Review: TRUE DETECTIVE (2014) (Serie)

 
true detective
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Overview
 

Darsteller: Woody Harrelson, Matthew McConaughey, Michelle Monaghan
 
Regie: Cary Fukunaga
 
Drehbuch: Nic Pizzolatto
 
Länge: 420 min
 
Land: USA
 
Veröffentlichung: 04. September 2014 (Heimkino)
 
Verleih/Vertrieb: Warner Home
 
Bewertung
10.0
10.0/ 10


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Posted 4. September 2014 by

In den Sümpfen Louisianas wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Sie ist mit einem Symbol bemalt, auf ihrem Kopf ist ein Geweih befestigt und vieles deutet auf einen Ritualmord hin.
Die beiden Detectives Rustin Cohle und Martin Hart werden mit dem Fall betraut. Die ungleichen Männer werden dabei nicht nur in einen Jahre andauernden Alptraum gezogen, der ihnen alles abverlangt und weit größere Kreise zieht, als sie je vermuten konnten, sondern müssen dabei auch mit ihren eigenen Dämonen fertig werden.

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Es hat sich längst herumgesprochen, dass TV-Serien nicht schlechter sein müssen als Kinofilme. Maßgeblichen Anteil daran trägt der US-Sender HBO, der schon seit längerem hochwertige Reihenkost für daheim fabriziert. DIE SOPRANOS oder aktuell GAME OF THRONES sind dabei nur Beispiele einer langen Liste.
Auf die gesellt sich nun auch TRUE DETECTIVE…und landet ganz weit oben.

Den ersten Hinweis darauf liefert bereits ein Blick auf die Besetzung. Hollywood-Stars Woody Harrelson (Cohle) und Matthew McConaughey (Hart) übernehmen die Hauptrollen, bilden aber nur die Speerspitze eines talentierten Casts, der bis in kleine Nebenrollen authentisch wirkt.

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Während Harrelson schon lange seine Wandlungsfähigkeit in so unterschiedlichen Filmen wie NATURAL BORN KILLERS, KINGPIN und ZOMBIELAND unter Beweis stellt, haftete McConaughey lange Zeit das Image des Schönlings an, was er optisch und/oder durch seine Rollenwahl in Filmen wie KILLER JOE und DALLAS BUYERS CLUB demontierte.
Beide spielen in TRUE DETECTIVE gebrochene Typen, mit einer Reihe menschlicher Makel, die so nachvollziehbar vorgetragen werden, dass man als Zuschauer nicht nur Verständnis entwickelt, sondern sich sogar an eigene Tiefen erinnert fühlen mag.

Während Cohle ein gebildeter, fast philosophischer, aber arroganter Einzelgänger mit trauriger Vergangenheit ist, der anderen oft einen Schritt voraus scheint oder dies wenigstens glaubt, ist sein Partner Hart ein scheinbar seriöser kleinstädtischer Familienvater, der an Selbstgefälligkeit erstickt und nicht bemerkt, wie seine Ehe den Bach hinunter geht.
Beide teilen sich eine gewisse Liebe zum Alkohol. Genauer gesagt sieht man die Männer in den 420 Minuten, die die Serie über 8 Folgen dauert, nur selten ohne ein alkoholisches Getränk und Cohle raucht zudem als müsse er alle Marlboro-Kontingente zerstören.

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Die Handlung wird über 17 Jahre verteilt erzählt. Trotz einer nichtlinearen Erzählweise, die vor allem zwischen den Jahren 1995 und 2012 hin- und herspringt, bleiben die Ereignisse transparent, auch weil man den Figuren die Lebensjahre bestens ansieht. An dieser Stelle muss nochmals Matthew McConaughey erwähnt werden, der 2012 als desolates Wrack glänzt.

Wichtiger Bestandteil der Serie ist der Bundesstaat Louisiana, der sich von seiner übelsten Seite zeigt und sich mit den Begriffen Rost, Sumpf und Gewalt zusammenfassen lässt. Hier sieht es immer so aus, als wäre kürzlich einer der realen Hurrikans vorbeigekommen, die auch in der Story einige Male Erwähnung finden. Die Landschaften werden nur dadurch interessant, dass sie eigentlich gänzlich uninteressant sind.
Es wird eine misanthrope Stimmung erschaffen, die auf Dauer auch am Zuschauer nagt. Man möchte diesem Ort ebenso entfliehen, wie es Cohle will, der sich mit Land und Leuten nicht anfreunden mag.
Die bedrückende Atmosphäre gestattet ihren Charakteren nicht einmal ein Lachen und wenn Harrelson und McConaughey im Making Of miteinander scherzen, wirkt das fast unwirklich. Trotzdem werden einige Momente erschaffen, die bei genauem Hinsehen zumindest beim Publikum ein kurzes befreiendes Lachen bewirken können, bevor es erneut daran geht, in die Dunkelheit zu steigen.

Wie auch in SIEBEN werden in TRUE DETECTIVE unaussprechliche Gewalttaten aufgegriffen und angedeutet, aber nur selten in Gänze gezeigt. Wenn Cohle davon berichtet was mexikanische Drogenkartelle mit ihren Opfern machen, reicht seine Schilderung völlig aus, um ein ungutes Gefühl zu vermitteln. Und wir müssen gar nicht detailliert sehen was Hart dazu bringt den Polizeidienst zu quittieren, um ihn nur zu gut verstehen zu können.

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Brutale Rocker, Kinderschänder, religiös Verwirrte, Kultmorde, Inzest, Drogendealer…TRUE DETECTIVE lässt keinen Schatten aus. Trotzdem gibt man sich nie reißerisch und reine Action-Fans werden sich für ein paar rasante Momente dieses story- und charakterdominante Epos nicht geben müssen.
Jeder, der eine gewisse Ruhe mitbringt, wird die Serie, die einen wie die zahlreichen gezeigten Sumpflandschaften langsam einsaugt, nach unten zieht und nicht wieder gehen lässt, aber zu schätzen wissen.

Ob es das Miteinander der beiden Cops ist, die aufrichtige Ablehnung, aber auch Respekt verbindet und sich klar vom üblichen Buddy-Movie abhebt, ihre persönlichen Nebenkriegsschauplätze, Randfiguren, die morbide Gewalt, Soundtracks, Locations oder solch liebevoll eingearbeitete Details wie die Weisheiten Cohles oder die Geschichte um den König in Gelb (eine Horror-Kurzgeschichte aus dem 19. Jahrhundert), es geht kaum besser.

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Die drei Jahrzehnte überspannende Geschichte über abgeschlossen geglaubte Morde, erinnern auch ohne übernatürliche Elemente entfernt an Stephen Kings ES.
Wohl nicht ganz zufällig wird Cary Fukanaga, der Regisseur von allen TRUE DETECTIVE Folgen, nächstes Jahr das Remake von ES veröffentlichen. Spätestens nach dieser Visitenkarte darf man darauf besonders gespannt sein.

TRUE DETECTIVE wird im nächsten Jahr ebenfalls fortgesetzt, allerdings im Stile von AMERICAN HORROR STORY mit neuen Schauspielern, neuen Figuren und einem neuen Fall. Hier wurde also nichts zurückgehalten, sondern alles in diese Staffel gelegt.

Fazit: FANTASTISCH! Diese Serie sollte niemand verpassen.

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