Undergrounders: AGAPORNIS – Familien-Short à la Lynch

Manchmal ist ein Horrorfilm gut, weil seine Story originell ist. Manchmal, wie in diesem Fall, ist die Story in keiner Weise originell und eigentlich sogar recht vorhersehbar, aber die Umsetzung des Ganzen nimmt einen trotzdem mit. Genauso geschieht es in dem 15 minütigen mexikanischen Kurzfilm AGAPORNIS von Jose Mellinas. Sein dritter Short dreht sich um ein Geschwisterpaar, deren Mutter vor Kurzem gestorben ist. Eine der beiden Schwestern war seit Jahren nicht mehr zu Hause, nachdem sie in jungen Jahren geflohen war. Ihre Schwester hatte während der ganzen Zeit unter der Vernachlässigung ihrer Mutter gelitten. Es dauert nicht lange, und der Zuschauer merkt, dass die Mutter zwar tot sein mag, aber dennoch im Haus weiterexistiert. Ebenso wird schnell klar, dass es – welch Überraschung – ein Geheimnis in der Familie gibt, an welches sich die davon gelaufene Schwester aber nicht mehr zu erinnern vermag. Das Geheimnis holt sie erst zum Ende der Geschichte ein, doch erfahrene Horrorfans ahnen bereits viel früher, um was es geht. Das ist zwar schade, doch, wie bereits erwähnt, ist es in diesem Fall nicht besonders problematisch. Denn obwohl die Story nicht wirklich zu überzeugen vermag, die Umsetzung tut es. Das beginnt bei den Schauspielerinnen, welche die Rollen der Schwester übernehmen und denen es gelingt, mit wenigen Andeutungen und kleinen Gesten in kurzer Zeit ihren Charakteren den nötigen Tiefgang zu verschaffen. Kameraführung und Überblenden sind größtenteils makellos durchgeführt. Aber vor allem gelingt es dem Regisseur dieses schwarz-weiß Kurzfilms eine traumartige Atmosphäre zu schaffen, welche wahrscheinlich nicht nur zufällig an David Lynch erinnert. Ähnlich wie der Altmeister greift auch Mellinas zu Soundeffekten zurück, welche die dünne Oberfläche der Realität zu durchschneiden scheinen. In diesem Fall vor allem durch das weiße Rauschen des Radios und das Geschrei eines Babys.

Wer diesen gelungenen, low budget Short – IMDb schätzt die Produktionskosten auf lächerliche 300 Dollar – sehen möchte, muss sich jedoch mit Untertiteln begnügen, oder sein Spanisch aufpolieren. Außerdem sollte man genügend Geduld mitbringen, denn derzeit zielt der Kurzfilm vor allem noch auf einschlägige Festivals ab. Wessen Neugierig geweckt ist, kann zumindest auf den unten folgenden Trailer zurückgreifen.

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