Review: THE SECT (1991)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 6.0

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6.3/10 (3)

Darsteller: Kelly Curtis, Herbert Lom, Mariangela Giordano
Regie: Michele Soavi
Drehbuch: Dario Argento, Gianni Romoli, Michele Soavi
Länge: 116 min
Land:
Genre:
Veröffentlichung: 08. März 2018 (BD)
Verleih/ Vertrieb: Koch Media
FSK: ab 16

Wenn Dario Argento (OPERA, SUSPIRIA) und Michele Soavi (DELLAMORTE DELLAMORE) am gleichen Film arbeiten, muss auch 27 Jahre nach dessen Entstehung die Frage erlaubt sein, warum das Ergebnis vergleichsweise unbekannt ist.
Wir haben die Antwort gefunden.

Als die junge Lehrerin Miriam auf der Landstraße beinahe einen älteren Herren überfährt, bietet sie dem zerstreuten Oldie ihre Hilfe an und nimmt ihn mit nach Hause, dort schläft er zunächst ein, scheint dann dem Tode nahe, führt aber offensichtlich Dunkles im Schilde.
Während Miriam zusammen mit dem Arzt Frank Stein (ernsthaft?) versucht zu ergründen, was es mit dem Fremden auf sich hat, ereignen sich in ihrem Umfeld immer mehr unheimliche und schreckliche Dinge und sie stellt fest, dass sie selbst im Fokus einer Sekte steht.

Ich könnte hier noch einige Absätze über den Inhalt schreiben, ohne zu  viel zu verraten, was schlicht daran liegt, dass es kaum möglich ist einen roten Faden zu erkennen und man selbst nach ¾ des Films nicht ahnt, wohin der Hase läuft. Alleine zu Beginn erleben wir zunächst eine Szene, die 1970 in einer amerikanischen Hippiekommune spielt, gefolgt von einer in Frankfurt spielenden Sequenz, bei der ein Mann einer Frau das Herz herausschneidet.
Beide haben zur Haupthandlung zunächst wenig Bezug, die sich aber auch alleine recht ziellos gibt.

Das wird nicht einfacher, wenn man sich die längere Fassung ansieht, die von Koch Media nun veröffentlicht wurde, aber leider eine Reihe von (englischsprachigen, deutsch untertitelten) Szenen enthält, die sich als Sackgassen entpuppen.
Aber auch in der „kleinen“ Fassung ist es schwer zu definieren, an welcher Stelle von schwachem Screenwriting zu sprechen ist oder wo das alptraumhafte Fehlen von Logik gewünscht war.

Hier erleben wir Miriams Kaninchen, dass nicht nur immer wieder mal zu sehen ist, sondern auch eine Fernbedienung betätigen kann (eine Anspielung auf ALICE IM WUNDERLAND?) und wir stellen fest, dass die junge Frau zwar schon 8 Monate in ihrem Haus wohnt, aber bisher nie im Keller war.
Hätte sie mal einen Blick hinein geworfen, wäre ihr wohl das riesige Brunnenloch aufgefallen, das übertrieben tief ist und nicht gerade der Ausstattung eines Einfamilienhauses entspricht.

Aber halt, es ist längst nicht so, als wäre alles an THE SECT übel. Die Kameraarbeit ist einwandfrei, die Schauspieler passabel und trotz des unkoordinierten Skripts, schafft es der Film trotzdem das Interesse zu wahren.
Auf der anderen Seite sprechen aber auch die Effekte, die selbst für einen 1991 entstandenen Film, schwach aussehen, nicht für den Streifen. An dieser Stelle, sei der todbringende Lappen erwähnt, der sicher auch als bedeutungsschwangeres Omen gedeutet werden kann, aber nichtsdestotrotz unfreiwillig komisch wirkt.

Betrachtet man die Zeit in der THE SECT entstand, darf man wohl vom Abgesang des Italo-Horrors sprechen. Zwar lieferte Regisseur Soavi einige Jahre später mit DELLAMORTE DELLAMORE noch mal ein echtes Highlight, die glorreichen Tage der 70er und 80er schienen aber trotz eines siebenstelligen Budgets und Drehbuch von Dario Argento vorbei bzw. es waren halbgare Filme wie THE SECT, die zu diesem Niedergang beitrugen.

Wer nicht zwei Stunden warten will, um auch nur ansatzweise zu ahnen, was der Film von uns will, dem sei (Achtung kleine Spoiler) verraten, dass den Zuschauer eine Art ROSEMARYS BABY light erwartet.

Fazit: Licht und Schatten halten sich hier etwa die Waage…auch das passt zum Film.

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