Review: THE PURGE: ANARCHY (2014)

purge 2 anarchy
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 6.0

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6.3/10 (37)

Darsteller: Frank Grillo, Carmen Ejogo, Zach Gilford
Regie: James DeMonaco
Drehbuch: James DeMonaco
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Einmal im Jahr ist Halloween, Weihnachten, Ostern und Purge-Nacht. Wer letztere bisher verschlafen hat, das ist jene Veranstaltung in der ihr machen könnt, was ihr wollt. Also so, wie wenn Mutti im Urlaub ist, nur mit Leichen.

Nachdem die erste PURGE-Veranstaltung letztes Jahr die Kassen klingeln ließ, war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis sich Schöpfer James DeMonaco eine Fortsetzung aus den Rippen schneidet.
Dagegen spricht nun überhaupt nichts, denn die Idee der jährlichen Säuberung bietet genügend Platz zum Ausbau und glücklicherweise wird gar nicht versucht das Subgenre Home Invasion, das die Basis für den ersten Film bot, weiter zu belasten, sondern trägt die Gewalt hinaus auf die Straßen von LA.

The Purge: Anarchy

Dort lernen wir schon vor Einbruch der Dunkelheit verschiedene Menschen kennen. Ein junges Paar, das sich gerade trennen will, aber das Pech hat, mit dem Auto kurz vor Einbruch der Nacht auf dem Highway liegen zu bleiben; eine Familie mit begrenzten finanziellen Mitteln , die sich einfach nur Zuhause verschanzen will; ein bewaffneter Mann, mit unbekanntem Ziel.
Das Schicksal führt diese Personen zusammen und gemeinsam versuchen Sie die Nacht zu überstehen.

In Teil 1 war Ethan Hawke der Star des Films, inzwischen ist es die Purge-Nacht selbst, die zur Was-wäre-wenn-Frage anregt. Wem würde ich gerne mal die Zeitung aus dem Briefkasten klauen, wenn es keine Konsequenzen hätte, wen würde ich mit einer automatischen Wumme zersieben?
Wer es gerne anspruchsvoller hat, kann sich ja mal ausrechnen, wieviel Geld für die Waffenindustrie zusammenkäme und welcher volkswirtschaftlicher Schaden entstünde.
Egal wie man es angeht, die Purge-Nacht bietet Stoff für Diskussionen und das gilt auch für die Filme.Purge

THE PURGE: ANARCHY ist kein Art-House-Kino, sondern für die breite Masse ausgelegt. Anders gesagt, hier wird nicht mit einem Skalpell, sondern einem Stemmhammer operiert. Es ist immer was los, das Budget ist überdurchschnittlich (wobei 9 Mio immer noch überschaubar sind), aber natürlich muss man Abstriche in punkto Story und Charakterzeichnung machen.

Die Figuren sind nach den üblichen Schablonen gezeichnet, wo auch jemand mit finsteren Plänen, die er seit Ewigkeiten schmiedet, in letzter Sekunde zum feinen Kerl mutieren kann. Apropos „in letztes Sekunde“, achtet mal darauf, wie oft ein Böser die Waffe auf einen Guten richtet und in letzter Sekunde ausgeschaltet wird. Macht man daraus ein Trinkspiel ist mit Ende des Films ein ordentlicher Kater garantiert. DeMonaco hat dieses Mittel schon im letztjährigen Film bis zur Übelkeit exerziert, nun ist‘s auch mal gut.
Figuren oder Logik sollten in einem Streifen, der mehr noch als sein Vorgänger auf Action setzt, aber nicht überbewertet werden.

In LA oder manch anderer Großstadt mit dem Auto liegenzubleiben kann schon in einer normalen Nacht zu unschönen Erfahrungen führen und die Situation ist daher für uns Zuschauer leicht nachzuvollziehen.
Wenn nach Sonnenuntergang brutale Anarchie auf den Straßen herrscht, glaubt man die Bilder aus jüngsten Nachrichtberichten zu kennen. So weit ist THE PURGE also nicht von der Realität entfernt.

purge anarchy

The Purge: Anarchy

ferguson

Ferguson, Missouri

Achtung, diese Absatz enthält Spoiler:
Hätte man THE PURGE: ANARCHY daher einfach als kurzweiliges Chase-Movie mit sozialkritischen Ansätzen zu Ende gebracht (was die erste Stunde des Films auch ist), hätte es wenig zu meckern gegeben, aber spätestens wenn eine organisierte Menschenjagd stinkreicher Geldsäcke ins Spiel kommt, dabei aber die unbewaffneten Opfer in Windeseile die Oberhand gewinnen, macht der Film einen Fehler. Erstens wird die Idee kein bisschen glaubhaft präsentiert, zweitens ist sie alt und verbraucht.

So wechseln sich recht gute Ideen mit lauwarmen Wiederkäuern ab, weswegen es für THE PURGE: ANARCHY keine eindeutige Empfehlung gibt. Selbst wenn man den Film aber nicht leiden kann, muss man anerkennen, dass in technischer Hinsicht sauber gearbeitet wurde.

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