VERÓNICA – der (angeblich) gruseligste Film der Welt

Seit einigen Tagen geistert ein Gespenst durchs Internet: das Gerücht, dass Paco Plazas Film VERÓNICA so verdammt gruselig ist, dass schwache Gemüter direkt durchdrehen, wenn jemand nur den Namen in den Mund nimmt (Herzlichen Glückwunsch, wenn ihr eure Erstgeborene gerade auf den Namen Veronica getauft habt).

Offen gestanden, ich habe keine Ahnung, wer die Behauptung in die Welt setzte, aber nun ist sie da.
Ausgesprochene (hust) Experten wie kino.de (immer für einen Lacher gut), faktglaublich.com und die Online-Redaktion vom Stern (die kürzlich auch behauptete, dass Netflix in Sachen Horrorfilme gut aufgestellt sei), berichteten über VERÓNICA, warnten teilweise davor und verwiesen auf Experten und Kritiker.

Dass das Thema gerade jetzt hochkochte, ist dadurch zu erklären, dass der Film kürzlich auf netflix erschien, also auch die Vatis vom Kegelverein und Romantic-Comedy-Tanten, die den DVD-Start im Oktober verpassten, endlich die Chance erhalten zufällig einzuschalten. Den Auftritt beim Fantasy Filmfest einige Wochen zuvor würden diese Leute wohl ohnehin nur mit einem „Fantasy Filmfest? Nie davon gehört“ quittieren.

Netflix und Koch Media, die für die DVD-Verkäufe verantwortlich sind, dürfte die Aufmerksamkeit freuen, dem Film wird dieser Unfug aber nicht gerecht.
Ebensowenig das Rumgejammer all derer, die den Quatsch zunächst glauben und sich nun entweder unfassbar hart fühlen, weil sie VERÓNICA ohne weitere seelische Schäden überstanden oder das Werk mit klassischen Ein-Wort-Reviews (das Werkzeug der Dummen) in Grund und Boden reden, weil sie sich wundern noch am Leben zu sein.

Ein „normales“ Review gibt es in Kürze, aber schon mal so viel: VERÓNICA ist nicht „Scheisse“ und „Langweilig“, aber er wird euch auch nicht die Augen aus dem Kopf brennen, wenn ihr nicht gerade 8 Jahre alt seid.
Der spanische Regisseur Paco Plaza (REC) versteht was von Horror, eine gewisse psychologische Tiefe ist nicht zu verleugnen und der Film ist weit weniger seelenlos als mancher vergleichbare US-Schinken (ich meine dich, OUIJA).
Die Story um ein schiefgegangens OUIJA-Spiel ist trotzdem nicht neu und das altbackene „auf Tatsachen beruhend“ ebenfalls nur zu 30% zu glauben.

Egal von welcher Seite man es betrachtet, der Film kann einem leid tun, wird er doch nun zur 2018er-Version von RAW, THE WITCH und BABADOOK. Allesamt Werke, die von geilgeilen Schaumschlägern als etwas vermarktet wurden, was sie nicht sind, um hinterher nach geplatzten Erwartungen von engstirnigen Zuschauern durch den Dreck gezogen zu werden, obwohl sie besseres verdient hätten.

Dem interessierten und offenen Filmfan kann man daher nur raten auf Medien, die sich sonst auf Fake News spezialisiert haben und deren Filmfachpersonal auch Schminktipps gibt, zu verzichten und den Streifen als das zu sehen, was er ist: ein solider Horrorthriller aus dem paranormalen Milieu. Nicht mehr, nicht weniger.

 

 

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