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Posted 12. Oktober 2017 by Mick in Undergrounders
 
 

Undergrounders: HI8: RESSURECTIO – mit Folter zum Diplom


„In Deutschland dreht man keine Genre-Filme oder Horror-Trash“
Einer, der diesen Satz womöglich schon persönlich gehört hat, ist Stefan Sierecki, der mit HI8: RESSURECTIO seinen Diplomfilm veröffentlicht.
Der Verdacht liegt zumindest nahe, denn auch im Film geht es um einen Filmstudenten, der mit dieser Bemerkung seines Dozenten schroff zurechtgewiesen wird.

Ob Selbsterkenntnis der erste Weg zur Besserung dieser unschönen Situation ist, sei dahingestellt, das Thema ausgerechnet in den eigenen Abschlussfilm einzubauen ist hingegen genauso gewagt (schließlich müssen die Dozenten das Ergebnis begutachten), wie clever.

Der junge Filmemacher Steven in HI8: RESSURECTIO hat das Problem, dass ihm das Geld für seinen Film fehlt. Hilfe verspricht eine Internetseite, die Leute wie ihn sucht und dafür vernünftige Bezahlung bietet. Kaum hat sich Steven beworben, stehen auch schon zwei Herren vor der Tür, die ihn auf der Stelle anheuern und Steven mit einem Sack überm Kopf mitnehmen.
Erst Stück für Stück versteht der Jung-Regisseur, dass er an Snuff-Filmen mitwirken soll.

Steven verkauft also förmlich seine Seele an den Teufel und auch wenn in der Realität die wenigsten Filmstudenten in der Snuff-Szene landen werden, dürften sich einige von ihnen so fühlen, wenn sie ihren Traum von Kreativität beerdigen und fürs RTL-Nachmittagsprogramm arbeiten müssen.

Das aber nur nebenbei, werfen wir noch einen Blick auf den Film, der mit weiteren Referenzen, Querverweisen und interessanten Nebenfiguren aufwartet. Nennenswert sind etwa der Produzent, der permanent futtert oder der brutale Handlanger, der nie ohne Maske auftritt, was ebenfalls Teil einer lustigen Konversation ist.

Allerdings gibt Siereckis Film auch all jenen Futter, die (deutschen) Horror für stumpfen Quatsch halten. Dass Steven selbst etwa von seinen „Geschäftspartnern“ das halbe Ohr abgesäbelt wird, er aber trotzdem wachsendes Interesse hat weiter mit ihnen zu arbeiten, wirkt nicht eben naheliegend.

Störender werden kritische Dozenten und Feingeister aber die zahlreichen Folter- und Splatteranteile sehen mit denen der Film in bekannte Szenemuster zurückfällt.
Für Fans eines satten Blutbads ist damit nichts verkehrt, aber machen wir uns nichts vor, die typische Schwanz-ab-Szene ist weder neu, noch bringt es die vielversprechende Ausgangssituation voran, sondern ist einfach selbstgefällige Gewalt.

Natürlich hat man als Student keine Millionen zur Hand, daher ist HI8: RESSURECTIO nicht in allen Belangen rund geraten. Das Bild ist gerne mal zu dunkel, die Kamera unruhig, dafür passt der Schnitt. Als Schauspieler trifft man zahlreiche Gesichter wieder, die man aus der Indieszene kennt.

HI8: RESSURECTIO ist über das österreichische Black Lava – Label zu beziehen und das macht auf jeden Fall Sinn, denn trotz der aktuellen Milde der FSK darf bezweifelt werden, dass er ungeschnitten durchgekommen wäre.

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