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Posted 23. Juli 2017 by Mick in Kolumne
 
 

Sollen Kinder Horrorfilme sehen?


Vermutlich ist eure reflexartige Antwort auf diese Frage: Nein. Nein! Verdammt nein!!

Aber mal ehrlich, wann habt ihr euren ersten Horrorfilm gesehen? Wart ihr so alt wie es die FSK vorschreibt oder doch etwas jünger? Habt ihr heimlich die DVD-/VHS-Sammlung der Eltern für euch entdeckt? Oder durftet ihr sogar mit ihnen zusammen einen dieser Streifen schauen, für die ihr zu jung wart?

Heute sind manche von euch selbst Eltern. Was tut ihr, um eure Kids an das Thema Horror heranzuführen…oder davon abzuhalten?

Was sagt der Gesetzgeber?

Kann man auf die Freigaben der FSK, die immerhin ehemals beschlagnahmte Filme plötzlich ab 16 freigeben, überhaupt etwas geben….oder muss ich als besorgte Eltern sogar etwas darauf geben?

Zumindest die letzte Frage kann relativ einfach geklärt werden: ich kann meine Sprösslinge in jede beliebige Kinovorstellung mitschleppen, solange diese maximal FSK 12 ist, auch wenn die kleinen jünger sind.
Heißt: mein 4-jähriger darf an der Seite von Papa IT FOLLOWS oder THE VISIT sehen. Ein 15-jähriger wird aber (mit oder ohne Begleitung) auch die nächsten Fortsetzungen von CONJURING und PARANORMAL ACTIVITY vorerst verpassen. Man sieht, das ist nicht immer logisch, aber immerhin klar.

Aber auch vor dem 16. Geburtstag kann der Kleine diese Filme und auch höher eingestuftes Material sehen, wenn die Eltern die Filme im heimischen Discplayer rotieren lassen, denn hier gibt es keine gesetzliche Vorgabe.

Daheim lässt euch der Gesetzgeber alleine

Erneut kann man hierüber trefflich streiten und sich fragen, ob es sinnvoller ist, dass ein Teenager daheim mit Einwilligung der Eltern, aber alleine, HOSTEL schaut, wo er im Kino in Begleitung der Eltern wenigstens einen Ansprechpartner hätte, aber das nur am Rande.

Schlaflose Nächte in der Kindheit

Interessanter ist heute die Frage, ab wann ich Zuhause den Filmschrank nicht mehr abschließe. Um es vorweg zu nehmen, wir werden keine Antwort liefern, nicht mal eine abschließende Meinung, aber kommen wir nochmal auf die Eingangsfrage zurück: in welchem Alter habt ihr eure ersten Horrorfilme gesehen und vor allem, wie wirkten sie?

Der Horror kommt zu dir nach Hause

Ich habe an anderer Stelle schon berichtet, dass mich Freddy Krueger oder Zelda aus FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE lange verfolgt haben, weil ich die Filme zu früh sah. Das gleiche gilt für THE FOG, der erste ‚echte‘ Gruselfilm, der subjektiv gesehen den Namen auch verdient hat, denn die alten Schwarzweiss-Klassiker, die ich vorher kennenlernen durfte, mochte ich zwar, sie machten mir aber keine Angst. Bei THE FOG war ich etwa 11 und ich liebe ihn noch immer, erinnere mich aber auch an manch schlaflose Nacht.

Ich würde zwar behaupten, dass trotzdem was aus mir wurde, aber will hier nicht klingen wie diese Befürworter der Prügelstrafe, die glauben, dass es ihnen eine Ohrfeige ja auch nicht geschadet habe, während man sich bei genau diesen Leuten fragt, ob man diese Behauptung so durchgehen lassen kann. Immerhin scheint mich das Thema ja noch genug zu beschäftigen, dass ich Jahrzehnte danach darüber schreibe, während andere erwachsene Menschen Horrorfilme inzwischen als Kinderkram abtun.

Ist Horror Kinderkram?

Horror = Kinderkram?

Aber sind sie nicht genau das? Sind Horrorfilme nicht dann am effektivsten, wenn wir sie in einem Alter sehen, in dem wir eigentlich zu jung dafür sind?

Nein, natürlich soll das keine Empfehlung sein, eure 8jährige vor die Geschichte vom menschlichen Tausendfüßler zu setzen, nur weil sie diese Story so schnell nicht wieder vergessen wird (obwohl wir garantieren, dass es wirklich ein unvergessliches Erlebnis wäre).

Trotzdem vermisse ich die Zeiten, als mich Filme noch wirklich das Fürchten lehrten.
In der Praxis ist das Thema wohl nicht nur komplexer, sondern auch nur im Einzelfall mit gesundem Menschenverstand zu bewerten. Ich für meinen Teil wollte als Heranwachsender Horrorfilme sehen, OBWOHL sie mir teilweise Angst machten und bin froh, dass meine Eltern das Thema locker sahen (mutmaßlich deswegen, weil ich ihnen nicht verriet, dass ich häufiger abends wach lag).

Egal welche private Einstufung man in deutschen Wohnzimmern vornimmt, auch die Filmindustrie hat seit Ewigkeiten begriffen, dass das Publikum jung ist. Warum sollten sonst alleine im Slashergenre unzählige Teenies im Highschoolalter ums Überleben kämpfen? Weil der gleichaltrige Zuschauer sich mit ihnen identifiziert. Teilweise passen dann Altersfreigabe und Zuschaueralter zusammen, aber man darf wohl unterstellen, dass der raffgierige Produzent auch gerne die Hand aufhält, wenn ein 16jähriger für seinen 18er-Film zahlt.

Kann man also die Theorie in den Raum stellen, dass eine Form von Jugendschutz darin bestünde Horror für ein erwachsenes Publikum zu erschaffen? Vermutlich nicht und umsetzbar ist das sowieso nicht.

Die Teletubbies…auch keine Lösung mehr

Was macht man stattdessen als Mutter/Vater, wenn der Nachwuchs fragt, ob er sich fortan mit Freddy und Jason treffen darf? Eins ist klar, du wirst nicht verhindern, dass deine Kinder diese Filme sehen. Das hat zu VHS-Zeiten nicht funktioniert und heute erst recht nicht. Junior wird Horrorfilme sehen, so wie er/sie auch die erste Kippe rauchen und das erste Bier trinken wird, bevor er es legal ist. Die beste Chance auf Schadensminimierung ist dich dazuzusetzen und ein Gesprächspartner zu sein.

Es bleibt dabei, am Ende ist es nicht nur eine individuelle Entscheidung der Eltern, wie sie mit dem Thema umgehen, es kommt genau so auf den Charakter des Kindes und natürlich auch den Film an…nur tut bitte nicht so als währt ihr nie jung gewesen.

 

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