Undergrounders: MCBETTER – Alter Theaterstoff als moderner Horrorfilm

Fast Food-Konzerne als moderne Königreiche, die mit allen Mitteln der Gewalt und Intrige an sich gerissen werden müssen. Kapitalismuskritik in Horrorfilmen ist nicht unbedingt eine neue Idee, wie wir bereits in einem Special erwähnten. Doch nur weil eine Idee an sich nicht unbedingt neu ist, heißt das noch lange nicht, dass ihre Umsetzung und Ausgestaltung nicht lohnenswert sein kann. Das zeigt uns der italienische Regisseur Mattia de Pascali mit seinem Regiedebüt MCBETTER. Die Namensgebung, als eine Mischung von McDonalds und dem Shakespeare-Stück Macbeth, weißt bereits auf den Verlauf der Geschichte hin.

Wie im Theaterstück wird der gefährliche Ehrgeiz des Protagonisten durch seine Lebensgefährtin angeheizt, Geschäftspartners ihres Vaters und Gründer der Fast Food Kette McBetter, zu werden. Als der Plan und das damit verbundene Ego des Hauptcharakters eine Niederlage erleidet, die in einem überraschenden (und überraschend gelungenen) Gewaltausbruch des Moguls mündet, ändern sie kurzerhand den Plan und konzentrieren sich nun darauf, ihren Vater zu ermorden. Dabei kommt gelegen, dass ein unbekanntes Monster vor dem abgelegenen Anwesen, in welchem nahezu der gesamte Film spielt, sein Unwesen treibt. Diesem wollen sie den Toten anlasten, um somit nicht das Erbe der Tochter zu verspielen.

Trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit der Handlung gelingt es dem Film einen konstanten Spannungsbogen aufzubauen. Die Charaktere sind ein wenig flüchtig gezeichnet, doch der Dauer des Films angemessen und vollkommen ausreichend, für die Handlung. Leicht surreale Elemente erscheinen im Verhalten Patricias, der dritten Ehefrau des Moguls, eher ungewollt, sodass man unsicher bleibt, ob es ein geplantes Stilelement war – wie im Falle ihres definitiv seltsamen Sohnese – oder ob es an mangelndem Talent der Schauspielerin liegt. Dagegen sind die Leistungen der anderen Schauspieler weitestgehend überzeugend.

Die Dynamik des Films entsteht dabei vor allem durch das gekonnte Wechselspiel zwischen innerer Bedrohung – den gewaltsamen Intrigen innerhalb des Hauses – und dem erst gegen Ende des Films gelüfteten Schrecken der Außenwelt. Auf diese Weise stellt sich eine klaustrophobische Note ein, die noch beklemmender wird, da nahezu niemand vollkommen lautere Motive hat. Dabei ist es eine Stärke des Films, dass es ihm gelingt, die glaubhafte Wandlung der Wahrnehmung seiner Protagonisten zu erlauben und man sich bald auf der Seite jener Figuren sieht, die man anfangs kaum ausstehen konnte.

Unterstützt wird dieses Kammerspiel durch die zumeist gelungene Nutzung verschiedenfarbigen Lichts in Verbindung mit der umliegenden Dunkelheit, die teilweise an manche David Lynch-Filme erinnern mag.

Natürlich sind bei einem solchen Erstlingswerk, mit wenig erfahrenen Schauspielern und einem eingeschränkten Budget nicht Spezialeffekt auf höchstem Niveau zu erwarten. Doch außer gelegentlich gestelzt wirkenden Szenen und der manchmal leicht überzogenen Darbietung der Schauspieler, lässt sich für einen Film dieser Art wenig an seiner Umsetzung kritisieren.

Fans großer Gewaltorgien werden von MCBETTER eher enttäuscht sein. Doch wer sich für atmosphärische Kammerspiele und klaustrophobischen Grusel erwärmen lässt, findet hier einen durchaus unterhaltsamen und sehenswerten Film. Wer noch dazu das Shakespeare’sche Original kennt wird sich über die eine oder andere Anspielung freuen können. So findet man auch zu Beginn das Äquivalent der drei Hexen wieder: als Wahrsagerin in einer TV-Show.

Wer jetzt Interesse an diesem Film bekommen hat, kann ihn über den italienischen Vertrieb Terminal Video beziehen. Ein wenig Englisch (oder eben Italienisch) wird jedoch vorausgesetzt, da es den Film bisher nur auf italienisch, mit englischen Untertiteln gibt

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