Review: MARTYRS (2008)

 

 
Overview
 

Darsteller: Morjana Alaoui, Mylène Jampanoï, Catherine Bégin
 
Regie: Pascal Laugier
 
Drehbuch: Pascal Laugier
 
Länge: ca. 95 min
 
Land: Frankreich
 
Veröffentlichung: 01.04.2008 (Verleih)
 
Verleih/Vertrieb: Senator
 
Bewertung
9.5
9.5/ 10


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1
Posted 8. Mai 2010 by

Martyrs ist kein schöner Film. Martyrs macht keinen Spaß, ist nicht gerecht, unbequem und spielt mit den Erwartungen der Zuschauer. Dennoch -oder deswegen- ist Martyrs mehr Horrorfilm als vieles was sonst diesen Stempel aufgedrückt bekommt.

Die Handlung beginnt damit, dass ein Mädchen aus einer kargen Lagerhalle flieht. Sie ist verletzt und wurde, wie man schnell erfährt, schwerstens misshandelt. Die Täter bleiben verschwunden und auch die Hintergründe vorerst im Dunkel. Das verängstigte Kind, Lucie, lebt fortan im Waisenhaus, wo sie sich mit Anna, einer anderen Waisen, anfreundet.

15 Jahre später: Eine scheinbar normale Familie wird von der nun erwachsenen Lucie in ihrem Haus getötet. Sie glaubt in ihnen die Täter ihrer Kindheit zu erkennen. Anschließend bittet sie Anna um Hilfe, die zwar über diese Tat schockiert ist, aber sich auf den Weg macht ihrer Freundin zu helfen. Noch während Lucie wartet, wird sie von einer bizarren, mit Narben übersäten, nackten Frau angegriffen, die sie mit einem Messer verletzt.

Dies ist nur eine überraschende Wendung, die der Film nimmt. Es sei hier nur verraten, dass am Ende alles einen Sinn ergibt und dennoch Platz für Interpretationen bleibt. Das Ende selbst wartet mit einer Pointe auf, die einem zu denken gibt, bleibt dabei aber auch zweideutig, da wir als Zuschauer auf eine bestimmte Frage keine Antwort erhalten, sondern nur anhand einer Reaktion auf dem Bildschirm erahnen können, wie diese Antwort aussehen könnte. (Ich würde hier gerne mehr dazu sagen, möchte aber niemanden vorzeitig die Spannung nehmen)

Andere Drehbuchautoren hätten mit der Handlung wohl 2-3 Filme gestrickt. Wenn nach einer guten halben Stunde, die Täter gerichtet wurden, fragt man sich kurz, was jetzt noch passieren soll, aber Langeweile kommt über die ca. 90 min nicht auf. Trotz einiger Überraschungen bleibt alles stimmig. Das gilt auch für die Gesamtatmosphäre:  die Bilder sind in kalten Tönen gehalten und Humor sucht man vergeblich.

In Martyrs wird gefoltert, geschlitzt und getötet, aber die Gewalt verkommt nie zum Selbstzweck. Obwohl mit körperlicher Brutalität nicht gegeizt wird, ist es vor allem die nachvollziehbare seelische Grausamkeit, die Martyrs von vermeintlich ähnlichen Filmen wie Hostel abhebt und damit realistischer macht. Selbst wenn ein menschlicher Kopf mit einem Hammer zertrümmert wird, fühlt man sich hin- und hergerissen, weil die Rollen von Täter und Opfer verschwimmen.

Ob der Film alleine deswegen „anders“ ist, weil er aus Frankreich stammt, sei dahingestellt. Fest steht jedoch, dass es wenig vergleichbare Werke gibt. Er ist härter als viele andere Streifen, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Er ist intelligenter als andere Filme, ohne damit zu prahlen und obwohl Martyrs nicht billig wirkt, ist zu bezweifeln, dass er für ein breites Publikum ausgelegt ist.

Unbedingt zu empfehlen!

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