Review: VAN DIEMEN’S LAND (2009)

 

 
Overview
 

Darsteller: Oscar Redding, Arthur Angel, Paul Ashcroft
 
Regie: Jonathan auf der Heide
 
Drehbuch: Jonathan auf der Heide
 
Länge: 101 min
 
FSK: ab 16
 
Veröffentlichung: 29. Oktober 2010
 
Verleih/Vertrieb: I On New Media
 
Sonstiges: Störkanal
 
Genre: , ,
 
Land:
 
Bewertung
7.5
7.5/ 10


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Posted 14. März 2017 by



Kannibalismus ist noch immer eines der wenigen Themen, dass uns aufhorchen lässt. Vermutlich weil es so unglaublich selten ist und natürlich für die allermeisten Menschen derart ausgeschlossen ist, dass man keinen Gedanken daran verschwendet.

So sind die realen Fälle von Kannibalismus in den letzten Jahrzehnten dünn gesät und auf wenige Fälle von Menschen beschränkt, die entweder damit einen Trieb befriedigen (wie z.B. Jeffrey Dahmer oder der Kannibale von Rothenburg) oder sich in einer Notlage befinden in der Menschenfleisch die einzige Nahrungsquelle ist. Bekanntes Beispiel ist das Schicksal der Rugby-Mannschaft, die mit dem Flugzeug in den Anden abstürzte und die sterblichen Überreste der toten Kameraden aufaß (die Geschichte wurde mit dem Titel ÜBERLEBEN verfilmt).

Auch VAN DIEMEN’S LAND   beruht auf einer wahren Begebenheit, die wenngleich sie bereits 1822 geschah, noch heute ein beunruhigendes Bild auf die menschliche Natur wirft:
Acht Insassen eines australischen Arbeitslagers gelingt die Flucht. Das Land ist dünn besiedelt, die Witterung unerbittlich und die Wälder durch die die Häftlinge irren, bieten nicht genug Nahrung.
Eine Umkehr ist ob der drakonischen Strafen keine Alternative und so wandern die Männer weiter, doch als der Hunger überhand nimmt, treffen sie einen Entschluss…

Der erste Häftling wird überraschend getötet, doch als die Vorräte wieder verbraucht sind, muss jeder der verbleibenden Männer damit rechnen als nächster dem Hunger seiner Begleiter zum Opfer zu fallen.

VAN DIEMEN’S LAND liefert keine kannibalischen Psychopathen, die nichts anderes im Sinn haben als das nächste Opfer zu schlachten, sondern Menschen am Rande der Verzweiflung, die dabei aber doch einen Schritt weiter gehen als in ÜBERLEBEN.
Es mag eine Sache sein, in großer Hungersnot einen toten Menschen zu essen, einen Kameraden extra zu diesem Zweck zu töten, ist noch mal eine andere Kategorie.

Man fragt sich als Zuschauer unwillkürlich: Was würde ich tun? Essen oder gegessen werden? Beides wirkt nicht sehr einladend. Genau hieraus zieht der Film seine Spannung. Wer nicht ohnehin geschichtlich bewandert ist und von dem Fall schon einmal gehört hat, weiß bis zum Ende nicht, wer überleben wird. Regisseur Jonathan Auf Der Heide hat sich keinen „Liebling“ ausgesucht, keinen strahlenden Helden, sondern zeigt uns 8 schmutzige Männer, die nur mit einer einzigen Axt bewaffnet durch ein ebenso schmutziges Land fliehen.
Fast lässt sich die Schönheit der Landschaft erahnen, doch wird alles im Film als kalte, trostlose Hölle dargestellt.
Als Zuschauer mag man sich zu Beginn des Films noch wundern, warum die Häftlinge mit einem einzigen Aufseher alleine gelassen werden, den sie leicht überwältigen können. Dieser fragt noch gefesselt wohin die Flüchtigen den wollen, dort draußen gebe es doch nichts.

VAN DIEMEN’S LAND ist ein ruhiger Film, der sich langsam fortbewegt und nur so allmählich weiterentwickelt, wie es die Landschaft bei einer Wanderung tut.
Freunde von schnellen Schnitten und rasanter Action dürften ebenso enttäuscht werden, wie solche die einen voyeuristischen Blick auf die Kannibalen werfen wollen. Gewalt findet natürlich statt, aber weniger als man denken würde, dafür auf realistische Art und Weise.

Fazit: VAN DIEMEN’S LAND (was übrigens der alte Name für Tasmanien ist) ist kein selbstgefälliger Horrorfilm, sondern eine nachvollziehbare Schilderung wahrer Ereignisse.
Wer den Film im Kreis seiner Freunde schaut, wird vermutlich dennoch nervös zusammenzucken, wenn der Platznachbar über Hunger klagt.

 

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