastorm
FSK: ab 16

 

Warum üben gerade die 80er Jahre diese besondere Magie aus? Was hat dieses Jahrzehnt an sich, dass es auch heute noch so häufig in der Filmlandschaft portraitiert wird.
Als Kind dieser Zeit fällt die Antwort nicht, aber auch jüngere Generationen scheinen über STRANGER THINGS, MANDY, KUNG FURY, die ES-Neuadaption oder TURBO KID einen Zugang zu dieser Zeit zu finden. Und da wir gerade über TURBO KID sprechen, SUMMER OF 84 ist von den gleichen Machern.

1984 sitzen vier Freunde in ihrem Baumhaus, fahren auf BMX-Rädern durch die Gegend, schauen sich Tittenhefte an oder beleidigen die Mütter der anderen. Kurz, es sind normale Teenies, die kurz vorm Erwachsenwerden stehen.
Als eine Mordserie die Umgebung in Atem hält, sehen die vier das zunächst als Abwechslung, doch als der Verdacht keimt, dass einer der Nachbarn, der sogar Polizist ist, damit zu tun haben könnte, rücken diese Taten beängstigend nah heran.

Ganz klar, SUMMER OF 84 steht in der Tradition von älteren Filmen wie DAS FENSTER ZUM HOF, jüngeren wie DISTURBIA und dem Ende der 80er entstandenen MEINE TEUFLISCHEN NACHBARN. Doch selbst Joe Dantes Film drückte weniger 80er-Style aus als nun SUMMER OF 84.

Dass eine gewisse Anzahl Klischees in die 109 Minuten Film gedrängt werden, ist daher die Konsequenz, aber kein Beinbruch. Man merkt, dass die Liebe zu dieser Zeit, die das Regiegespann François Simard, Anouk Whissell und Yoann-Karl Whissell auf Film bannen, zwar vielleicht überzogen, aber allemal authentisch ist.

Glücklicherweise lässt sich das gleiche über die Figuren sagen. Wir alle kennen die dämlichen Teenies aus zahlreichen Slasherfilmen, denen wir einen raschen Abgang wünschen, aber obwohl in SUMMER OF 84 mehr als einmal platte Pimper-Sprüche auftauchen, wirken diese humorvoll untergebracht und nicht wie Ideenarmut eines unmotivierten Schreiberlings.

Als Zuschauer sollte man sich aber klar machen, dass dies ein mal lustiges, mal spannendes Werk ist, aber Horror relativ klein geschrieben wird. Wer es gerne in mehr Schubladen hat, Coming-Of-Age-Thriller mit komödienhaften Anleihen, trifft es wohl am besten.

Während die erste Stunde meist aus unterhaltsamen Augenblicken wie dem Ausspähen des misstrauisch beäugten Nachbarn besteht, mehrt sich der Schrecken erst in den letzten 30 Minuten.
Weder Jumpscare-Fetischisten noch Gorehounds werden davon satt, aber die einzige Kritik, die man SUMMER OF 84 wirklich entgegenfeuern kann, ist der Mangel an fetten Twists.

Achtung SPOILER:
Dass unser Verdächtiger dann wirklich der Täter ist, ist ebenso klar, wie es in den oben genannten Vorbildern war. Aber der Weg ist bekanntlich das Ziel und der Weg ist hier unterhaltsam.
Trotzdem verdient das Ende noch einmal besondere Beachtung, denn es entlässt uns Beobachter mit einem Hieb in die Magengrube, der sich angenehm von der üblichen Rätselraterei abhebt, ob der Bösewicht, der gerade erschossen, verbrannt, ertränkt und gevierteilt wurde, denn eventuell noch mal wiederkommen könne.
SPOILERENDE

Es ist aber genau jener Ansatz Melancholie, die bei allem Spaß auch in STAND BY ME oder GOONIES durchblitzte, die SUMMER OF 84 zu einer würdigen 80er-Remineszenz macht.
Das Gefühl des Films ist größer als die Story. Wer damit kein Problem hat, einen Synthesizersound und lustige Frisuren zu schätzen weiß, sollte sich SUMMER OF 84 auf jeden Fall ansehen.

 

 

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