Review: DIE HÖLLE – INFERNO

 

 
Overview
 

Darsteller: Violetta Schurawlow, Tobias Moretti, Robert Palfrader
 
Regie: Stefan Ruzowitzky
 
Drehbuch: Martin Ambrosch
 
Länge: 92 min
 
FSK: ab 16
 
Veröffentlichung: 19. Januar 2017 (Kino)
 
Verleih/Vertrieb: Splendid
 
Genre: ,
 
Land: ,
 
Bewertung
7.5
7.5/ 10


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Posted 18. Januar 2017 by

In Österreich ist die Welt noch in Ordnung, zumindest wenn man einen Blick auf die Film- und Kulturszene wirft. Nicht nur geht man dort im Gegensatz zu Deutschland weit lockerer mit der Zensur von Horrorfilmen um, sondern ist auch bereit gutes Geld in gute Genrefilme zu investieren.

DIE HÖLLE – INFERNO reiht sich dort ein und erzählt von einem Serienmörder in Wien, der seinen Opfer die Haut abzieht.
Dieser wird von der türkischen Taxifahrerin Özge bei seinem grausamen Werk beobachtet und obwohl die junge Frau sein Gesicht nicht sieht, wird sie nun selbst zur Zielscheibe des Killers.

Das ist soweit nicht bahnbrechend neu, die Geschichte vom verfolgten Zeugen wurde bereits oft erzählt, die Begleitumstände machen aber den Unterschied. Die aufbrausende Özge ist Hobby-MMA-Kämpferin und damit nicht das typische Opfer. Im Film stellt sie das in einer Parallelszene im gleichen Moment unter Beweis, in der auch der Mörder zuschlägt und damit ist auch dem Zuschauer verdeutlicht, dass man sich auf Augenhöhe bewegt.

Was Özge aber zu schaffen macht, ist ihr Umfeld. Egal, ob Ex-Freund oder Familie, sie ist gefangen zwischen kulturellen Hinterlassenschaften und Moderne und hat in der Not niemanden an den sie sich wenden kann. Niemand, außer Polizist Steiner, der seine Ablehnung gegenüber Türken nicht versteckt und sich im Privaten um seinen alzheimerkranken Vater kümmern muss.

Die Figuren machen den Unterschied

Diese unterschiedlichen Figuren sorgen für einige kleinere und größere Subplots, aber auch dafür dass DIE HÖLLE kein reiner Thriller, sondern auch Drama ist und stellenweise sogar Humor bietet.
Das funktioniert gut, vor allem, weil die Schauspieler ihre Figuren mit Leben füllen.
Hauptfigur ist eindeutig Özge, die von Violetta Schurawlow gespielt wird und zeigt, dass sie mehr kann als man ihr nach ihrem schwachen Debütfilm CANNIBAL DINER zugetraut hätte. Passend aber, dass sie auch in Schweigers HONIG IM KOPF eine kleine Rolle hatte, denn an den muss unausweichlich denken, wenn man Steiners dementen Vater sieht, der sich schon mal in die Hosen kackt ohne es zu merken.
Steiner selbst wird von Tobias Moretti dargestellt und der hat seine KOMMISSAR REX – Vergangenheit ebenfalls lange abgelegt, und ist nicht erst seit DAS FINSTERE TAL zu den ernstzunehmenden Mimen und Charakterköpfen zu rechnen.

Über den Mörder erfahren wir primär, dass er auch im Ausland gemordet hat, was ganz lose an den realen Serientäter Jack Unterweger erinnert, der Anfang der 90er neben Prag und LA auch in Wien zugegen war und insgesamt neun Prostituierte ermordete.
Detaillierte Erklärungen bleibt der Film aber schuldig. Hintergründe werden nicht aufgedeckt, Entwicklungen wirken gehetzt und die Motive des Killers bleiben unscharf. Hier wäre aus den gelungenen Ansätzen noch mehr rauszuholen gewesen, statt (Achtung Spoiler) Özge und Steiner eine Romanze anzudichten, die aus dem Nichts zu kommen scheint.

Mehr als ein Krimi

Was DIE HÖLLE vom Sonntagabend-Programm der Öffentlich Rechtlichen Sender (sprich TATORT und Rosamunde Pilcher – Dramen) abhebt, ist neben der Tristesse, die über der österreichischen Hauptstadt liegt, auch eine satte Portion Spannung, Action und Gewalt, die vor allem deswegen zündet, weil sie oft unerwartet auftritt.
Özge (und so ziemlich jeder andere) muss im Laufe der Handlung ordentlich einstecken, besonders hervorzuheben ist aber die beste Messerstecherei in einem fahrenden Auto seit I SAW THE DEVIL.

Übrigens, ein rein österreichischer Film ist DIE HÖLLE nicht, sondern ein deutsche Koproduktion.
Die meisten Beteiligten sind aber eben Österreicher, so auch Autor Martin Ambrosch (DAS FINSTERE TAL) und der oscar-prämierte Regisseur Stefan Ruzowitzky (ANATOMIE, DIE FÄLSCHER).

Fazit:
DIE HÖLLE sollte seine Fans finden, die werden sich aber aus Menschen rekrutieren, die einen professionellen Film sehen wollen, ohne sich dabei zu sehr auf bestimmte Genres zu stützen.

 

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