Versus: THE CRAZIES (1973 vs. 2010)

the crazies vs the crazies

Dass George A. Romeros CRAZIES aus dem Jahr 1973 noch einmal neu aufgelegt wurde, ist doch eher überraschend, denn anders als anderen Remakes wie z.B. NIGHTMARE ON ELM STREET, TEXAS CHAINSAW MASSACRE oder dem ebenfalls von Romero stammenden DAWN OF THE DEAD, war der Film seinerzeit weder kommerziell erfolgreich, noch kann man ihm einen Kultstatus attestieren. Andererseits muss man sagen, dass der Streifen durchaus ein gewisses Potential hat, das damals aus verschiedenen Gründen nicht ausgeschöpft werden konnte und so ergibt diese Neuverfilmung durchaus Sinn. Hinzu kommt, dass man bei allen Parallelen nicht darauf aus war, Szene für Szene nachzubauen, sondern in Tempo und Erzählweise eigene Wege einschlägt. Dabei lässt es der neuere Film überaschenderweise zunächst ruhiger angehen, während in seinem Vorbild schon nach wenigen Minuten Chaos herrscht.

 

Beide Filme spielen in einer ländlichen Kleinstadt. Durch ein mit Giftstoffen beladenes Flugzeug, das in Stadtnähe abstürzt, wird das Trinkwasser verseucht und Menschen werden aggressiv und verrückt. Das herbei beorderte Militär soll für Ordnung sorgen, wird aber der Lage nicht Herr, sondern verschlimmert alles nur noch…

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THE CRAZIES – Remake

Der Original-Film beginnt damit, dass einer der Stadtbewohner Amok läuft, die Eltern zweier Kinder tötet und deren Haus niederbrennt. Kurz darauf treffen Soldaten in der Stadt ein, die alles abriegeln und die Menschen zusammentreiben. Einige Personen, darunter die Hauptpersonen des Films, Feuerwehrleute Clank und David, sowie dessen schwangere Freundin Judy, versuchen dem Militär zu entkommen, das mit der Situation sichtlich überfordert scheint und letztlich auf alle schießen, die Fluchtversuche unternehmen. Parallel zu diesem Handlungsstrang lernen wir die Befehlshaber der Soldaten kennen, die sich bemühen vom Büro aus alles unter Kontrolle zu bringen und erfahren, dass man für den Fall der Fälle einen Atombomber über der Stadt kreisen lässt. Gleichzeitig arbeiten aber auch einige Wissenschaftler an einem Gegenmittel.
Flüchtlinge, Soldaten, aufgebrachte Stadtbewohner, infizierte Menschen, Wissenschaftler…und in gewisser Weise kämpft jeder gegen jeden. Der Zuschauer bekommt das Chaos aus verschiedenen Sichtweisen präsentiert und stellt dabei mitunter fest, dass sich Parteien, die das gleiche Ziel haben sollten manchmal im Weg stehen. So wird einer der Wissenschaftler, just in dem Moment, da er eine Lösung gefunden zu haben glaubt, von den Soldaten für einen Stadtbewohner gehalten und in einer Massenpanik tödlich verletzt, bevor seine Entdeckung jemanden nutzen kann.

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THE CRAZIES – Original

 

Das Remake setzt einige Tage vor dem Eintreffen des Militärs an und zeigt uns eine harmlose Stadt, in der die Welt in Ordnung scheint, bis einer der Bewohner mit einem Gewehr bei einem Baseballspiel auftaucht und vom Sheriff in Notwehr erschossen wird. Der Sheriff heißt David, sein Deputy Clank und seine schwangere Frau Judy und somit ist auch schnell klar, wer diesmal -trotz abweichender Berufe- tragende Rollen spielen wird. Danach häufen sich ungewöhnliche Vorfälle, das abgestürzte Flugzeug wird gefunden und schließlich taucht wie im Original das Militär in der Stadt auf, das versucht gesunde von infizierten Menschen zu trennen.
Dabei wird Judy aufgrund ihrer Schwangerschaft für krank gehalten und von ihrem Mann getrennt. David und Clank gelingt es sie zu befreien und zusammen mit einigen anderen wollen sie die Stadt zu verlassen, aber Militär, Infizierte und die Angst selbst infiziert zu sein, stehen ihnen im Weg.

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THE CRAZIES – Remake

Während uns Romeros Film verschiedene Blickwinkel liefert und durch diese Distanz hin und wieder sogar kurz wie eine Dokumentation wirkt, bleibt das Remake die ganze Zeit über bei David und Judy. Das hat Vor- und Nachteile: Einerseits wird die Handlung dadurch straffer und der Zuschauer kann seine Sympathien klar auf unsere drei Helden verteilen, andererseits macht es genau den Reiz der 1973er-Version aus, dass es keine absolute Wahrheit gibt und man letztlich allen Sichtweisen eine Logik abgewinnen kann.

Romeros Film war ein Low Budget Werk, das für gerade einmal  275.000 $ entstand, was dem Film –zumindest nach heutigem Maßstab – anzumerken ist. Weder schauspielerisch noch technisch kann der Streifen glänzen und lebt somit alleine von einer guten Idee. Übrigens sollten die „Crazies“, wie die Infizierten genannt werden nicht mit den Romero-bekannten Zombies verwechselt werden. Zwar wurde der Film erst 1979 in Deutschland veröffentlicht, also unmittelbar nachdem Romero mit DAWN OF THE DAED einen Erfolg verzeichnen konnte und Menschen, die eine Verwandlung durchleben und daraufhin anderen Menschen an den Kragen wollen erinnern allemal an Zombies, aber die Crazies sind keine Untoten, sondern, wie der Name sagt, einfach verrückt.
Für die Neuverfilmung, bei der Romero als Produzent aktiv war, standen 20 Mio $ zur Verfügung, was ausreichte um einen spannenden, wenn auch oberflächlicheren Film herzustellen. Die Rettung-in-letzter-Sekunde-Szenen kennt man und was hier mit einer Heugabel veranstaltet wird, reicht nicht ganz an das heran, was eine liebenswerte Großmutter 1973 mit einer Stricknadel vollzog. Die Romero-üblichen kritischen Anspielungen, wie die Szene, in der sich ein Priester selbst in Brand steckt und damit an einen realen buddhistischen Märtyrer während des Vietnamkriegs erinnert (Brennender Mönch), sucht man 2010 vergebens, aber man kann wohl ohnehin darüber streiten ob bloße Unterhaltung nicht ausreicht. Das wiederum gelingt Regisseur Breck Eisner hervorragend.

Ich muss zugeben, dass es mir schwer fällt, dem Original eine Bewertung zu verpassen, da der Film zumindest für sein Alter nichts kann, aber heutzutage alleine die Tapete im Büro der Armee oder die Mode der Darsteller bei mir Unbehagen auslöst. Nein, Romeros Film ist kein zeitloser Klassiker wie der etwa gleichalte Exorzist oder Das Omen, sondern ein Relikt, dass im Kontext seiner Zeit optisch und inhaltlich sicher mehr Sinn machte als heute. Dazu kommen schlechte Schnitte, schlechte Effekte, aber eben auch einige intelligente Ideen.
Die Neuverfilmung ist nicht perfekt, aber ordentlich und tatsächlich mal ein Remake, das es wert ist angeschaut zu werden.

Bewertung:

THE CRAZIES (1973)
6,0/10

THE CRAZIES (2010)
7.5/10

Netter Spaß am Rande: Die Stadt Evans City, Pennsylvania, in der Romeros Film 1973 spielte, existiert tatsächlich. Googlet man hingegen Ogden Marsh, Iowa, das 2010 Schauplatz für Crazies sein soll, stößt man u.a. auf diese Seiten, die wohl eigens für den Film erstellt wurden: ogdenmarsh.com  und saveogdenmarsh.blogspot.com und ogdenmarshsheriff.com. Auf der Seite des Sheriffs kann man sich als User: ddutten mit Passwort: judy einloggen und einige Telefonanrufe abhören.

Trailer (1973):

Trailer (2010):

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