VERSUS: Dracula (1897 vs. 1922 vs. 1931 vs. 1958 vs. 1992)

 

 
Overview
 



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Posted 6. März 2011 by

In unserem heutigen VERSUS, vergleichen wir einige der wichtigsten Dracula-Filme, sparen aber auch  das Buch nicht aus, das natürlich der Ursprung aller Vampire war, wie wir sie heute kennen.

Darin erzählt Stoker die Geschichte des jungen englischen Maklers Jonathan Harker, der ins entfernte Transsilvanien geschickt wird, um mit dem Grafen Dracula Geschäfte zu machen.
Schnell merkt Harker, dass auf dem Schloss unheimliche Dinge vor sich gehen, doch er ist dort gefangen, während der untote Graf nach England reist.
Dort hat er es auf Harkers Verlobte Mina abgesehen, die nicht das einzige Opfer des Vampirs bleiben soll.
Stärkster Gegenspieler des Grafen ist Professor Abraham van Helsing, der von Minas Freunden herbeigerufen wird. Gemeinsam wollen sie Dracula ein für allemal töten, doch die Zeit ist knapp, denn Mina wurde bereits gebissen.

Analysen über Stokers Roman füllen ganze Regale, daher soll an dieser Stelle nur so viel gesagt sein:
Schon Harkers Anreise nach Transsilvanien, ein fremdartiges, raues Land stimmt auf die dunklen Ereignisse ein, die folgen. Tod und Verfall, aber auch eine unterschwellige Wollust sind wichtige Bestandteile des Buches und ziehen sich durch alle Aspekte der Handlung.
Geschrieben wurde der Roman als Tagebuchform, teilweise auch in Briefform, wobei zwischen den Perspektiven  verschiedener Menschen hin- und her gewechselt wird.

NOSFERATU (1922)

Die erste DRACULA-Verfilmung trug nicht einmal den Namen DRACULA. Der deutsche F.W. Murnau inszenierte 1922 NOSFERATU, eine von Stokers Witwe nicht autorisierte Adaption. Während die Handlung durchaus an das Buch erinnert, wurden Namen und Orte geändert, was der intensiven Atmosphäre, die der Film aufbaut, aber keinen Abbruch tut. Nosferatu entstand noch als Stummfilm und das Flackern der Bilder mit schwarzen Rändern mag heute nicht mehr zeitgemäß wirken, trägt aber zur unheilvollen Stimmung maßgebend bei.
Während andere Verfilmungen Dracula zunächst als Menschen zeigen, trägt der Vampir (hier Graf Orlok, gespielt von Max Schreck) von Anfang an ein furchteinflößendes Äußeres, das nichts von dem charmanten Edelmann hat, als der er sich in den nächsten Verfilmungen geben wird.

Bela Lugosi (1931)

1931 übernahm Bela Lugosi die Rolle des Grafen, zum ersten Mal mit Ton und erstmals offiziell.
Vorlage war jedoch nur indirekt der Roman und vielmehr ein Theaterstück, das einige Jahre zuvor aufgeführt wurde, was womöglich auch erklärt, warum viele Schauspieler in ihren Rollen überagieren.
Wie in den meisten Verfilmungen wurde die Handlung gekürzt und einige Personen anders eingesetzt als von Stoker angedacht. So reist z.B. in dieser Adaption Harker überhaupt nicht zu Dracula. Diese Rolle kommt Renfield zu, der in der Vorlage als Harkers Vorgänger und inzwischen wahnsinniger Diener des Vampirs auftritt. Insgesamt zeigt sich der Film weniger roh als NOSFERATU und der Graf gibt sich als eloquenter und gesitteter Adliger, der nur heimlich seine düstere Seite zeigt und sich ansonsten zur High Society Londons gesellt. Seine düstere Ausstrahlung zieht diese Version vor allem aus dem schwarz-weiß-Bild. Die Spezialeffekte, wie eine vor dem Fenster kreisende Fledermaus wirken hingegen zumindest aus heutiger Sicht veraltet. Bezeichnend auch, dass im ganzen Film kein Blut zu sehen ist.
Obwohl der gebürtige Rumäne Lugosi in über 100 Filmen mitspielte, blieb es immer die Rolle des Blutsaugers, die man bis heute mit ihm verbindet.

Christopher Lee (1958)

 

Dieses Schicksal teilt Lugosi mit Christopher Lee, der 1958 den Grafen im Auftrag der legendären Hammer-Studios zum ersten (aber nicht zum letzten) Mal spielte und für viele als der Dracula schlechthin gilt. Man muss aber festhalten, dass diese Version von allen hier vorgestellten die Schwächste ist. Lee war zur damaligen Zeit kein besonders guter Schauspieler und wieder wurden Charaktere beliebig durcheinander gewürfelt. Jonathan Harker stirbt gleich zu Beginn, Figuren wie Dr. Seward werden völlig vergessen und statt in London befindet man sich unweit des Schlosses.
Außerdem trieft jede Szene vor bunten, satten Farben, die jegliche Atmosphäre stehlen. Lobenswert ist jedoch die schwere Musik, die jeden Auftritt Draculas ankündigt.

 

 

1992 nahm sich Francis Ford Coppola Stoker’s Roman an. Das Ergebnis ist beachtlich. Als wohl erste Verfilmung schaffte es der Ausnahmeregisseur den kompletten Stoff des Buches, samt aller Nebenfiguren,  unterzubringen und lieferte zudem noch eine glaubwürdige Vorgeschichte, die der realen Figur des Grafen ebenso gerecht wird, wie dem Vampir im Film. Das Werk ist bildgewaltig und setzt einerseits durch eigene Ideen Akzente, verneigt sich andererseits aber auch vor seinen Vorgängern. So ist z.B. die Szene, in der  Dracula senkrecht in seinem Sarg auffährt, eindeutig von NOSFERATU entliehen.
Die Besetzung ist nicht nur prominent, sondern lieferte auch Höchstleistungen ab. Gary Oldman (Dracula) und Anthony Hopkins (Van Helsing) konnten in ihrem Leben in vielen Rollen glänzen, aber nie spielten Winona Ryder und Keanu Reeves besser als hier.
Der im Buch nur angedeuteten Sexualität kommt unter Coppola mehr Beachtung zu. Nicht nur lernen wir Prof. Van Helsing kennen während er in einer Vorlesung Parallelen zwischen Zivilisation und „Syphilisation“ zieht, sondern erleben auch verschiedene sinnlich-erotische Vampirszenen.
Auch ist zu erwähnen, dass Dracula keineswegs nur als Monster dargestellt wird; durch seine Vorgeschichte und Liebe zu Mina wird er vielmehr zur tragischen Figur, die von Stokers Darstellung abweicht.

Gary Oldman (1992)

Fazit:
Von allen Verfilmungen ist BRAM STOKER’S DRACULA eindeutig die kompletteste, daran können auch einige wenige Längen im Mittelteil nichts ändern. Auch NOSFERATU ist nach all den Jahren noch für einige Schaudermomente gut.
In jedem Fall sollte jeder der des Lesens mächtig ist, Bram Stokers Roman kennen. Das Buch hat bis heute nichts von seinem Schrecken und seiner Qualität verloren.

Bewertung:

DRACULA (Roman) (1897)
10/10

NOSFERATU (1922)
9/10

DRACULA (1931)
8/10

DRACULA (1958)
6.5/10

BRAM STOKER’S DRACULA (1992)
9.5/10

 

Nosferatu (1922) – kompletter Film (natürlich legal)

Dracula (1931) – Trailer

Dracula (1958) – Trailer

Bram Stoker’s Dracula (1992) – Trailer

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