Review: THE DEVIL’S CANDY (2015)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 8.5

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8/10 (32)

Darsteller: Ethan Embry, Shiri Appleby, Kiara Glasco,Pruitt Taylor Vince
Regie: Sean Byrne
Drehbuch: Sean Byrne
Land:
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Jahrzehntelang wurde Metal-Fans unterstellt den Teufel anzubeten. Aber was wäre, wenn all die lauten Gitarren nur dafür da sind, die gefährlichen dämonischen Stimmen im Kopf zu übertönen?

Es ist kein Geheimnis mehr: Heavy Metal wird nicht nur gesellschaftsfähig, er schleicht auch wieder vermehrt in Filmen umher und nach dem Funsplatter DEATHGASM ist THE DEVIL’S CANDY schon der zweite Film in einem Jahr, der Metalheads nicht nur als tumbe Idioten, sondern trotz ein paar liebevoller Klischees, als Menschen präsentiert.
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Die Familie, die sich ein älteres Häuschen auf dem texanischen Land kauft, steht jedenfalls auf Metal, vor allem Papa Jesse und Tochter Zooey. Das schützt Jesse, ein mäßig erfolgreicher Maler, aber nicht davor, dass er bald Stimmen hört, die schon den ehemaligen Bewohner des Hauses in den Wahnsinn trieben.
Und der würde gerne wieder einziehen…

Sechs Jahre hat es gedauert bis Regisseur Sean Byrne mit THE DEVIL’S CANDY sein Zweitwerk vorstellt und während ich mich heute noch frage, warum ich sein Debüt THE LOVED ONES so stark fand, obwohl er doch -böswillig ausgedrückt- kaum mehr war als ein weiterer stumpfer Folterfilm, ist auch THE DEVIL’S CANDY bekannter Stoff in neuem Anstrich.
Die Geschichte einer braven Familie, die in ein böses Haus zieht, ist nämlich alles andere als neu und wird seit AMITYVILLE und SHINING mehrfach im Jahr hervorgekramt.
Was Byrne aber anders macht als viele Kollegen, ist seine Figuren ernstzunehmen, dadurch den Schauspielern erlaubt sie mit Leben zu füllen, was am Ende wiederum dem Zuschauer das Gefühl gibt, ernstgenommen zu werden.the-devils-candy

So dürfte die komplett langhaarige, tätowierte und im Auto moshende Familie nicht gerade der Traum aller Nachbarn sein, wenn man sie aber kennenlernt, mag man sie. Zwar bleibt Mutter Astrid eine Nebenfigur und man kann kritisieren, dass abgesehen von Jesse, Zooey und dem meist schweigenden Psychopathen Ray jeder eine unwichtige Randerscheinung ist.
So taucht etwa Jesses Auftraggeber in einer Szene auf, während man sich aber noch fragt, ob hinter seiner unangenehmen Art mehr steckt, ist er auch schon wieder verschwunden. Von Zooey erfahren wir, dass sie ihre neue Schule nicht mag, ihre Mitschüler werden uns aber gar nicht erst vorgestellt.the-devils-candy

Die Beziehung zwischen Vater und Tochter ist dafür glaubwürdig dargestellt und Kernstück der Story. Die beiden teilen nicht nur die Liebe zur Musik, sie sind auch Freunde.
Trotzdem wird Jesse in den Bann des Hauses gezogen und während er sich nach Kräften wehrt, beginnt er sinistre Bilder zu malen, die sich auch auf dem Cover mancher Death Metal – Band gut machen würden. Während er selbst gegen den Wahnsinn ankämpft, steht mit Ray plötzlich jemand vor der Tür, der die Schwelle zum Irrsinn längst überschritten hat und vor allem Zooey nachstellt.

War DEATHGASM vor allem auf Komik und Blut gemünzt, finden sich in THE DEVIL’S CANDY nur vereinzelte Humor-Körner. Dafür bietet der Film intensive Szenen mit vielen Closeups und natürlich standesgemäßg einen harten Soundtrack, z.B. mit Metallica, Slayer und den Soundjongleuren Sunn O))).
Das Thema Metal wird trotz aller Erwartungen weniger thematisiert, als man meinen könnte und fast scheint es so, als habe Macher Sean Byrne diesbezüglich unterwegs etwas den Faden verloren und tatsächlich ist der Film in der zweiten Hälfte trotz aller Spannung, trotz einer einwandfreien schauspielerischen Leistung, trotz aller Professionalität, konventioneller als noch zu Beginn.

Andererseits ergibt sich daraus ein Streifen, der angenehm klischeefrei ist. Erwartet keine albernen Jumpscares, erwartet keine sich bewegenden Möbelstücke und versucht in mehr Ebenen als nur Gut und Böse zu denken! Vor allem lasst euch auf die Figuren ein, mit denen man wirklich mitfiebern kann.

Dass das gelingt liegt an überdurchschnittlichen Leistungen von Ethan Embry (CHEAP THRILLS), Pruitt Taylor Vince (der schon in IDENTITÄT einen ausgezeichneten Psycho gab) und der jungen Kiara Glasco.

Objektiv gesehen hat THE DEVIL’S CANDY ein paar Schwächen und manche Handlungen hätten statt angedeutet auch fortgeführt werden dürfen. Daher gibt es „nur“ 8.5 Punkte und wer Heavy Metal so gar nicht mag, wird nicht mehr als 7 verteilen.
Subjektiv gesehen würde ich aber sogar noch mehr Punkte vergeben, auch gerade wegen eines Endes, das einige Deutungsmöglichkeiten zurücklässt.

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