Review: NEXT DOOR (2005)

 
Next Door
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Next Door

 
Overview
 

Darsteller: Kristoffer Joner, Cecilie A. Mosli, Julia Schacht
 
Regie: Pål Sletaune
 
Drehbuch: Pål Sletaune
 
Länge: 73 min
 
Land: Norwegen, Schweden, Dänemark
 
Veröffentlichung: 2005
 
Verleih/Vertrieb: Euro Video
 
Bewertung
7.5
7.5/ 10


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Posted 20. Januar 2011 by

Dass Texte auf DVD-Hüllen zu Übertreibungen neigen und oft genug von einem müden Praktikanten geschrieben werden, ist eigentlich bekannt. Wenn im Falle von NEXT DOOR ein Vergleich zu David Lynch und Roman Polanski herangezogen wird, ist die Skepsis entsprechend groß.

Kurz nachdem Johns Freundin sich von ihm trennt und er alleine im ehemals gemeinsamen Apartment zurückbleibt, bittet die Nachbarin Anne den schüchternen Angestellten um Hilfe um einen Schrank zu verrücken. John ist verblüfft, dass der Schrank seinen Platz ausgerechnet vor der Wohnungstür finden soll und auch die Geschichten, die ihm Anne und ihre Schwester Kim erzählen, muten eigenartig an. Schnell verstricken sich die Frauen in Widersprüche und John weiß nicht mehr, was davon er glauben kann. Doch damit beginnt erst ein Strudel aus Sex und Gewalt.

Next Door thrillandkill.com

Soviel sei verraten, der Schrank ist am Ende nicht als einziger verrückt. Was wir zu sehen bekommen wird auch den Zuschauer verwirren und verstören.
NEXT DOOR ist ein Kammerspiel, das nur selten außerhalb der beiden Wohnungen spielt. Diese weisen dafür labyrinthartige Ausmaße auf, die schon beinahe einen Kompass erfordern um zum Ausgang zurückzufinden. Neben zahlreichen unterschiedlichen Räumen, findet sich dort eine ungewöhnliche Einrichtungsweise vor.

Auffälliger als das sind aber die beiden Bewohnerinnen, die John nicht nur mit sexuellen Anzüglichkeiten die Schamesröte ins Gesicht treiben, sondern auch eine latent bedrohliche Stimmung aufbauen, was dadurch beginnt, dass sie scheinbar durch die hellhörigen Wände vieles über sein Privatleben wissen.
Deutlicher werden diese Faktoren, als John auf Kim aufpassen soll, die sich bedroht fühlt, sich aber selbst in der riesigen Wohnung eingeschlossen findet…eine Episode, die letztlich zwischen Fummeln und Fausthieben endet.

Next Door

NEXT DOOR ist kein genreüblicher Reiser, sondern ein Blick in den Wahnsinn. Es mag andere Interpretationsmöglichkeiten geben, aber man liegt wohl nicht völlig falsch, wenn man die verzweigten Korridore des Apartments als Gedankengänge eines kranken Hirns deutet. Vollgestellt mit Gerümpel, überladen mit Dingen die dort nicht sein sollten.
Die daraus resultierende Gewalt ist eng verbunden mit einer aggressiven Erotik. Gemäß des Rammstein-Zitats „Sex ist eine Schlacht“ hängen Brutalität und Wollust in vielen Szenen gleichermaßen in der Luft.

Allerdings ist NEXT DOOR kein Film der ausschließlich an niedere Instinkte appelliert, sondern auch die Aufmerksamkeit des Zuschauers in Anspruch nimmt. An die vielschichtigen Mindtrips eines David Lynchs reicht man zwar nicht heran, völlig aus der Luft gegriffen ist der Vergleich aber nicht.
Das wird gerade durch einige alptraumhafte Sequenzen deutlich, die z.B. an die Szene hinter dem Diner in MULLHOLLAND DRIVE erinnern.

NEXT DOOR entstand bereits 2005 als schwedisch-dänisch-norwegisches Gemeinschaftsprojekt, kommt aber jetzt in einer Neuauflage wieder auf den Markt. Die Meinungen dazu werden wie bei der Erstveröffentlichung weit auseinandergehen. Während die einen den Film nach der Hälfte abschalten, werden ihn sich andere gleich zweimal ansehen (und sei es nur, um alles zu verstehen).

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