Review: THE STANFORD PRISON EXPERIMENT (2015)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 9.0

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6.7/10 (44)

Darsteller: Ezra Miller, Tye Sheridan, Billy Crudup
Regie: Kyle Patrick Alvarez
Drehbuch: Tim Talbott
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Es gibt wohl kaum eine Geschichte, die im 21. Jahrhundert so oft verfilmt wurde wie diese. In den 70ern wurde an der Universität von Stanford ein Experiment durchgeführt, in dem die teilnehmenden Studenten in zwei Gruppen eingeteilt wurden. Die einen spielten Gefängnisinsassen, die anderen die Wärter. Die Untersuchung war auf 14 Tage angesetzt und wurde schon nach 6 Tagen abgebrochen, als es zu Machtmissbrauch und Erniedrigungen kam.
the stanford prison experiment
Bereits 2001 verfilmte Oliver Hirschbiegel (DER UNTERGANG) den Stoff bzw. das zugehörige Buch von Mario Giordano mit Moritz Bleibtreu (STEREO) in einer der Hauptrollen und erschuf damit einen der besten deutschen Thriller überhaupt.
2010 erschien eine amerikanische Version, die ebenfalls auf dem Buch basierte. Hier spielten Adrian Brody und Forest Whitaker die Hauptrolle, qualitativ blieb man aber hinter der deutschen Adaption zurück.

In jedem Fall war es einigermaßen verwundernd, dass sich nun bereits der dritte Film des Themas annimmt, schaut man aber genauer hin, wird klar, dass THE STANFORD PRISON EXPERIMENT weniger auf eine spannende Handlung als eine möglichst akkurate Aufarbeitung setzt.stanford_prison_experiment

Das wird vielleicht schon klar, wenn man die –nach heutigen Maßstäben – lustigen 70er-Frisuren sieht. Damit endet der Spaß aber, obwohl gerade die Häftlinge anfangs der Meinung sind, dass sie die Aufwandsentschädigung von 15$ pro Tag leicht verdienen können. Doch die Wärter sind nicht nur angewiesen, gewisse Regeln einzufordern, sondern haben sogar ein „Loch“, das in diesem Fall zwar nicht mehr ist als ein umgebauter Wandschrank, aber seinen Zweck der Isolation erfüllt.
Davon wird schon bei kleinsten Regelbrüchen oder auch nur Widerworte Gebrauch gemacht und es dauert nicht lange, bis die Situation zu eskalieren droht.

Wer erwartet, dass es Schwerverletzte oder gar Tote wie in DAS EXPERIMENT / THE EXPERIMENT gibt, wird enttäuscht sein, denn die gab es im echten Experiment auch nicht. Trotzdem sind viele Szenen unangenehm zu schauen und man mag kaum glauben, dass sich Menschen (deren Gruppenzuordnung rein per Münzwurf entschieden wurde) innerhalb von wenigen Stunden in einer Dynamik wiederfinden, die sie voll und ganz in ihrer Gruppenzugehörigkeit aufgehen lässt.stanford prison experiment 3

Als dritte Gruppe stellt uns THE STANFORD PRISON EXPERIMENT dabei die Initiatoren vor, die alles per Videokamera überwachen, aber auch selbst regulierend (und manchmal eskalierend) eingreifen und einerseits von wissenschaftlicher Neugier, andererseits Angst um ihre Probanden und ethischen Grenzen getrieben werden.

Fazit: Die Frage, ob es wirklich einen dritten Film zu dem Thema braucht, muss eindeutig mit Ja beantwortet werden, denn THE STANFORD PRISON EXPERIMENT nähert sich aus anderer Richtung und ist realistischer Schrecken mit vergleichsweise wenig physischer, aber viel emotionaler Gewalt, der auch an reale Verbrechen wie den Mordfall Sylvia Likens oder die Misshandlungen in Abu Ghraib verständlicher macht.

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