Review: THE ISLE (2000)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 1.0

Please rate this

5.3/10 (18)

Darsteller: Jung Suh, Yoosuk Kim, Sung-hee Park
Regie: Ki-duk Kim
Drehbuch: Ki-duk Kim
Land:
Genre: ,

NEE, SO NICHT…!
Ich schau mir ja vieles an, gerne auch kontroverse Kost, wenn aber jemand gegen seinen Willen Gewalt zugefügt wird, hört der Spaß auf und das gilt für Tiere ebenso wie Menschen.
LA ISLA ist voller Gewalt an Tieren: da werden Fische sinnlos verstümmelt oder mit Elektroschocks gequält, ein panischer Vogel samt Käfig ins Wasser geworfen oder ein Hund geschlagen…dass das alles im Namen der Kunst geschieht, macht die Sache nicht besser, im Gegenteil.

Denn LA ISLA hätte diesen Quatsch gar nicht nötig und ist davon abgesehen ein sehenswertes Drama, das entfernt an Lars von Triers ANTICHRIST erinnert. Auch hier geht es um die Spannungen zwischen Mann und Frau, die Macht der Natur und schmerzhafte Genitalverstümmelung.

the isle kim di-

An einem abgelegenen See kümmert sich Hee-Jin um die Touristen. Die leben dort in winzigen Hütten auf Flossen auf dem Wasser, verbringen die Tage mit Angeln und die Nächte mit Trinken und Prostituierten. Hee-Jin versorgt die Urlauber per Boot mit allem und steht den Männern auch selbst für bezahlten Sex zur Verfügung. Doch dann taucht ein Fremder auf der Flucht vor der Polizei auf und die Dinge geraten außer Kontrolle.

Hee-Jin spricht während des ganzen Films kein Wort und entsprechend undurchsichtig ist ihr Charakter. Alles was sie tut, tut sie mit Routine, aber ohne Hingabe, gerade so als bliebe ihr keine andere Wahl. Rache übt sie an unfreundlichen Gästen/Freiern im kleinen Stil, aber wir können schon früh erahnen, dass die Frau auch zu schlimmeren imstande ist.
Was der Fremde getan hat, zu dem sich Hee-Jin auf seltsame Weise hingezogen fühlt, lässt sich ebenfalls nur anhand einer kleinen Rückblende folgern und bleibt ansonsten im Dunkel.

the ilse seom

Generell ist LA ISLA ein leiser Film, der lieber Bilder als Menschen sprechen lässt und durch wunderbare Naturaufnahmen überzeugt, die gleichzeitig stimmiges Kontrastprogramm zu Gewaltszenen bilden. Was genau uns Regisseur Ki-duk Kim (MÖBIUS – DIE LUST, DAS MESSER) sagen will, wird nie ganz klar, aber dass eine gewisse Analogie zwischen den Protagonisten und einem Fisch im Teich herrscht, lässt sich nicht verleugnen, nicht nur weil Angelhaken in verschiedenen menschlichen Körperöffnungen landen.
Eine starke sexuelle Note findet sich in LA ISLA ebenfalls, Erotik sieht allerdings anders aus.

Ein einfacher Film ist LA ISLA also so oder so nicht, hätte aufgrund seiner schauspielerischen Leistung, der Kameraarbeit und des intensiven Gesamteindrucks von mir aber doch eine überdurchschnitliche Bewertung erhalten.
Durch die Tiergewalt katapultiert sich der Streifen aber ins Aus und hinterlässt trotz internationaler Festivalerfolge die faulige Frage, wer so etwas schauen soll/will und warum die sonst so kleinliche FSK manchen Zombiefilmen die Abnahme verweigert, aber reale Gewalt ab 16 durchwinkt.
Daumen nach unten, Mittelfinger nach oben!

Facebook Comments