Review: THE KILLING OF A SACRED DEER (2017)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7.5

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7.9/10 (16)

Darsteller: Nicole Kidman, Colin Farrell, Barry Keoghan
Regie: Yorgos Lanthimos
Regie: Yorgos Lanthimos
Drehbuch: Yorgos Lanthimos, Efthymis Filippou
Drehbuch: Yorgos Lanthimos, Efthymis Filippou
Länge: 116 min
Veröffentlichung: 04. Mai 2018 (Heimkino)
Genre: Drama
Land: USA,
FSK: ab 16

Beginnen wir mit dem Fazit: THE KILLING OF A SACRED DEER ist nicht für jedermann.
Es ist schon mal kein Horrorfilm, sondern ein höchstmysteriöses Drama und der Titel spielt auf die griechische Mythologie an, genauer gesagt das Töten einer heiligen Hirschkuh der Artemis, die dafür vom Jäger das Leben dessen Tochter forderte.

Wem das schon zu viel ist, besser wird’s nicht. Obwohl man sicher dagegenhalten kann, dass es sinnig ist, dass ausgerechnet die griechischen Autoren Yorgos Lanthimos (auch Regie) und Efthymis Filippou, die schon mit LOBSTER und DOGTOOTH Oscarnominierungen einheimsen konnten, den traditionsreichen Stoff ihres Landes in die Moderne übertragen.

Story:
Der Chirurg Stephen Murphy führt ein gutes Leben. Im Beruf ist er erfolgreich, seine Frau ist Augenärztin, die beiden Kinder sind gut geraten.
Stephen pflegt Kontakt zu dem Teenager Martin, dessen Vater vor Jahren während einer OP starb, die der Arzt durchführte. Die gut gemeinte Beziehung wendet sich ins Negative, nachdem Stephen einen Annäherungsversuch von Martins Mutter zurückweist.
Kurz darauf werden seine Kinder krank und sein Leben fällt auseinander.

Es wäre einfach gewesen die übliche Stalker-Geschichte nochmal aufzuwärmen, aber mit ausgetretenen Pfaden hat es THE KILLING OF A SACRED DEER nicht. Die hier erzählte Geschichte mag traditionell inspiriert sein, die Erzählweise ist es nicht.
Sicher, es geht um Schuld und Rache, aber viel mehr wird hier ein übernatürliches Phänomen, das man Fluch nennen könnte, das aber nie recht erklärt wird, in eine rationale Welt eingepflanzt.

Damit nicht genug, der Film folgt keinem bewährten Spannungsbogen, bei dem irgendwann die Emotionen hochkochen.
Emotionen sind hier sogar die Ausnahme. Stephen und seine Frau Anna wirken so entrückt und hölzern, dass man zunächst denken könnte, man habe es mit schlechten Schauspielern zu tun. Da das Miteinander aber konsequent durchgezogen wird und die beiden zudem von Colin Farrell und Nicole Kidman gespielt werden, ist dies Teil des Plans.

In jedem Fall lebt THE KILLING OF A SACRED DEER  von starken Charakteren und deren Bindung zueinander.
Dazu gewährt man uns Einblicke in das tiefste Privatleben. Wir erfahren nicht nur von einer ungewöhnlichen sexuellen Vorliebe Stephens, sondern dürfen auch bei banalen Momenten (wie dem Gebrauch von Zahnseide), die man sonst gerne für sich behält,  über die Schultern schauen.
In anderen Sequenzen nehmen wir mit, wie sich Chirurgen und Anästhesisten ihre beruflichen Misserfolge schönreden.

Allerdings dürfen manche Szenen und Dialoge hinterfragt werden. Trägt die Obsession mit Achselbehaarung, die Stephens Sohn und Martin teilen irgendetwas zur Geschichte bei? Muss man von der ersten Periode seiner Tochter wissen, um dem Film zu folgen? Oder steckt dahinter ein tieferer Symbolismus?
Fakt ist, dass sich der Film bei allem etwas denkt, was sich auch an einer kreativen, mobilen Kameraarbeit und einem wohlplatzierten Score zwischen klassischen Klängen und verstörenden Lauten ablesen lässt.

All das sorgt dafür, dass das Werk auf eine unwohlige Weise packt und das bis zum Ende, in dem die Eltern gezwungen werden eine schreckliche Entscheidung zu treffen.

Vielleicht will man THE KILLING OF A SACRED DEER nicht wieder und wieder sehen, zumindest empfiehlt es sich aber ihn ein zweites Mal zu schauen, um den einen oder anderen Hinweis nachträglich zu entdecken.

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