Review: I SPIT ON YOUR GRAVE (2010)

 

 
Overview
 

Darsteller: Sarah Butler, Jeff Branson, Andrew Howard
 
Regie: Steven R. Monroe
 
Drehbuch: Adam Rockoff
 
Länge: 91 min (ab 18) 104 min (ungeschnitten)
 
Veröffentlichung: 06. Oktober 2011 (Heimkino)
 
Verleih/Vertrieb: Tiberius
 
Genre:
 
Land:
 
Bewertung
7.0
7.0/ 10


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Posted 10. September 2017 by

Es gibt Filme, die vom Unerwarteten leben; von plötzlichen Wendungen; davon, dass man als Zuschauer nicht weiß, was als nächstes geschieht.
I SPIT ON YOUR GRAVE ist das genaue Gegenteil. Jeder, der den Trailer gesehen hat oder auch nur weiß, dass der Film dem Rape & Revenge – Genre zuzuordnen ist, wird keine Überraschungen erleben, aber genau hierin liegt seine Stärke.

Wenn die Schriftstellerin Jennifer in der abgelegenen Hütte ankommt, um ihr neues Buch zu schreiben, wissen wir bereits, welches Martyrium sie erwartet. Wir kennen nicht den Zeitpunkt, aber wir ahnen, dass wir nicht mit der unterhaltsamen Gewalt rechnen dürfen, die viele andere Filme auszeichnet. Sie wird von mehreren Männern vergewaltigt, erniedrigt und verletzt werden. Wir werden hilflose Zeugen sein und mehr sehen als uns lieb ist.
Und tatsächlich bleibt es nicht bei einem angedeuteten Verbrechen, das rechtzeitig von ein paar gnädigen Schnitten versteckt, sondern ausführlich gezeigt wird.
Die gesamte erste Filmhälfte wird für den Aufbau, aber vor allem die Tat als solche verwendet, bevor die Männer die vermeintlich tote Frau zurücklassen.

Auch die zweite Hälfte ist vorhersehbar, wenn auch diesmal mit veränderten Vorzeichen. Wir können uns denken, dass Jennifer nicht wie von ihren Peinigern erhofft im Fluss ertrunken ist, sondern auf Rache drängend zurückkehrt und natürlich wollen wir als Beobachter unseren Teil der Vergeltung haben.
Anders als beispielsweise in 7 DAYS lernen wir keine zweite Seite kennen. Die Sympathie des Zuschauers liegt klar bei Jennifer. Dass der Film dabei natürlich an gewisse Instinkte appelliert und dem Thema Selbstjustiz keineswegs kritisch gegenübersteht, soll an dieser Stelle nicht beurteilt werden, sondern sei lediglich als Fakt erwähnt.

Dass Jennifer auf Rache aus ist, ist nachvollziehbar, ihre Vorgehensweise wirkt hingegen am Reißbrett eines Drehbuchautors entworfen. So treibt die Frau zunächst ein paar Spiele mit den Tätern, lässt ihnen beispielsweise ein Videoband zukommen, bevor sie die Männer einen nach dem anderen überwältigt und blutige Vergeltung übt. Dabei ist sie bemüht, jedem das gleiche Leid zukommen zu lassen, das sie ertragen musste und  natürlich muss z.B. der Mann, der Jennifer in eine Pfütze tauchte am Ende ertrinken. Dies wirkt in dem anfangs so rohen Film zu durchgestylt und ebenso unecht.

Lobenswert ist die unterkühlte Atmosphäre, die etwas an die Werke der 70er Jahre erinnert. Selbst wenn im Film die Sonne scheint, wirken die Bilder kalt und trotz einiger landschaftlicher Schönheiten die Umgebung feindselig.
Das gilt auch für die Vergewaltiger, die man bereits vor der Tat kennenlernt und die sich keine zwei Sekunden verstellen können, bevor sie sich als idiotische Rednecks entpuppen. Immerhin wird der Zuschauer Zeuge eines Gesprächs, das ein Stück weit verstehen lässt, wie gegenseitiges Aufstacheln, Gruppenzwang und Dummheit zu einem schlimmen Verbrechen führen können.

I SPIT ON YOUR GRAVE ist das Remake des gleichnamigen Films von 1978. Dieser steht bis heute auf dem Index und auch die neue Version hatte bisher einige Zensur-Probleme: Die Version mit dem roten „ab 18“-Aufkleber ist jedenfalls stark gekürzt.

Fazit: Die intensiv-beklemmende erste Filmhälfte liefert Horror der unangenehmen Sorte. Die zweite Hälfte ist hingegen eine konstruierte, wenn auch brutale Feel-Good-Story.

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