Special: Die Top 10 der Found Footage Filme

Egal ob Found Footage, Mockumentary oder Mondo, die Idee ist die gleiche: anders als in „normalen“ Filmen wissen die Protagonisten dass sie gefilmt werden, womit uns verkauft werden soll, dass das Gezeigte völlig echt ist.
Einen Grund die Kamera laufen zu lassen, findet sich immer. Sei es, weil jemand gerade ohnehin Freunde oder Familie aufnimmt oder ganz gezielt als (semi-)professionelles Fernsehteam an einem Ort dreht, der zur Katastrophe wird.

Wir haben euch hier 10 Filme zusammengestellt, die wir zu den besten des Subgenres zählen. Auf Fortsetzungen/Remakes haben wir dabei allerdings ebenso verzichtet, wie auf Filme, die nur teilweise in diesem Stil gedreht wurden. Dafür haben es aber neben den üblichen Bekannten auch einige hierzulande noch nicht erschienene Filme auf die Liste geschafft.

Da wir uns nach wie vor in einer Welle der Wackelkameras befinden, wird sicher in absehbarer Zeit auch noch der eine oder andere sehenswerte Streifen dazukommen. Etwas Hoffnung besteht zur Zeit z.B. in Bezug auf V/H/S oder THE LOST COAST TAPES.
Hier aber erstmal die derzeitige Auswahl.

 

Platz 10-6 (ohne Reihenfolge)

MANN BEISST HUND
Manch ein Filmfan würde diesen Film womöglich unter den Top 5 sehen und dagegen ist lediglich zu sagen, dass es sich bei MANN BEISST HUND trotz hohem Bodycount mehr um eine rabenschwarze Experimentalsatire als einen Horrorfilm handelt, die durch die nötige Brutalität für Genrefans interessant ist, aber eben kein typischer Genrefilm ist. Komplett in Schwarz-Weiss gefilmt begleitet ein dreiköpfiges Kamerateam den scheinbar wahllos tötenden Mörder Benoit bei seinen Taten und während sich herausstellt, dass die Arbeit für die Filmemacher äußerst gefährlich ist (mehrere Mitarbeiter müssen ausgetauscht werden), macht Benoit die Männer zunächst zu Mitwissern, dann zu Gehilfen und schließlich zu Tätern.
MANN BEISST HUND entstand übrigens bereits 1992, also noch lange vor der großen Found Footage – Welle.

HOME MOVIE
Selbst für einen Found Footage – Film sieht HOME MOVIE nach Low Budget aus, bringt aber ein paar anständige Ideen um ein Ehepaar, dessen Kinder anfangs etwas seltsam erscheinen, dann aber immer schrecklichere Taten begehen. Die Handlung wird (wie es sich für ein Familien – Home Movie gehört) stets an Feiertagen aufgegriffen und während der Familienvater ein Priester ist (der sich nebenbei unheimlich gerne verkleidet), ist die Mutter Psychologen, so dass jeder auf seine Art versucht die Kids auf den korrekten Weg zurückzubringen.
(Den Film gibt es derzeit nur als Import)

GRAVE ENCOUNTERS
Der Film begleitet ein Filmteam auf der Suche nach paranormalen Ereignissen in eine ehemalige Psychiatrie. Es dauert nicht lange, bis den abgebrühten Fernsehleuten, die selbst nie an das Übersinnliche glaubten, furchteinflößende Dinge widerfahren.
GRAVE ENCOUNTERS erfindet das Genre nicht neu und ist teilweise sogar vorhersehbar wie die Nachrichten von gestern, erweist sich aber dennoch als ziemlich effektiv.

THE TUNNEL
Dass es Großstädte gibt, in deren Unterwelt, also U-Bahn-Schächten, Känalen, usw. Menschen wohnen, ist bekannt, doch was das Team findet, das das Tunnelsystem unter Sydney erforscht, hätte wohl niemand für denkbar gehalten. In dieser Mockumentary dürfen die Überlebenden Teilnehmer der Expedition ihre Ereignisse selbst schildern. Ansonsten kommt man ohne viele Effekte, aber der Gewissheit aus, dass man nicht immer wissen will, was unter der Stadt los ist.
Auch hier gilt: nicht neu, aber wirksam.

PARANORMAL ACTIVITY
Wenn man aus 15.000$ weit über 100 Mio $ macht, indem man (böse gesagt) Leute beim Schlafen filmt, hat man jeden Cent verdient. Tatsächlich ist sowohl Schauplatz als auch Personenkreis sehr überschaubar, das stetig ansteigende Maß an unnatürlichen Ereignissen, dass Micah und vor allem Katie zu schaffen machen, möchte man sich in seinen eigenen vier Wänden aber bestimmt nicht vorstellen.
Die Fortsetzungen bieten mehr Action, mehr Kameras, aber auch mehr Wiederholungen und eine rasch dünner werdende Story. Das Original ist hingegen verdientermaßen einer der großen Namen des Genres.

 

Die Top 5:

Platz 5: CLOVERFIELD
Während andere Found Footage – Streifen mit kleinen Geldern auskommen müssen und (deswegen) oft im intimen Kreise weniger Darsteller spielen, klotzt J.J. ABRAMS ordentlich ran. Ein riesiges Monster, das der Freiheitsstatue den Kopf abbeißt und ganz New York in Panik versetzt, spricht eine klare Sprache.
Hier wird eindeutig Gas gegeben, angsteinflößend ist CLOVERFIELD aber dennoch.

 

 

 

 

Platz 4: TROLLHUNTER
Wie in CLOVERFIELD sind die Monster hier gewaltig. Nebenbei werden Auszüge der norwegischen Mythologie erzählt und mit einer guten Prise Humor serviert. Während viele Filme dieser Liste auf eine ausweglose Situation setzen, glänzt TROLLHUNTER mit Ideen, die nicht nur innerhalb des Found Footage – Bereichs sondern im ganzen Genre immer gebraucht werden können.
Von der FSK12 – Freigabe sollte man sich jedenfalls nicht blenden lassen, Trolle sind flauschig, aber nicht nett.

Platz 3: THE POUGHKEEPSIE TAPES
Dass Eric Dowdle mit QUARANTINE das amerikanische Remake von [REC] verfilmen durfte, ist wohl auch seinem Debütfilm THE POUGHKEEPSIE TAPES zu verdanken. Das Material dieser Mockumentary ist nicht nur verwackelt und unscharf, sondern auch schlichtweg furchteinflößend. Wie in einigen anderen Filmen dieser Art, sehen wir die Taten eines Serienmörders, der diesmal allerdings selbst die Kamera hält und nicht einmal nach einem Kindesmord davor zurückschreckt, die Eltern zu besuchen und zu verhöhnen.
Einziger Schwachpunkt des Films sind einzelne Szenen in denen Forensiker und Profiler zu Wort kommen und dabei nicht schauspielerisch überzeugen. Die Found Footage Sequenzen sind allerdings kompromisslos und roh.
(OK, es gibt noch einen weiteren Schwachpunkt: der Film war nur eine Zeit lang in den USA auf DVD zu haben. Auch eine youtube-Version wurde inzwischen wieder entfernt)

Platz 2: THE BLAIR WITCH PROJECT
Der Film, ohne den viele andere Filme dieser Aufstellung womöglich nie entstanden wären. THE BLAIR WITCH PROJECT ist nicht der erste Film seiner Art, aber der, der bewies, dass man auch mit kleinem Budget gute Filme drehen kann und nicht nur konsequent mit subjektiver Einstellung gezeigt wurde, sondern uns 1999 dank einer ausgefeilten Marketingstrategie sogar fragen ließ, ob das was wir zu sehen bekommen, real sein könnte.
Gänzlich ohne Blut und Effekte baut der Film eine (oft kopierte) bedrückende Stimmung auf, bringt uns die eigene Urangst vor Einsamkeit und Wäldern wieder, lässt uns mit Fragezeichen zurück und zählt zu jenen modernen Klassikern, die das Genre veränderten.

Platz 1: [REC]
Ja, auch [REC] wurde vermutlich von BLAIR WITCH PROJECT beeinflusst, bringt aber alles mit, was ein guter Horrorfilm haben kann: Spannung, Klaustrophobie, ein Virus und Zombies, Dunkelheit, Isolation, Gewalt und Blut, einen okkulten Hintergrund…. alles gefilmt mit einer wackligen Kamera zweier zufällig anwesender Fernsehleute, die live miterleben wie ein ganz normales Apartmenthaus in Barcelona unter Quarantäne gestellt wird, während im Inneren die Hölle losbricht. Umgesetzt von einem der besten Horror-Regisseure unserer Zeit (Jaume Balagueró) und das Ergebnis ist kaum weniger als perfekt.
Der weiter oben bereits erwähnte QUARANTÄNE ist übrigens ebenso wie die Fortsetzungen kein übler Film, letztlich aber unnötig, wenn man das Original sehen kann.

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