Review: THE HUMAN CENTIPEDE (2009)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7.5

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6.2/10 (10)

Darsteller: Dieter Laser, Ashley C. Williams, Ashlynn Yennie
Regie: Tom Six
Drehbuch: Tom Six
Land:
Genre: ,

The Human Centipede

Es gibt einige wenige Filme, über die man in den letzten Jahren ausgiebig diskutierte.
Einer ist natürlich A SERBIAN FILM, der aufgrund seines ausufernden Cocktails an Sex und Gewalt auf sich aufmerksam machte. Ein anderer ist THE HUMAN CENTIPEDE, dessen Handlung auf den ersten Blick eigentlich viel zu absurd wirkt…

Denn dort plant ein Chirurg drei Menschen aneinander zu nähen, und zwar Mund an Anus, um so einen „menschlichen Tausendfüßler“ zu erschaffen.

Zwei amerikanische Touristinnen klingeln dummerweise an der Tür dieses deutschen Arztes, nachdem ihr Auto einen Platten hatte. Schnell bemerken die beiden, dass mit dem Mann etwas nicht stimmt, doch da ist die Haustüre bereits verschlossen und die Drogen, die er ihnen verabreicht beginnen zu wirken.

Was in der Folge gezeigt wird, übersteigt eigentlich jede Fantasie. Dr. Heiter, so der paradoxe Name des von Dieter Laser gespielten Chirurgen, will seine Opfer nicht töten, sie nicht vergewaltigen und nicht einmal im herkömmlichen Sinne quälen, sondern ist fasziniert von seinen OP-Künsten, die er scheinbar zuvor an drei Hunden ausprobierte.
Dementsprechend ist die abartige Menschenkette das unangefochtene Kernstück des Films. Die Fluchtversuche vor und nach der Operation sind beinahe vernachlässigbar. Wer hier einschaltet will den Tausendfüßler sehen, mit allen sich daraus ergebenden Problemen und Ekeleinlagen.
Zwar ist es interessant, dass im Laufe des Films der Tausendfüßler tatsächlich zu einer Einheit verwächst und es trotz einer denkbar ungünstigen Ausgangslage schafft Dr. Heiter auf Augenhöhe zu begegnen und hier und da flammt womöglich etwas Mitgefühl auf, ansonsten sind wir aber einfach neugierige Zeugen dieses Experiments, die sich auf die nächsten Entwicklungen und Untersuchungsergebnisse freuen.

Dabei sollte man aber nicht die Leistung von Dieter Laser übersehen. Dieser geht nach Max Schreck und Klaus Kinski (beide als Nosferatu) als einer der besten deutschen Horrorfilmbösewichte durch. Zwischen mürrischem Akademiker, narzisstischem Visionär und aufbrausendem Psychopathen wirkt sein Auftritt doch stimmig und einzigartig.

Als Vorlage des Dr. Josef Heiter dürfte eine reale Figur der deutschen Geschichte gedient haben und es ist kaum machbar über THE HUMAN CENTIPEDE zu sprechen ohne die Verbrechen des KZ-Arztes Josef Mengele zu erwähnen, der in Ausschwitz tausende Menschen bei Versuchen tötete und dabei unter anderem auf ähnliche Mittel zurückgriff wie hier im Film.
Wie man es findet, dass diese Gräueltaten in einem Unterhaltungsfilm untergebracht werden, mag jeder für sich entscheiden. Allerdings ist THE HUMAN CENTIPEDE tatsächlich nur ein Unterhaltungsfilm, der weder historische Korrektheit beansprucht, noch (reale) Opfer verhöhnt und trotz eindeutiger Referenzen Abstand zur Realität hält. Hier sollen natürlich die Grenzen des guten Geschmacks ausgelotet werden, allerdings in einer völlig überzogenen Art und Weise.

Fazit: Der Film lebt von der ungewöhnlichen Idee des menschlichen Tausendfüßlers. Sobald man diese Attraktion zu genüge bewundert hat, stellt man aber fest, dass der Rest der Geschichte weniger interessant und sich zumindest die Frage stellt, ob eine (bereits angekündigte) Fortsetzung notwendig ist.

 

 

 

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