Review: THE NIGHT EATS THE WORLD (2018)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 8.0

Please rate this

9/10 (1)

Darsteller: Anders Danielsen Lie, Golshifteh Farahani, Denis Lavant
Regie: Dominique Rocher
Drehbuch: Jérémie Guez, Guillaume Lemans, Dominique Rocher
Länge: 90 min
Veröffentlichung: 06. Juni 2018 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: EuroVideo
Genre: Drama Survival Zombie
Land: Frankreich,
FSK: ab 16

Zombies werden wohl nie aussterben, trotzdem lässt sich in den letzten 1-2 Jahren eine gewisse Müdigkeit erkennen.
George A. Romero ist tot, THE WALKING DEAD kämpft mit Quoten und Kreativität und es scheint als hätten sich die ersten Untoten in die Gräber zurückgezogen.
Was bleibt sind Filme abseits der Norm, die das bewährte Thema aus einem anderen Blickwinkel angehen, so wie zuletzt auch THE CURED.

In THE NIGHT EATS THE WORLD wacht Sam nach einer zünftigen Party in einer fremden Wohnung auf und muss feststellen, dass nichts mehr ist wie es war. Fast alle anderen Menschen haben sich in blutrünstige Zombies verwandelt.
Nur mit größter Not gelingt es ihm, genügend Raum und geschlossene Türen zwischen sich und die Außenwelt zu bekommen und andere Überlebende sind nicht in Sicht.
Doch nach und nach, gelingt es dem jungen Mann eine Art Normalität innerhalb des Mehrfamilienhauses herzustellen.

Einerseits folgt der Film den klassischen Strukturen Ausbruch – Verschanzen – Aufräumen – Alles geht den Bach runter. Andererseits hebt sich THE NIGHTS EATS THE WORLD schon deswegen von ähnlichen Vertretern ab, weil Sam die meiste Zeit alleine ist.
Dialoge bleiben also eher die Ausnahme und permanente Action ist auch nicht geboten. Dafür hat der junge Franzose Dominique Rocher, der hier den Roman von Pit Agarmen verfilmt, eine trostlose, einsame Atmosphäre erzeugt, die allerdings immer wieder durch kurze Einschübe pechschwarzen Humors aufgelockert, der aus dem Nichts zu kommen scheint.

Ein Film, der sich mit THE NIGHTS EATS THE WORLD vergleichen lässt, ist der deutsche RAMMBOCK, bei dem ebenfalls ein Zombieausbruch die Protagonisten inmitten einer europäischen Großstadt festsetzte, man sich Zutritt zu Nachbarwohnungen verschaffen musste und von Balkonen und Fenstern das Chaos auf den Straßen deutlich wurde.
Allerdings spielte sich RAMMBOCK in wenigen Tagen ab und die Hauptfigur erhielt mehr menschliche Unterstützung als Sam, der eine lange Zeit in dem Haus verbringen muss.

Hauptfigur Sam verkörpert eine Art Robinson Crusoe, der mit einfachsten Mitteln das Überleben sichert (z.B. Regen auf dem Dach sammeln), sich aber auch nach Gesellschaft sehnt. Er spricht mit dem Zombie, den er im Fahrstuhl einsperren konnte und riskiert sein Leben um eine streunende Katze ins Haus zu locken.
Ansonsten versucht er sich mit (eigentlich) ganz normalen Beschäftigungen wie Schlagzeugspielen abzulenken.

Die Zombies sind von der halbschnellen Sorte, fallen ansonsten aber vor allem dadurch auf, dass sie keine „Stimmen“ haben, also weder ein Stöhnen noch Quietschen ausstoßen, was sie – zusammen mit gelungenem Makeup – um so bedrohlicher erscheinen lässt.

Fazit: Kein Film für Action-Liebhaber aber ein gelungener Mix aus Survival, Zombiehorror und Drama, das insbesondere für einen Spielfilmdebütanten erstaunlich stimmig und reif wirkt.

 

Facebook Comments