Review: THE POSSESSION OF HANNAH GRACE (2018)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 5.0

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5.5/10 (2)

Darsteller: Shay Mitchell, Grey Damon, Kirby Johnson
Regie: Diederik Van Rooijen
Drehbuch: Brian Sieve
Länge: 86 min
Land:
Genre:
Veröffentlichung: 31. Januar 2019 (Kino); 13. Juni 2019 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Sony
FSK: ab 16

Exorzistenfilme haben es bekanntlich schwer durch Neuartigkeit zu glänzen. Trotzdem konnten Werke wie THE SONG OF SOLOMON oder INCARNATE auf ganz unterschiedliche Weise ein paar frische Akzente setzen und auch THE POSSESSION OF HANNAH GRACE müht sich um Andersartigkeit…schon dadurch, dass die Geschichte eigentlich nach dem Exorzismus beginnt.

OK, so ganz stimmt das nicht, denn die ersten Minuten zeigen tatsächlich eine 0815-Teufelsaustreibung, wie wir sie oft gesehen haben.
Danach wird uns aber Ex-Polizistin Megan vorgestellt, die nach einem traumatischen Erlebnis den Dienst quittierte und nun ihre Arbeit in einem Leichenschauhaus antritt.
Dass dort in ihrer Nachtschicht eine Leiche eingeliefert wird, ist zunächst natürlich nicht ungewöhnlich. Auch nicht, wie entstellt die Tote ist. Aber als sich eigenartige, nicht erklärbare Dinge in dieser Nacht ereignen und ein bedrohlicher Mann eindringt, der darauf pocht, die tote Frau zu verbrennen, ahnt Megan, dass diese Leiche noch keinen Frieden gefunden hat.

Da es bereits vielerorts zu lesen war, ist eine Spoilerwarnung wohl nicht nötig, aber die Erklärung besteht darin, dass die Tote die Frau aus dem Exorzismus ist und während diesem starb, sodass der Dämon noch immer in ihrem Körper haust.

Hübsche Idee, die aber natürlich trotzdem an ein paar bestehende Filme erinnert.
Da wäre zum einen NIGHTWATCH – NACHTWACHE zu nennen, in dem die langen kargen Flure einer Pathologie für entsprechenden Schrecken sorgten, der sich aber Übernatürliches sparte.
Mehr Parallelen zeigen sich gegenüber THE AUTOPSY OF JANE DOE.

Beide Filme sind die US-Debüts europäischer Regisseure, beide beschäftigen sich mit einer Leiche, die unangenehm viel Leben aufweist und spielen in einer einzelnen Nacht in der Pathologie.
Allerdings lud JANE DOE zum Miträsteln und einem Grusel ein, der leise beginnt und sich allmählich steigert, wohingegen HANNAH GRACE weniger subtil vorgeht.

So altbacken wie die vorweggestellte Teufelsaustreibung wirken auch die späteren Effekte.
Beispiel: Ein Kollege versucht Megan (und somit die Zuschauer) zu erschrecken und taucht plötzlich an einer Stelle auf, an die er sich nie und nimmer hätte schleichen können, ohne von ihr gesehen werden zu müssen.
Nur ein Detail, aber diese Szene ist symptomatisch für einen Film, dem es nicht darum geht, echten und dauerhaften Schrecken zu erzeugen, sondern sich durch Standard-Moves kämpft, die zwar ansprechend fotografiert sind, letztlich aber so steril wirken, wie der Beton-Keller, in dem der Großteil des Films spielt.

Da hilft auch nicht der Subplot um Megan und ihren Ex-Freund (wen es interessiert: ein hübsches Pärchen), dass jener wissende Eindringling gleich mehrfach auftaucht oder das Ende reichlich überhastet daherkommt.
Auch JANE DOE bediente sich einiger Jumpscares, wirkte aber weit reifer. HANNAH GRACE scheint viel mehr auf ein junges unerfahrenes Publikum ausgerichtet, das womöglich DER EXORZIST als „langweilig“ ansieht, sich aber von der Zurschaustellung der gleichen Effekte beeindrucken lässt.
So lässt sich zumindest auch erklären, dass bei JANE DOE die tote Frau tatsächlich nackt gezeigt wurde, man in HANNAH GRACE aber umständlich darum bemüht ist, nur nicht zu viel tote Haut zu zeigen.
Mal ehrlich Leute, Horrorfilme sind für Erwachsene. Keiner stirbt an einem Nippel!

Sieht man THE POSSESSION OF HANNAH GRACE einfach nur als weiteren oberflächlichen Geister-/Exorzistenfilm findet man auch ein paar unheimliche, unterhaltsame Szenen, aber wie das eben mit Fast Food so ist: es macht nicht lange satt und hier wurde die Chance auf einen besseren Film trotz guter Ausgangslage mal wieder leichtfertig vertan.

 
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