Review: UNDERDOG (2014)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7.5

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5/10 (8)

Darsteller: Zsófia Psotta, Sándor Zsótér, Lili Horváth
Regie: Kornél Mundruczó
Drehbuch: Kornél Mundruczó
Land:
Genre:

Wenn man einen Film zum ersten Mal sieht, dann meist mit einer gewissen Erwartungshaltung, weil man etwa einen Trailer oder auch nur ein Bild davon gesehen hat und bereits glaubt etwas über ihn zu wissen.
UNDERDOG wurde im Vorfeld hier und da als eine Art DIE VÖGEL, aber mit Hunden, also Tierhorror, angepriesen. Während sich erkennen lässt, woher der Vergleich kommt, liegen doch Welten zwischen Hitchcocks Klassiker und diesem ungarischen Genresprenger. Vor allem braucht es aber Geduld, bis sich überhaupt Horror erkennen lässt.

underdog 2015

UNDERDOG beginnt wie ein Familienfilm, der auch im Nachmittagsprogramm laufen könnte: die Mutter der 13jährigen Lily reist für einige Monate ins Ausland, also muss die Teenagerin samt Hund Hagen bei ihrem Vater wohnen zu dem sie ein angespanntes Verhältnis hat, das sich nicht gerade bessert, als der Hagen einfach aussetzt. Natürlich sucht Lily den Hund und wird dabei erwachsen.
Soweit so harmlos, erst ganz allmählich mischen sich dunklere Töne in den Film und das immer dann, wenn die Odyssee aus Hagens Sicht aufgegriffen wird, der durch die Straßen der Stadt irrt, Hundefängern entkommt, dennoch gefangen wird und auf brutale Weise zu einem Kampfhund werden soll.

Spätestens hier wird aus dem Familienidyll ein ernster Film, der schon ganz zu Beginn einen Hinweis einblendet, dass in Ungarn 200.000 Straßenhunde leben, von denen 250 in UNDERDOG mitspielen, aber keiner zu Schaden kam.
Schlimm genug, dass es diesen Hinweis überhaupt braucht, hier aber notwendig, denn dies ist kein Disney-Film bei dem der vierbeinige Held allerlei lustige Abenteuer erlebt, sondern eine Ansammlung vom Missständen wie mit dem „besten Freund des Menschen“ in der echten Welt umgegangen wird. Ob aktuell der Massenmord in Rumänien oder bestialische Hundekämpfe.

feher isten underdog

Was UNDERDOG von vielen anderen Tierhorrorfilmen unterscheidet, ist daher die ausgiebige Erklärung wie es dazu kommt , dass sich die unterdrückten Kreaturen irgendwann gegen die Missbraucher auflehnen. Bis es soweit ist, sind wir tief in der zweiten Filmhälfte und auch dann wird trotz blutiger Beißattacken eines gewaltigen Hunderudels kein gewöhnlicher Film aus UNDERDOG.

underdog white god

Man kann UNDERDOG auch als Parabel auf alle Unterdrückten verstehen, die irgendwann aufbegehren. Naturgemäß werden aber vor allem Tierfreunde mitfiebern. Die Arbeit mit den vielen Hunden (alle waren ehemalige Straßenhunde, die inzwischen neue Zuhause gefunden haben) dürfte auch die schwierigste Aufgabe am Set gewesen sein, wurde aber gut umgesetzt.
Dafür wurden andere Bereiche etwas lieblos gehandhabt: die Kamera wackelt in Momenten, wo dies nicht gefragt ist und obwohl der Film über zwei Stunden läuft, hat man das Gefühl als wären verschiedene Szenen mit kleineren Erklärungen einfach verschwunden.
Es ist beispielsweise merkwürdig, dass sich Lily gerade dann wieder mit ihrem Vater versteht, als der sie alkoholisiert bei der Polizei aufsammeln muss.

Gelungen ist UNDERDOG in seiner Gesamtheit aber doch, zumindest werden das diejenigen so sehen, die auf Filme mit Message stehen. In jedem Fall ist dies ein genreübergreifendes Werk, das zwischen Coming-of-Age-Drama, Großstadt-Tiermärchen und Horror wandelt und wohl nicht ganz zufällig auch von Arte produziert wurde.

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