Review: TRAIN TO BUSAN (2016)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 9.0

Please rate this

9.2/10 (54)

Darsteller: Gong Yoo, Kim Soo-an, Jeong Yu-mi, Ma Dong-seok, Choi Woo-sik
Regie: Sang-ho Yeon
Drehbuch: Sang-ho Yeon
Land:
Genre: ,

Bereits im Vorfeld seiner Veröffentlichung fand der koreanische TRAIN TO BUSAN in Fankreisen häufig Erwähnung und während der ein oder andere Miesepeter bereits von Hype sprach, wurde für den Film keine ungewöhnlich laute Werbetrommel geschlagen. Es könnte also sein, dass weniger Marketing als Qualität für die Bekanntheit sorgt.

Story: Seok Woo ist nicht gerade ein guter Vater, doch er verspricht seiner Tochter Soo-An, dass sie gemeinsam nach Busan zu seiner Ex-Frau fahren.
Kaum haben sie den Bahnhof verlassen, bricht die Hölle los. Menschen gehen im Zug aufeinander los und verwandeln sich in blutrünstige Bestien. Innerhalb von Stunden wird fast das komplette Land überrannt. Lediglich Busan verspricht Sicherheit.

TRAIN TO BUSAN bietet eigentlich wenig, was man nicht schon mal irgendwo gesehen hätte. Im Zombiegenre ist das auch schwer, aber alles was er macht, macht er verdammt gut.
Schon in einer frühen Szene, in der ein überfahrenes Reh von den Toten aufersteht, ist zu erkennen, dass hier kein Stofftiercharme wie etwa in ANGRIFF DER LEDERHOSENZOMBIES angesagt ist und da wir es mit schnellen infizierten zu tun haben, fehlt auch das Gefühl, die Bedrohung mit einem kurzen Sprint abschütteln zu können.

Im Zug ist das aufgrund der Enge und verschlossener Türen ohnehin schwer, aber auch die Zeit spielt eine Rolle. TRAIN TO BUSAN spielt nicht 28 Tage später, schon gar nicht Jahre nach dem Ausbruch, sondern unmittelbar in den Stunden danach. Die Überlebenden werden überrascht und haben keine Zeit sich zu organisieren. Kurz, es herrscht Chaos und das kommt auch beim Zuschauer an, der sich in verschiedenen Szenen an den Sessel krallt.

Trotzdem gibt es in den fast zwei Stunden Laufzeit ein paar Szenen zum Durchatmen, etwa wenn sich die Menschen im Zug für eine kleine Weile in einem Waggon verschanzen. Hier ist dann auch die Achillesverse des Films, denn weder will man glauben, dass sich jemand über den Beruf Seok Woos aufregt (er ist Banker), noch dass Gummibärchen verteilt werden, während eine dünne Glasscheibe weiter monströse Wesen lauern.

Immerhin, völlig ohne Motiv ist das nicht, denn wir erfahren nebenbei (kleine Spoiler), dass es eine entfernte Verbindung zwischen Seok Woos Job und dem Auslöser der Katastrophe gibt, auch wenn das nur eine Randnotiz darstellt. Auch zu seiner Charakterisierung trägt es bei und tatsächlich ist zu erkennen, dass der Vater zunächst zu Egoismus und Opportunismus neigt, dann aber eine kleine Wandlung zur Teamfähigkeit durchläuft.

Das Thema Egoismus zieht sich ohnehin wie der bekannte rote Faden lose durch den Film, es wird aber niemanden verwundern, dass sich als Ergebnis herauskristallisiert, dass man als Gruppe (gerade in einer solchen Situation) stärker ist, als der einzelne.

Aber genug der Nebenkriegsschauplätze, denn TRAIN TO BUSAN ist weder mit politischen Untertönen a la George A Romero, noch mit hohem Dramaanteil der Sorte THE WALKING DEAD ausgestattet, sondern zeigt reichlich Zähne.
Interessanterweise sind die Bahnreisenden bald alle blutverschmiert, der Film setzt aber weder auf übertriebenen Splatter oder geborstene Knochen, noch Ausweidungsszenen. Lediglich für ein paar kleinere Bisswunden mussten die Maskenbildner ausrücken. Ebenfalls Mangelware: Schusswaffen. Erst in den letzten Filmminuten sehen wir ein Gewehr. Bis dahin müssen sich Überlebende mit den wenigen Gegenständen verteidigen, die sich in einem Zug eben finden lassen. Es hilft allerdings, dass ein Baseballteam an Board ist.

Das beeindruckende an den Zombies ist zum einen die Geschwindigkeit, zum anderen die große Zahl und es kommt immer wieder zu Szenen, in denen eine ganze Horde rein durch ihre Anzahl punktet und beispielsweise durch eine Tür bricht.
Zwar gibt es in TRAIN TO BUSAN keine Schwarmintelligenz, trotzdem erinnert vieles an WORLD WAR Z, auch weil hier großkalibrige Effekte eingesetzt werden. Letztlich kann man dem Koreaner aber einen klaren Punktsieg attestieren. Während WORLD WAR Z fast schon peinlich bemüht war, die Gewalt auf ein Minimum zu beschränken und dadurch nach Selbstzensur roch, wirkt es in TRAIN TO BUSAN eher wie Understatement.

Fazit: Für Zombiefans ist der Film in jedem Fall ein Muss, denn dies ist der beste Ableger des Subgenres in den letzten Jahren.

Facebook Comments