Review: HOUNDS OF LOVE (2016)

 

 
Overview
 

Darsteller: Emma Booth, Ashleigh Cummings, Stephen Curry
 
Regie: Ben Young
 
Drehbuch: Ben Young
 
Länge: 104 min
 
Veröffentlichung: 20. Oktober 2017 (Heimkino)
 
Verleih/Vertrieb: Indeed
 
Genre: , ,
 
Land:
 
Freigabe:
 
Bewertung
8.0
8.0/ 10


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Posted 26. November 2017 by

Manche Filme behaupten auf wahren Begebenheiten zu beruhen und nach 3 Minuten ist jedem klar, dass das Quatsch ist. Und dann gibt es Filme, die keine Behauptungen aufstellen, sich aber so real anfühlen, dass es beim Hinsehen weh tut.
HOUNDS OF LOVE ist ein solcher Film.

In den 80er Jahren verschwinden in Perth, Australien immer wieder Teenager. Das kann die 17jährige Vicky aber nicht davon abhalten, sich abends aus dem Haus zu schleichen und auf eine Party zu gehen. Doch dort kommt sie nie an.
Vicky wird Opfer von John und Evelyn White, einem Ehepaar, das immer wieder junge Frauen in seinem kleinen Haus inmitten einer heruntergekommenen Nachbarschaft gefangen hält, missbraucht und letztlich tötet.


HOUNDS OF LOVE ist kein Horrorfilm und dennoch der blanke Horror. Er vermeidet Klischees, macht selbst Täter zu Opfern, zeigt weit weniger Gräueltaten als man denken könnte und statt vieles was wir sehen, spielt bei helllichtem Sonnenschein in einer unscheinbaren Nachbarschaft.

Statt nur einen voyeuristischen Blick in die Machenschaften der Whites zu werfen, wirft er einen Blick in ihre Köpfe und das ist nicht minder erschreckend.
Regisseur/Autor Ben Young gelingt dabei der Spagat zwischen Thriller und Charakterstudie, die einerseits den Überlebenskampf von Vicky zeigt, die versucht ihrer Situation zu entkommen, fokussiert aber zunehmend die beiden Täter und hierbei vor allem Evelyn, die zwei Kinder eines anderen Mannes hat, die sie gerne zu sich holen möchte, aber dem gewalttätigen John hörig ist.
Sie weiß, dass sich ihr Mann an den Opfern vergeht und obwohl sie Teil seiner Machenschaften ist, leidet sie darunter.

Ihre Figur eine zerrissene Person ist, deren Darstellung entfernt an Charlize Theron in MONSTER erinnert. Auch Evelyn, gespielt von Emma Booth, ist rein äußerlich anzumerken, dass hinter der unscheinbaren Fassade ein attraktiver Mensch steckt. Beim Zuschauer weckt sie aber auch durch ihre Taten eine Mischung aus Mitleid und Abscheu.
John ist in der Geschichte am ehesten als Bösewicht zu bezeichnen. Er ist ein jähzorniger, manipulativer Mann, aber kein hünenhafter Maskenkiller, sondern der unscheinbare Nachbar, der anderen Geld schuldet und sich außerhalb der eigenen vier Wände manche Schikane gefallen lassen muss.

Vicky ist hingegen als Charakter vergleichsweise austauschbar und auch wenn wir im Laufe des Films mehr über ihr Leben erfahren, ist sie doch auf ihr Leid reduziert. Allerdings passt auch das ins Bild, denn für die Whites ist sie nur ein weiteres Objekt. Die Angst und der Schrecken, die Schauspielerin Ashleigh Cummings in ihre Mimik legt, ist aber dafür unangenehm real.

Wie bereits erwähnt, ergötzt sich HOUNDS OF LOVE nicht an Gewalt, sondern verschließt mehr als einmal die Tür vor unseren Augen und überlässt unserer Fantasie, was hinter dieser Tür vor sich geht.

Obwohl es nicht wenige Entführungs-Serienmörderfilme gibt, verfügt HOUNDS OF LOVE doch über manches Alleinstellungsmerkmal. Wer zumindest entfernte Vergleiche sucht, wird bei aktuelleren Werken vor allem bei (den ebenfalls australischen) BERLIN SYNDROME und DIE MORDE VON SNOWTOWN, sowie dem bisher unverfilmten Jack Ketchum – Roman LEBENDIG fündig.

Fazit: Harter Tobak, gerade weil die eigene Fantasie gefragt ist.

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