Special: SIMPSONS – TREEHOUSE OF HORROR

Willkommen zu einem etwas anderen Special:

Wie es bereits bei SOUTHPARK gesagt wurde, alles gab es schon einmal bei den SIMPSONS. Und so hat auch das Horrorgenre jedes Jahr, ungefähr zur Zeit von Halloween, einen Gastauftritt in einem SIMPSON HALLOWEEN SPECIAL (oder auf englisch: TREEHOUSE OF HORROR). Jede dieser jährlichen Episoden enthält drei kurze Geschichten, in welchen manchmal spezifische Filme parodiert werden, manchmal ganze Subgenres. Im Folgenden soll eine nahezu zufällige Auswahl solcher Kurzepisoden aufgeführt werden, welche das Spektrum dieser Parodien aufgreift. Dabei sind die Folgen auf die ersten elf Staffeln beschränkt, was zugegebenermaßen auch einer subjektiven Qualitätseinstufung entspricht, sich allerdings ebenso an der Einschätzung zahlloser Fans der Serie orientiert, welche nach den ersten zehn Staffeln einen rapiden Abstieg der Serie (mit ihren mittlerweile phantastisch anmutenden 29 Staffeln) erkennen.

1.) DIAL Z FOR ZOMBIE (S4 F5)

Ja, die guten alten Zeiten, als die SIMPSONS nicht nur lustig, sondern auch sozialkritisch waren. Aber bevor diese Note nach Hause gebracht wird, muss Homer zunächst eine Armee von Zombies (inklusive Ned Flanders und George Washingtons) mit der Schrotflinte zurück ins Jenseits befördern. Diese Folge, in einer parodistischen Mischung aus FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE und DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN greift dabei auf nahezu alle Klischees zurück, die es zum Thema Zombies zu finden gibt. Angefangen von ihrer Erweckung durch okkulten Zauber, über den Wiederaufstieg aus ihren Gräbern, bis zum Heißhunger auf Gehirne, die sie bei Homer deprimiert das Weite suchen lassen. Selbst eine kurze Belagerung des Simpson Hauses erinnert mit den Brettern vor den Fenstern an mehr als nur eine Verfilmung.
So, und jetzt die Sozialkritik: die Zombies sind tot und während erwähnt wird, wie froh sie sind, nicht zu Zombies geworden zu sein, erinnert die versammelte Familie vor dem Fernseher eben genau diesen.

2.) BART SIMPSON’S DRACULA (S5 F5)

Bereits der Beginn dieser Teilepisode parodiert die klischeehafte Einfältigkeit der Protagonisten – und speziell der ermittelnden Behörden – in zahlreichen Horrorfilmen. Wann war es eigentlich das letzte Mal glaubhaft, dass jemand noch nie etwas von Zombies, Vampiren oder Werwölfen gehört hat und bei zwei Bissspuren am Hals und vollkommenem Blutverlust tatsächlich so unwissend wirkte, wie Chief Wiggum? Aber auch ansonsten werden alle Register des klassischen Vampirfilms gezogen. Blut wird gesaugt, Schatten bewegen sich asynchron zum Vampir, ein geheimes Versteck mit Särgen und selbst das Verwandeln in Fledermäuse steht auf dem Programm. Und selbst die klassisch amerikanische Angst, sich einen Fluch aus der Ferne (Pennsylvania in Anspielung an das Transylvania Draculas) mit in die eigenen vier Wände zu bringen wird nachgelebt, als Bart zum Vampir wird, gefolgt von dem Storytwist, dass auch dieser scheinbar fremde Horror home grown war. Da darf ein bisschen klischeebelastet verschmitzter Arbeiterhumor nicht fehlen, als Homer den Auftrag Vampir-Burns umzubringen mit den freudigen Worten quittiert: „Meinen Boss umbringen? Darf ich den amerikanischen Traum wahrmachen?“

3.) DAS SHINING (S6 F6)

Bereits im Original musste man zugeben, dass es vielleicht nicht die beste Idee war, den gesamten Alkoholzufuhr für einen ganzen Winter zu unterbinden, wenn man so wenig alternative Ablenkungsmöglichkeiten hat, wie im berühmten Overlook Hotel. In dieser SHINING-Parodie sorgt dies bei Homer in ungefähr zwei Tagen zum vollkommenen Amoklauf. Doch gerade in diesem minimalistischen Verlauf im Zeitraffer zeigt sich die ganze Schönheit dieser Folge, inhaltlich zusammengefasst unter dem Slogan „Ohne Bier und und Fernsehen muss Homer durchdrehen“. Denn wen überrascht es wirklich, dass nach Abzug simpler Unterhaltungsformen es bei vielen Menschen mit dem Seelenfrieden nicht mehr weit her ist und der gewaltsame Horror des durch Langeweile aggressiven Mannes sich Bahn bricht?

4.) CAFETERIA DES GRAUENS (S6 F6)

Als Kind musste man diese Folge eigentlich lieben, stellt sich doch ein einleuchtendes Symbol für das Erlebnis Schule dar, zumindest für alle, die aus welchen Gründen auch immer, Angst vor ihren Lehrern haben. Zugegeben, in der Realität wird man selten tatsächlich gekocht und von diesen verzehrt, aber eine vage Angst ist dennoch da. Doch geht die Folge tiefer, zeigt sich doch auch den Druck auf die Lehrer, welchen die Mittel ausgehen den aufsässigen Schülern beizukommen, was sie letzten Endes zu extremen Methoden greifen und den einen oder anderen zum Sadisten werden lässt. Und weiter zeigt die Folge die Probleme von Systemen, in denen einige wenige die Kontrolle über viele haben und diese vielen nicht einmal die Möglichkeit, sich an Hilfe zu wenden, weil diese entweder nicht vorhanden ist, oder sie nicht ernst genommen werden. Oder, um Marge zu zitieren: „Bart, Lisa, ihr seid zehn und acht Jahre alt, ich kann nicht mehr jeden Streit für euch schlichten!“.
Unabhängig von der zugrunde liegenden Sozialkritik, verpackt in Horror, verpackt in Humor, ist es auch die Verpflanzung des exotischen Phänomens Kannibalismus in die heile US-Vorstadtidylle, der Horror des Fremden, der gegen die Vorstellungen von Menschlichkeit vorgeht, die unsere modernen Gesellschaften hervorgebracht haben.

5.) DAS LEBEN IST EINE RUTSCHBAHN UND DANN STIRBT MAN (S11 F4)

Wenn bereits in einem Titel so viel Weisheit zu finden ist, kann die Folge selbst eigentlich kaum mehr enttäuschen. Doch erst, wenn man sieht, dass sie im Jahr 2000 ausgestrahlt wurde, fährt einem der nostalgische Schauer über den Rücken, bei der Erinnerung an die große Angst im Jahr 1999, dass mit der Umstellung aller Computer auf die 2 am Anfang der Jahrtausendzahl der Zusammenbruch sämtlicher computergestützter Systeme anbrechen würde. Die Menschen gemacht Apokalypse stand für viele wieder einmal vor der Tür und (offensichtlich) wieder einmal zu unrecht. Oder auch nicht, denn bis heute ist dieser Angst vor der Verletzlichkeit und Schadensanfälligkeit von Computern nicht gewichen. Sie hat sich höchstens von Computern im Allgemeinen auf das Internet verschoben. Und das Weltuntergangsszenarien gerade im Horrorgenre bis heute sich großer Beliebtheit erfreuen ist wohl kaum eine Neuigkeit. Doch sowohl im Titel, wie auch im Hintergrund dieser kurzen Episode zeigt sich eine, wenn nicht sogar die Urangst des Menschen: die eigene Vergänglichkeit und das Bewusstsein, wie schnell alles vorbei sein kann, wie dünn das Eis ist, auf dem wir uns jeden Tag bewegen.

6.) FLIEGE GEGEN FLIEGE (S9 F4)

In dieser Parodie auf den Body Horror Klassiker DIE FLIEGE, entscheidet sich Bart, die genetische Vermischung mit dem Insekt freiwillig durchzuführen, in der Hoffnung auf Superkräfte, die im Original auch Jeff Goldblum erleben durfte, bevor die negativen Mutationen auftraten. Wie im Original lässt sich in dieser Folge eine Kritik am menschlichen Gebrauch moderner Technik sehen, wobei sie sich im Film eher auf ethisch fragwürdige Experimente bezieht und bei den Simpsons auf den alltäglichen Gebrauch des faulen Mittelschichtlers. So braucht Homer die Teleportationsmaschine nicht zum Wohle der Menschheit, sondern um sein Bier aus dem Kühlschrank zu holen, ohne aufstehen zu müssen. Der Horror ist auch hier wieder Menschen gemacht und wie wenig Homer aus der Situation, im Gegensatz zu Goldblum, hat, zeigt sich, als er am Ende seinen Sohn für das ganze Chaos verantwortlich macht und nicht den Erwerb der Maschine. Interessant mutet an, wie die Familie selbst nur wenige Stunden brauchte, um sich vollkommen an den Fliegen-Sohn zu gewöhnen. Dies mag man nun positiv, als entspannte Resilienz der westlichen Gesellschaft, oder negativ, als einfältiges Akzeptieren eigentlich nicht akzeptabler Umstände, betrachten. Zugegeben, es sind die Simpsons, von daher eher….letzteres.

7.) NIGHTMARE ON EVERGREEN TERRACE (S7 F6)

Hausmeister Willy als Kultfigur Freddy Krueger aus der NIGHTMARE ON ELM STREET Filmreihe hat es in dieser Folge auf Kinder abgesehen, deren Eltern aufgrund von Sparmaßnahmen an der örtlichen Schule seinen Tod auslösten. Wie im Original macht er sich in verschiedenen Formen in ihren Träumen auf die Jagd, wobei die Eltern klassischerweise wenig Unterstützung bieten. Zunächst nur gejagt, erkennt Bart irgendwann, dass die ewige Flucht keine dauerhafte Möglichkeit zum Überleben darstellt und entschließt sich, selbst zum Jäger zu werden.

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