Review: VERÓNICA (2017)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 6.5

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7/10 (2)

Darsteller: Sandra Escacena, Bruna González, Claudia Placer
Regie: Paco Plaza
Drehbuch: Fernando Navarro, Paco Plaza
Land:
Genre:
FSK: ab 16

 

Man mag es Hype nennen, windiges Marketing oder Verarsche, aber unbestritten ist, dass VERÓNICA in den letzten Tagen eine enorme Aufmerksamkeit zukam.
Wir haben unsere Meinung dazu geschrieben, heute schreiben wir über den Film, denn der kam bei all den Behauptungen eindeutig zu kurz.

Es ist das Jahr 1991 und in Madrid findet eine Sonnenfinsternis statt.
Während die gesamte Schule das Spektakel vom Dach aus bewundert, nutzen Teenager Verónica und zwei Freundinnen die Chance, um im Keller mit einem Ouija-Brett Kontakt zu ihrem verstorbenen Vater aufzunehmen. Die Ergebnisse sind nicht das, was sich die Mädchen erhoffen, aber nichtsdestotrotz gewaltig.
Doch der Schrecken beginnt erst so richtig, als Verónica von Alpträumen geplagt wird und sich eine dunkle Bedrohung auch ihren Geschwistern nähert.

VERÓNICA erfindet das Rad nicht neu und die Botschaft die Finger von Ouija-Brettern zu lassen, ist so bekannt, dass es sogar eine eigene Website für Ouijaboardfilme gibt, die stattliche 69 Filme listet.
Es kann also nur die Form der Präsentation sein, mit der das Werk punkten will und das tut er dann auch.

Wie in vielen spanischen Filmen, legen die Autoren Paco Plaza und Fernando Navarro auch hier Wert auf eine gewisse Nachvollziehbarkeit. So ist Verónica keine hübsche Cheerleaderin mit crazy friends, sondern eine 15jährige mit Zahnspange, deren alleinerziehende Mutter zu wenig Zeit hat und die daher oft auf die drei kleinen Geschwister aufpassen muss. Kurz: sie ist authentisch, kein plattes Filmprodukt .
Wer selbst erst 15 ist, wird womöglich den Hauch von großer weiter Welt vermissen, statt ans eigene Kinderzimmer erinnert werden zu wollen, der Charakterzeichnung schadet es aber nicht.

Betrachtet man den Horroranteil, ist auch hier eine gewisse Ruhe zu bemerken. Statt purem Jumpscare-Kino versucht Plaza eine von Grund auf unheilvolle Atmosphäre zu etablieren.
Versucht, denn einerseits macht er dabei vieles richtig, verrennt sich hier und da aber auch in allzu offensichtliche Klischees. Eine blinde Nonne ist dabei nicht nur die typische wissende Alte, die man aus etlichen Streifen kennt, sie erinnert optisch auch überdeutlich an den schwachen DEVIL INSIDE.

Schaut man etwas genauer hin, finden sich in VERÓNICA zahlreiche Details. Beispielhaft sei hier nur die Szene genannt, die eine große Anzahl von Schülern und Lehrern auf dem Schuldach einfängt. Hier rennen Kinder lebhaft umher, die Kamera sieht sich weiter um, dort ermahnt eine Lehrerin ein Kind, dass eine 3D-Brille kein Schutz vor der Sonne darstellt, wieder bewegt sich die Kamera und fängt Leben und Gespräche ein.
Das Besondere: diese längere Sequenz wird ohne sichtbaren Schnitt gezeigt und dürfte dementsprechend schwierig zu choreographieren gewesen sein.
Im Rahmen der Sonnenfinsternis sehen wir auch ganz nebenbei, dass eine von Verónicas Schwestern als Schutz vor den Strahlen ein Fotonegativ vor die Augen hält. Es ist das gleiche Motiv, das zeitgleich die ältere Schwester für ihre Geisterbeschwörung nutzt.

Natürlich sind diese Feinheiten leicht zu übersehen und den gemeinen Konsumenten, der nach 20 Minuten abstellt, wenn ein Film nicht sofort zündet, werden sie kaum interessieren, aber auch diese Qualitäten sind vorhanden.

Zu Paco Plaza muss allerdings auch gesagt werden, dass er sich zwar an der Seite von Jaume Balaguero mit den REC-Filmen einen Namen machen konnte, er aber trotzdem in gewisser Weise im Schatten des talentierteren Kollegen stand. [REC]³, den Plaza alleine drehte, hatte seine Qualitäten, wirkte durch humorvolle Einlagen aber innerhalb der Reihe etwas deplatziert.
Ähnlich verhält es sich mit VERÓNICA, wo einige der Gruselszenen bemühter sind, als es nötig wäre und die Formen des Grusels nicht immer zueinander passen wollen.

Wie so viele Filme, gibt auch dieser vor auf Tatsachen zu beruhen. Der reale Fall von Estefania Gutierrez Lazaro diente hierbei als Vorlage. Man sieht schon an den unterschiedlichen Namen, dass es die Verfilmung mit Fakten nicht zu genau nimmt. So gab es auch – anders als im Film – keine Sonnenfinsternis oder einen Freitag, den 13 im betreffenden Zeitraum, immerhin aber einen rätselhaften Todesfall, der sich Monate (nicht wie im Film Tage) nach einem Ouija Experiment ereignete.

Fazit:
Weder als Film noch durch seine Horroranteile ist VERÓNICA bahnbrechend, innovativ oder überragend und ganz sicher nicht „der gruseligste Film aller Zeiten“. Er ist aber anständig inszeniert und längst weniger seelenlos als viele seiner Verwandten.

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